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Unternehmerinnen starten durch im konservativen Emirat Katar

Mariam al-Subaiej ist zufrieden. Die Frauen in ihrem Land würden “wie Königinnen” behandelt, sagt die 28-Jährige mit den Kajal-umrundeten Augen und der Abaja, dem traditionellen langen schwarzen Mantel. “Ich habe viele Möglichkeiten und es liegt an mir, ob ich sie ergreife oder nicht.” Nach Stationen unter anderem im Marketing und beim Fernsehen betreibt sie nun ihre eigene Boutique. Das Besondere an dieser Start-up-Geschichte: Sie spielt im konservativen, islamisch geprägten Emirat Katar.

Doha (afp) – Mariam al-Subaiej ist zufrieden. Die Frauen in ihrem Land würden “wie Königinnen” behandelt, sagt die 28-Jährige mit den Kajal-umrundeten Augen und der Abaja, dem traditionellen langen schwarzen Mantel. “Ich habe viele Möglichkeiten und es liegt an mir, ob ich sie ergreife oder nicht.” Nach Stationen unter anderem im Marketing und beim Fernsehen betreibt sie nun ihre eigene Boutique. Das Besondere an dieser Start-up-Geschichte: Sie spielt im konservativen, islamisch geprägten Emirat Katar.

Von Victoria Baux

Die Frauen in dem ölreichen Golfstaat profitieren unter anderem von einem Programm zur “Katarisierung” der Wirtschaft. Da die Katarer wegen der vielen Gastarbeiter eine Minderheit im eigenen Land geworden sind, garantiert die politische Führung nun den Einheimischen gut bezahlte Arbeitsplätze in Industrie und Verwaltung. Außerdem gibt es Unterstützung für Existenzgründer wie Mariam al-Subaiej.

Sie war Programmdirektorin bei Katar TV, vorher war sie im Marketing tätig und beim Außenministerium. Außerdem startete sie mehrere Jugendprojekte. “Dann war ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem ich etwas Eigenes schaffen wollte”, erklärt sie die Entscheidung für den eigenen Laden.

Eine Schlüsselrolle für die Frauen in Katar spielt auch die frühere First Lady und Mutter des heutigen Emirs, Scheicha Mosa. Sie ist Vorsitzende der Katar-Stiftung, die unter anderem Ableger westlicher Universitäten ins Land holt. An den Einrichtungen sind viele Studentinnen eingeschrieben; an der Carnegie-Mellon-Universität in Doha sind die Frauen sogar mit 57 Prozent in der Mehrheit. Und ihr Interesse an Wirtschaft ist riesig: An der Wirtschaftsfakultät der Carnegie-Mellon-Universität studieren viermal so viele Frauen wie Männer.

Mariam al-Subaiej sammelt nun praktische Erfahrung im Wirtschaftsleben. In ihrem Geschäft mit dem Namen Q-Talent bietet sie einheimische Waren an, von Kleidung und Handtaschen bis hin zu Töpferwaren. Wie sie wagt mittlerweile eine ganze Reihe von Frauen in Katar den Weg in die Selbstständigkeit. Bei einer Start-up-Messe in Doha präsentierten sich kürzlich viele Firmen mit Frauen an der Spitze, manche von ihnen noch Studentinnen.

“Es ist hier nicht schwer für Frauen zu arbeiten. Wir glauben an uns und haben der Gemeinschaft, der Gesellschaft, ja sogar dem Land viel zu geben”, sagt Amal al-Schammari. Sie hat ebenfalls ein Unternehmen gegründet – “Embrace Doha” (deutsch: umarme Doha) richtet sich an Ausländer und bringt ihnen auf Ausflügen die Kultur des Landes näher.

Nicht immer hätten es Frauen aber leicht, räumt al-Schammari ein. “Die Kultur ist immer noch konservativ”, sagt sie. “Manche denken, dass Frauen bestimmte Dinge nicht so tun können wie Männer.” Die junge Generation von Frauen sei aber gerade dabei, “das Gegenteil zu beweisen”. Junge Frauen nähmen die Dinge in die eigene Hand und “streben an die Spitze”.

Die Gesetze im Land sehen vor, dass Männer und Frauen gleich bezahlt werden müssen. Seit 1999 können Frauen auch höhere Posten in der Staatsführung übernehmen. Die Ministerin für Informations- und Kommunikationstechnologie, Hessa al Dschaber, wurde im vergangenen Jahr auf Platz fünf der Forbes-Liste der 200 einflussreichsten arabischen Frauen in Regierungspositionen gewählt.

Andererseits sind bestimmte Wirtschaftszweige in Katar weiterhin Männern vorbehalten. Das gilt etwa für die Landwirtschaft und Fischerei. Im Jahr 2012 hatten lediglich 35 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter einen Job. Dieser Prozentsatz steigt bisher nur geringfügig.

Doch gerade jetzt sind die Aussichten günstig. Katar verzeichnet ein kräftiges Wirtschaftswachstum von zuletzt 6,5 Prozent; für das laufende Jahr sagt die Staatsführung sieben Prozent voraus.