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Afrika-Verein: Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaft zu wenig verknüpft

Bei der Reise der Bundesminister Gerd Müller (Entwicklungszusammenarbeit) und Hermann Gröhe (Gesundheit) nach Ghana und Liberia reisen keine Vertreter deutscher Gesundheitsunternehmen mit. Das kritisiert der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft. Die betroffenen Ministerien weisen die Kritik zurück.

Berlin (csr-news) – Bei der Reise der Bundesminister Gerd Müller (Entwicklungszusammenarbeit) und Hermann Gröhe (Gesundheit) nach Ghana und Liberia reisen keine Vertreter deutscher Gesundheitsunternehmen mit. Das kritisiert der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft: „Der Bedarf an Gesundheitsprodukten aus Deutschland ist in Liberia gerade jetzt besonders hoch“, erklärte Stefan Liebing, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes, dem 50 in Afrika tätige Firmen aus dem Gesundheitsbereich angehören. Die betroffenen Ministerien weisen die Kritik zurück.

Seit dem 7. April befinden sich Gröhe und Müller mit einer Delegation aus Bundestagsabgeordneten und NGO-Vertretern auf einer viertägigen Westafrikareise. Zu den Schwerpunkten der Besuche zählen die Stärkung der Gesundheitssysteme in Afrika und der Wiederaufbau nach der Ebola-Epidemie, an der über 10.000 Menschen gestorben sind. Liebig weiter: „Das Beispiel der Gesundheitswirtschaft zeigt mehr als alles andere, welche positiven Wirkungen eine stärkere Verknüpfung der entwicklungspolitischen Maßnahmen mit den Stärken der deutschen Wirtschaft hätte“. Die Leistungen deutscher Firmen reichten vom Krankenhausneubau, –ausstattung und –betrieb über Beratungsleistungen, die Herstellung pharmazeutischer und diagnostischer Produkte bis hin zu Versicherungskonzepten.

Zu der Kritik des Wirtschaftsverbandes verwies das Bundesgesundheitsministerium auf die angesichts der Lage in Westafrika beschränkte Größe der Delegation. Eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums erklärte gegenüber CSR NEWS: „Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft nicht nachzuvollziehen.“ So seien die vor Ort ansässigen deutschen Unternehmen am heutigen Mittwochabend zu einem Empfang mit den Ministern beim Deutschen Botschafter in Accra geladen. Davor stehe ein Treffen mit Vertretern der Arzneimittelproduktion auf dem Besuchsprogramm. In Liberia werde die Delegation eine Klinik besucht und dort den medizinischen Bedarf und einen möglichen Beitrag deutscher Unternehmen der Gesundheitsbranche eruieren.

Eine wachsende Mittelschicht und akute Gesundheitsgefahren haben zu einem kontinuierlichen starken Wachstum des Gesundheitssektors in Afrika beigetragen: So haben sich nach einer WHO-Statistik etwa in Liberia die Gesundheitsausgaben von 2005 bis 2013 verdoppelt.

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