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Wie mittelständische Unternehmen mit Greenwashing und anderen CSR-Risiken umgehen

Nachhaltige Geschäftspraktiken sind in den mittelständischen Betrieben in Deutschland nicht mehr ungewöhnlich und immer öfter orientieren sich die Unternehmen dabei auch am Konzept der Corporate Social Responsibility. Meist versprechen sie sich davon einen Wettbewerbsvorteil. Doch CSR bedeutet nicht nur Chancen, es ist auch mit Risiken behaftet. In einer Studie hat sich das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) damit beschäftigt und zeigt anhand von acht Beispielen, wie Unternehmen den Risiken begegnen.

Bonn (csr-news) > Nachhaltige Geschäftspraktiken sind in den mittelständischen Betrieben in Deutschland nicht mehr ungewöhnlich und immer öfter orientieren sich die Unternehmen dabei auch am Konzept der Corporate Social Responsibility. Meist versprechen sie sich davon einen Wettbewerbsvorteil. Doch CSR bedeutet nicht nur Chancen, es ist auch mit Risiken behaftet. In einer Studie hat sich das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) damit beschäftigt und zeigt anhand von acht Beispielen, wie Unternehmen den Risiken begegnen.

Anders als oftmals vermutet, sind sich die Unternehmen den Risiken, die sie im Umgang mit CSR eingehen, durchaus bewusst. Doch das hält sie nicht davon ab, gesellschaftliche Unternehmensverantwortung in ihrem Kerngeschäft wahrzunehmen, vielmehr suchen sie Mittel und Wege, mit den Risiken umzugehen. Eines der größten Risiken ist der Vorwurf des Greenwashing, der in der Konsequenz zu einer spürbaren Rufschädigung führen kann. Denn auch unter den Unternehmen, die sich CSR auf die Fahne schreiben ist, lange nicht alles Gold, was glänzt, schreiben die Autoren der Studie. Das Problem, Unternehmen die CSR nur zum Schein betreiben, riskieren damit nicht nur ihren eigenen Ruf und damit ihr Geschäft, sondern, so die Autoren: „Leidet darunter auch der gute Ruf anderer Unternehmen, die CSR in der Unternehmensstrategie verankern“. Dem IfM zufolge können Unternehmen aber selbst sehr viel tun, um sich vom Greenwashing abzugrenzen und ihre eigene Rechtschaffenheit zu zeigen. Viele Mittelständler würden dabei, ebenso wie Großunternehmen auf Zertifikate und gelegentlich auch auf Nachhaltigkeitsberichte setzen. Zudem begründen sie Kooperationen mit Wettbewerbern, um gemeinsam Standards zu etablieren. Allerdings können auch fehlende Kontrollen und unklare Vereinbarungen in Lieferverträgen zu unbeabsichtigtem Greenwashing führen: Denn die Unternehmen können nicht immer sicher sein, dass die Vorprodukte ihrer Zulieferer auch den CSR-Standards entsprechen. „Mittelständische Unternehmen suchen ihre Marktpartner daher sorgfältig aus“, so Frank Maaß vom IfM. „Ein Teil arbeitet nur mit zertifizierten Lieferanten zusammen. Andere wählen ihre Geschäftspartner ausschließlich unter den Mitgliedern eines Verbandes aus, der konkrete CSR-Standards vorschreibt“.

