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Weltmeere – die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt

Bislang hatte sich noch niemand die Mühe gemacht und den ökonomischen Wert der Weltmeere zu erfassen. Ein erster Versuch kommt nun von der Naturschutzorganisation WWF und der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Sie beziffern den Vermögenswert der Ozeane in ihrem gemeinsamen Report „Reviving the Ocean Economy“ auf 24 Billionen US-Dollar. Doch dieser Wert ist bedroht, werden die Weltmeere weiter hemmungslos geplündert.

Berlin (csr-news) > Bislang hatte sich noch niemand die Mühe gemacht und den ökonomischen Wert der Weltmeere zu erfassen. Ein erster Versuch kommt nun von der Naturschutzorganisation WWF und der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Sie beziffern den Vermögenswert der Ozeane in ihrem gemeinsamen Report „Reviving the Ocean Economy“ auf 24 Billionen US-Dollar. Doch dieser Wert ist bedroht, werden die Weltmeere weiter hemmungslos geplündert.

„Der Wert der Weltmeere für den Planeten ist unermesslich. Doch wäre der Ozean ein Staat, wäre er die siebtgrößte Wirtschaftsmacht der Welt“, sagt Uwe Johannsen, Meeresschutzexperte des WWF. „Trotzdem droht die Gefahr zu einer ‘failed economy‘ zu werden, wenn wir die wertvollen Ressourcen der Meere weiter so rücksichtslos plündern und zerstören wie bisher.“ Mit gravierenden Folgen, denn die Weltmeere sind, so der Report, ein wirtschaftliches Kraftzentrum. Der Wert von marinen Gütern und Dienstleistungen beläuft sich nach den Berechnungen der beiden Organisationen auf eine jährliche Bruttoproduktion von 2,5 Billionen US-Dollar. Mehr als drei Milliarden Menschen decken mehr als 20 Prozent ihres Eiweißbedarfs mit aus dem Meer stammenden Fisch. Insgesamt würde die marine Wirtschaft weltweit Hunderte Millionen Arbeitsplätze schaffen, beispielsweise in der Fischerei oder im Tourismus.

Allerdings sind rund zwei Drittel der marinen Wertschöpfung direkt abhängig von einem guten Gesundheitszustand der Meere. „Um die jährliche ökonomische Wertschöpfung zu erhalten, müssen die Meere vor Übernutzung und den negativen Folgen der Klimaerwärmung geschützt werden“, sagt Alice Eymard-Duvernay, Meeresexpertin beim WWF Schweiz. Tatsächlich strauchelt die Wirtschaftskraft der Ozeane bereits, weil wichtige Grundlagen wie etwa Fischbestände durch Übernutzung seit Jahrzehnten zurückgehen. Die Hälfte der weltweiten Korallenbestände sind bereits verschwunden, noch bestehende Korallenriffe werden bei der derzeitigen Erwärmung bis zum Jahr 2050 komplett verschwunden sein. 90 Prozent der Fischbestände gelten heute bereits als übernutzt oder bis an die Grenzen befischt. Und der Rückgang der Mangrovenwälder, die Kinderstube vieler Fische, übersteigt jenen der übrigen Wälder um das Drei- bis Fünffache. Alleine durch die Zerstörung von Mangrovenwäldern würde jährlich ein wirtschaftlicher Schaden von bis zu 42 Milliarden US-Dollar entstehen.

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Quelle: WWF Report „Reviving the Ocean Economy“

Um den Wert der Ozeane zu beziffern, haben WWF und Boston Consulting mit Unterstützung des Global Change Institute der australischen Universität Queensland, einerseits direkte Erträge aus Nutzungsformen wie Fischerei und Aquakultur andererseits Dienstleistungssektoren wie Tourismus, Handel und Transport durch die Schifffahrt aber auch Küstenschutz und Biotechnologie untersucht. Nicht berücksichtigt wurden dagegen Wirtschaftszweige wie Offshore-Windenergie oder Öl- und Gasförderung, bei denen nicht das Meer selbst genutzt wird. Auch immaterielle Werte wie etwa die Rolle der Meere bei der Klimaregulierung und Sauerstoffproduktion wurden nicht einbezogen. Nun sei es höchste Zeit, dem Verfall der Ozeane Einhalt zu gebieten. Die Errichtung von Meeresschutzgebieten und Maßnahmen zum Klimaschutz seien dafür zentrale Bausteine. „Es ist noch nicht zu spät, diese Probleme zu lösen, sodass wir auch in Zukunft von den Meeren profitieren können“, so Eymard-Duvernay. Der WWF-Report fordert, die Vereinten Nationen auf gemeinsame ambitionierte Ziele zum Schutz der Ozeane in den „Sustainable Development Goals“ festzulegen. Es müsse endlich eine wirksame internationale Vereinbarung zum Stopp der Klimaerwärmung geschlossen und umgesetzt werden. Außerdem fordern die Umweltschützer, bis 2020 mindestens 10 Prozent der wertvollen marinen Lebensräume in Küstennähe und auf Hoher See als Meeresschutzgebiete auszuweisen und mit entsprechendem Management zu versehen. „Wenn die Politik mit dem Schutz der Meere ernst macht und die wichtigsten Maßnahmen jetzt angeht, kann 2015 zu einem Schlüsseljahr für die Meere werden.“

Der Report „Reviving the Ocean Economy“ zum Download.

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