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Palästinensische Kinder in Siedlerbetrieben beschäftigt

Human Rights Watch (HRW) hat die mutmaßliche Beschäftigung palästinensischer Kinder in landwirtschaftlichen Betrieben jüdischer Siedler im besetzten Westjordanland verurteilt.

Jerusalem (afp) – Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die mutmaßliche Beschäftigung palästinensischer Kinder in landwirtschaftlichen Betrieben jüdischer Siedler im besetzten Westjordanland verurteilt. Hunderte Kinder seien bereits zu geringen Löhnen und unter “gefährlichen” Bedingungen in den Siedlerbetrieben im von Israel besetzten Jordantal beschäftigt worden, hieß es in einem am Montag von HRW veröffentlichten Bericht. Die Angaben beruhen auf Aussagen palästinensischer Arbeiter. Die Kinder stammen demnach aus “durch die israelische Diskriminierung und Siedlungspolitik verarmten Gemeinden”.

“Sie verlassen die Schule und nehmen gefährliche Arbeit an, weil sie das Gefühl haben, keine Alternative zu haben”, hieß es in dem HRW-Bericht. Einige der beschäftigten Kinder seien erst elf Jahre alt. Manchmal arbeiteten sie mehr als 60 Stunden pro Woche bei heißem Wetter. Beim Pflücken und Besprühen von Gemüse hätten viele Verletzungen durch scharfes Gerät erlitten sowie Übelkeit und Schwindel durch Pestizide. HRW kritisierte, dass das israelische Arbeitsrecht derartige Arbeitsbedingungen für Minderjährige verbiete, palästinensische Kinder davon aber nicht profitierten.

Der Vorsitzende der israelischen Siedlergemeinde im Jordantal, David Elhajani, bezeichnete den Bericht als “Lüge”. Das einzige Ziel von HRW sei es, Israels Ruf zu schaden, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Die Landwirte würden im Falle von Kinderarbeit ihre Exportlizenzen verlieren, betonte Elhajani. Er räumte aber ein, dass es palästinensische Subunternehmer gebe. Er könne nicht wissen, ob durch die Subunternehmer auch Kinder in die Betriebe geschleust würden. HRW sprach von mindestens einem Fall, bei dem Palästinenser durch palästinensische Subunternehmer an Siedler vermittelt wurden.

HRW rief Europa und die USA auf, Siedlerprodukte von den für israelische Exportprodukte geltenden Vorzugstarifen auszunehmen. Zwar habe die EU diesen Schritt bereits vollzogen, nicht aber die einzelnen Mitgliedstaaten.