Ziel eines nachhaltigen Beschaffungsmanagements ist meist der Aufbau langfristiger Geschäftsbeziehungen, einhergehend mit Anforderungen an Qualität, Preis und Zuverlässigkeit. Die falsche Auswahl des Lieferanten, etwa weil dieser fälschlicherweise vorgibt, Standards zu erfüllen, kann dann schnell zum Problem werden, auch gegenüber den eigenen Kunden. Beispielhaft erläutert die Studie diesen Zusammenhang an den Bäckereiunternehmen Ludwig Stocker Hofpfisterei und Märkisches Landbrot. Beide auf der Suche nach Landwirten, die Getreide in Bioqualität liefern können, und zwar Standards entsprechend die über der EU-Norm liegen. Zusagen potenzieller Lieferanten konnten im Vorfeld nicht ausreichend überprüft werden, für eigene Screening-Verfahren fehlen den Unternehmen die personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen. Die Alternative ist ein sogenanntes indirektes Screening. Dabei orientieren sich die Unternehmen anhand etablierter, valider Qualitätssignale. Die beiden Bäckereien haben dabei auf Standards eines anerkannten Anbauverbands zurückgegriffen und ihre Lieferanten aus dem Kreis dieses Verbandes ausgewählt. Der Verband achtet und kontrolliert entsprechend hohe Standards und erzeugt somit aus Sicht der Bäckereibetriebe ein glaubwürdiges Signal, denn für Landwirte, die nicht in der entsprechenden Qualität liefern können, ist die Mitgliedschaft nicht möglich bzw. nicht lohnenswert. Zusätzlich stehen den Unternehmen natürlich noch weitere Maßnahmen wie etwa eigene Hofbegehungen zur Verfügung. So macht es beispielsweise die Märkische Landbrot, die zudem die gelieferten Chargen überprüft und sich an den Lieferverträgen einer regionalen Bio-Initiative orientiert. Darin werden noch weitergehende Anforderungen an eine nachhaltige Unternehmensführung geregelt, beispielsweise der Einsatz von recyceltem Papier. Dies hat für die Mittelständler den Vorteil, dass sie auch Anforderungen erfüllen, die an sie als Teil eines Liefernetzwerks größerer Unternehmen gestellt werden. Dennoch kann es auch in normalerweise erfolgreich verlaufenden Lieferbeziehungen zu Problemen kommen. Eine vollständige Rückverfolgbarkeit ist für Mittelständler kaum zu realisieren. Um die Risiken in den bestehenden Lieferbeziehungen zu reduzieren, schaffen die betrachteten Bäckereien Verhaltens- bzw. Qualitätsanreize auf dreierlei Weise. Durch weitreichende Kontrollmechanismen, durch faire Entlohnung und durch die Ausnutzung ihres im Netzwerk gebildeten Sozialkapitals. Vor allem ein fester und vor allem fairer Preis ist dabei ein wirkungsvolles Instrument, mit dem sich Lieferantenbeziehungen dauerhaft fair gestalten lassen und dadurch das Risiko minimiert wird.

CSR-Risiken bestehen aber nicht nur im Beschaffungsmanagement, sondern ebenso beim Absatz oder im Personalmanagement. Fehlverhalten kann insofern auch innerhalb von CSR-aktiven Unternehmen auftreten, wenn die Mitarbeiter die Normen und Werte des Unternehmens nicht mittragen. Mittelständische Unternehmen sollten daher auf eine offene Unternehmenskultur setzen und ihre Beschäftigten in Entscheidungsprozesse einbinden. Das schafft Akzeptanz. Um sich als Unternehmen nicht dem Vorwurf des Greenwashings auszusetzen, ist es nach Auffassung der Autoren generell ratsam, klare Signale zur Erhöhung der eigenen Glaubwürdigkeit auszusenden. Dafür reicht allerdings nicht das bloße Bekunden. Mittelständler setzen deshalb oft auf einschlägige Zertifikate oder geprüfte Nachhaltigkeitsberichte. Grundsätzlich, so das Fazit der Studie, schaffen es die Unternehmen sich vor den möglichen CSR-Risiken zu schützen. Zusätzliches staatliches Eingreifen sei insofern nicht zwingend erforderlich. Dennoch kann die öffentliche Hand dazu beitragen, die Risiken für die Unternehmen zu minimieren. So wurden die Ergebnisse der Studie im CSR-Beirat des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen diskutiert. „Die CSR-Kompetenzzentren, die aktuell in ganz Nordrhein-Westfalen entstehen, werden sowohl die kleinen und mittleren Unternehmen als auch die Großunternehmen darin unterstützen, Greenwashing wirksam zu begegnen“, erklärte der Vorsitzende des CSR-Beirats, NRW-Staatssekretär Günther Horzetzky.

Die vollständige Studie „Chancen und Risiken von CSR im Mittelstand“ zum Download.

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