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Hauptschüler haben trotz Fachkräftemangel schlechte Chancen

Trotz des von den Unternehmen beklagten Fachkräftemangels haben Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss weiterhin schlechte Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

München (afp) – Trotz des oft beklagten Fachkräftemangels haben viele Firmen laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) auch weiterhin nur recht geringes Interesse an Bewerbern mit Hauptschulabschluss. „Im Durchschnitt haben die Unternehmen die Auswahl der Auszubildenden noch nicht den veränderten demografischen Verhältnissen angepasst“, heißt es in der am Montag in Berlin veröffentlichten Analyse. „Sie setzen vielfach immer noch auf eine Bestenauslese.“

Die Studie des DGB stützt sich auf eine Auswertung der bundesweiten IHK-Lehrstellenbörse, einem Online-Portal zur bundesweiten Vermittlung von Ausbildungsplätzen. Von den dort aktuell angebotenen knapp 43.900 offenen Lehrstellen waren demnach nur in etwa 16.800 auch für Jugendliche mit Hauptschulabschluss offen. Diese waren so von beinahe zwei von drei Angeboten (61,2 Prozent) faktisch ausgeschlossen. Dabei variiert das Ergebnis laut Studie allerdings je nach Berufssparte stark.

Bei Bank- und Büroberufen gehe die Chance von Hauptschulabsolventen „gegen Null“, heißt es. Auch im gewerblich-technischen Bereich seien die Erfolgsaussichten einer Bewerbung generell gering, wenngleich es hier insgesamt größere Differenzen zwischen den einzelnen Berufen gebe. So seien Hauptschüler bei 85,4 Prozent der derzeitig gesuchten Mechatroniker-Stellen außen vor, bei den Lehrstellen für Anlagenmechaniker bei 22,7 Prozent.

Als „besonders“ auffällig bezeichnete die Studie den Umstand, dass auch Branchen mit Besetzungsproblemen wie der Hotel- und Gastronomiebranche Bewerber mit Hauptschulabschluss häufig von vornherein ausschlössen. Das sei etwa in 60,5 Prozent der aktuell angebotenen Plätze für angehende Hotelfachkräfte der Fall sowie für immerhin 31,1 Prozent der Lehrstellen für Köche.

„Das passt nicht zu den ewigen Klagen über den vermeintlichen Fachkräftemangel“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag. Wer künftig seinen Fachkräftenachwuchs sichern wolle, der müsse verstärkt Jugendlichen mit Hauptschulabschluss eine Chance geben, betonte die Gewerkschaftsführerin.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, betonte in der „Süddeutschen“, die Ausbildungschancen für Hauptschüler seien gut und würden „immer besser“. Deren Anzahl sei wegen der insgesamt sinkenden Schülerzahl und dem Trend hin zu höheren Abschlüssen in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent zurückgegangen sei. Nur noch 17 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs verließen die Schule mit einem Hauptschulabschluss, sagte er. Davon könnten mittlerweile 75 Prozent auch eine Ausbildung beginnen.

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