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Weltweite Konzentration von Pflanzenschutzmitteln höher als erwartet

Insektizide und Pestizide stellen eine signifikante Gefahr für die Biodiversität in Gewässern dar, und zwar weltweit. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau die dafür 838 Studien ausgewertet haben. Das Ergebnis ist alarmierend: In über 40 Prozent der Fälle, in denen Pflanzenschutzmittel in Gewässern nachgewiesen wurden, waren diese höher als sie laut behördlichem Zulassungsverfahren sein dürften. Bei den Ablagerungen am Gewässergrund waren die Messwerte sogar in 80 Prozent der Fälle inakzeptabel hoch.

Mainz (csr-news) > Insektizide und Pestizide stellen eine signifikante Gefahr für die Biodiversität in Gewässern dar, und zwar weltweit. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau die dafür 838 Studien ausgewertet haben. Das Ergebnis ist alarmierend: In über 40 Prozent der Fälle, in denen Pflanzenschutzmittel in Gewässern nachgewiesen wurden, waren diese höher als sie laut behördlichem Zulassungsverfahren sein dürften. Bei den Ablagerungen am Gewässergrund waren die Messwerte sogar in 80 Prozent der Fälle inakzeptabel hoch.

Diese Ergebnisse zeigen, dass Insektizide eine signifikante Gefahr für die Biodiversität in Gewässern weltweit darstellen und dass die behördliche Risikobewertung für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln offensichtlich keinen ausreichenden Schutz bietet, so das Fazit der Wissenschaftler. „Neben Schwächen bei der Risikobewertung kommen nicht eingehaltene Auflagen beim Ausbringen von Pestiziden auf der landwirtschaftlichen Fläche als Gründe in Betracht“, erklärt Ralf Schulz, einer der Autoren der Studie. Nur eine generelle Reform der Landwirtschaft und ein verstärkter ökologischer Anbau würden auf globaler Ebene die Sicherstellung der Ernährung einer wachsenden Bevölkerung bei gleichzeitiger Reduktion der negativen Einflüsse der auf den Einsatz von Pestiziden basierenden intensiven Landwirtschaft auf Ökosysteme, wie Gewässer, ermöglichen. Zwar würden Pestizide for ihrer Zulassung einer umfangreichen Risikobewertung unterzogen, in der unter anderem auch die Auswirkungen auf Gewässer untersucht werden. Die dabei festgelegten Konzentrationen erlauben es, ein Pestizid als unbedenklich einzustufen. Damit diese Konzentration auch in der Praxis nicht überschritten wird, müssen Landwirte bei der Ausbringung von Pestiziden oftmals Auflagen einhalten, zum Beispiel einen Mindestabstand von bis zu 20 m zum nächsten Gewässer. Nur unter der Annahme der Einhaltung dieser Auflagen werden viele Pestizide in der EU oder in den USA zugelassen. Doch genau da scheint eines der Probleme zu liegen, die unsachgemäße Anwendung in der Landwirtschaft.

Die Wissenschaftler aus Landau haben auf der Grundlage von 838 Studien insgesamt 11.300 Fälle identifiziert, in denen ein Insektizid in einem Gewässer gemessen wurde. Die Proben stammen von rund 2.500 Probenstellen aus 73 Ländern. Und obwohl dies die bislang umfangreichste Untersuchung in diesem Bereich ist, in der 28 verschiedene Insektizide berücksichtigt wurden, wird nur ein geringer Teil der weltweit vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen erfasst. Für etwa 90 Prozent liegen keine Messdaten für Gewässer vor. So gibt es keine Werte für Russland oder große Teile Afrikas und Südamerikas. Und auch in belasteten Gewässern ist der Nachweis oftmals schwierig, weil die vorhandene Insektizidbelastung oftmals nur für sehr kurze Zeiträume im Jahr tatsächlich messbar ist. Dennoch können diese Belastungsspitzen ausreichen, um das Ökosystem in einem Gewässer zu zerstören. Für manches wichtige Insekt reicht aber eine kurze und geringe Konzentration aus, um es zu töten. Zudem wurden in den Proben teilweise mehrere, in manchen Fällen über 30 verschiedene Wirkstoffe gleichzeitig nachgewiesen. Die negativen Auswirkungen dieser Mischungen werden aber bei den behördlichen Zulassungen nicht berücksichtigt, können aber deutlich über den von einzelnen Wirkstoffen liegen.

Aus Deutschland konnten insgesamt 138 gemessene Insektizidkonzentrationen in der Studie berücksichtigt werden. Dies ist eine relativ geringe Anzahl von Messwerten, die zeigt, dass in Deutschland zur Pestizidbelastung von Gewässern in der Landwirtschaft kaum wissenschaftlich fundierte Informationen vorliegen. Von diesen 138 Werten lagen sogar rund 80 Prozent über den gemäß Zulassungsverfahren als akzeptabel einzustufenden Konzentrationen. Die Wissenschaftler erklären den hohen Wert damit, dass vergleichsweise kleine Gewässer untersucht wurden und dabei Methoden angewandt wurden, die selbst kurzzeitige Belastungsspitzen im Gewässer relativ gut erfassen können.

Die Analyse, die aktuell in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America erschienen ist, ist auch der Frage nachgegangen, ob neuere Insektizidwirkstoffe im Gegensatz zu älteren Wirkstoffen ein geringeres Umweltgefährdungspotenzial aufweisen. Das Gegenteil war der Fall, das Risiko für Gewässer ist also im Laufe der vergangenen Jahrzehnte gestiegen. Auch die seit Anfang der 1990er Jahre etablierten restriktiven Bewertungs- und Zulassungsverfahren in der EU oder den USA haben in dieser Hinsicht keinerlei feststellbare Verbesserung erbracht, so die Wissenschaftler. Bei genauer Betrachtung zeigte sich, dass in Ländern mit vergleichsweise liberaler Umweltgesetzgebung und geringer Regulierung (z.B. in Afrika, Asien) etwa 42 Prozent der Wasserproben inakzeptable hohe Insektizidkonzentrationen aufwiesen. In Ländern mit eher anspruchsvoller Umweltgesetzgebung, wie den USA, Kanada, Deutschland, Japan oder Australien war dieser Wert mit 40 Prozent erstaunlicherweise kaum geringer.