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Auf 100 Jugendliche kommen durchschnittlich 103 Ausbildungsangebote

Trotz einer sinkenden Zahl neuer Ausbildungsverträge und so vielen unbesetzten Lehrstellen wie nie zuvor bleiben weniger Schulabgänger bei der Suche nach einer Ausbildung erfolglos. Die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sei derzeit „so hoch wie noch nie“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung des Berufsbildungsberichts 2015.

Berlin (afp) – Trotz einer sinkenden Zahl neuer Ausbildungsverträge und so vielen unbesetzten Lehrstellen wie nie zuvor bleiben weniger Schulabgänger bei der Suche nach einer Ausbildung erfolglos. Die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, sei derzeit „so hoch wie noch nie“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch bei der Vorstellung des Berufsbildungsberichts 2015. Dabei müsse die duale Ausbildung gesellschaftlich stärker anerkannt werden.

Auf 100 Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen, kommen durchschnittlich 103 Angebote, wie Wanka erläuterte. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt habe sich also leicht verbessert. Dennoch sei es weiterhin schwierig, das richtige Angebot für einen Bewerber zu finden. Gemeinsames Ziel mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sei „Prävention statt Reparatur“ – also frühe Beratung bei der Suche nach dem passenden Beruf.

Der Berufsbildungsbericht 2015 zeichnet folgendes Bild: Zwischen Oktober 2013 und September 2014 wurden gut 522.000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, 1,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Schülerzahlen durch den demografischen Wandel sinken und sich viele Abiturienten für ein Studium entscheiden.

Mit 37.000 Lehrstellen blieben zudem zehn Prozent mehr unbesetzt als noch ein Jahr zuvor und mehr als doppelt so viele wie noch 2009. Im vergangenen Ausbildungsjahr gingen knapp 21.000 Bewerber leer aus, etwas weniger als im Vorjahr.

Um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern, stellt die Bundesregierung bis 2018 laut Wanka 1,3 Milliarden Euro bereit. Mit diesen Mitteln sollen 500.000 Jugendliche für eine sogenannte Potenzialanalyse erreicht werden, um frühzeitig vor dem Schulabschluss Stärken, Schwächen und Wunschvorstellungen für den Beruf unter die Lupe zu nehmen.

Mit Blick auf den Fachkräftemangel betonte Wanka die Bedeutung der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Sie sei eine „entscheidende Säule“ bei der Deckung des Fachkräftebedarfs. Zahlreiche Länder innerhalb und außerhalb Europas interessierten sich für das Modell. Allerdings werde die duale Ausbildung hierzulande noch nicht genügend wertgeschätzt. Da aber in den nächsten Jahren zahlreiche Handwerksbetriebe Nachfolger suchten, böte auch die duale Ausbildung „enorme Chancen für junge Leute“.

Auf Seiten der Betriebe bedauerte Wanka die „absolute Bestenauslese“ bei der Besetzung von Ausbildungsstellen. „Man kann auf keinen Jugendlichen verzichten in Deutschland“, sagte sie mit Blick auf Hauptschüler, die im Vergleich zu anderen Bewerbern mit höheren Abschlüssen oft das Nachsehen hätten. Derzeit befänden sich in Deutschland noch 256.000 junge Menschen in einer sogenannten „Warteschleife“ – sie haben entweder keinen Ausbildungsplatz bekommen oder müssen erst „ausbildungsfähig“ gemacht werden.

Unterstützung bekommen können leistungsschwächere Schüler laut Bundesarbeitsministerin Nahles über drei Maßnahmen, die nach Modellprojekten nun in größerem Rahmen Anwendung finden sollen. Bei der Berufseinstiegsbegleitung werden Jugendliche demnach schon lange vor ihrem Abschluss an der Schule bis in das erste Halbjahr ihrer Ausbildung begleitet. Etwa 10.000 Schüler können gar drei Ausbildungsjahre über begleitet werden. Darüber hinaus gebe es während der Ausbildung auch Hilfen für den Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten.