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Zwei Jahre nach Rana Plaza: Textilindustrie in Bangladesch steht international im Fokus

Während in Bangladesch – zwei Jahre nach dem Einsturz einer Textilfabrik mit mehr als 1100 Toten – Überlebende und Angehörige an die Katastrophe erinnerten, betonten Unternehmen und die Regierung in Deutschland ihre Verantwortungsbereitschaft. Rund 2000 Menschen versammelten sich am Freitag in Dhaka an den Ruinen des Fabrikgebäudes und erinnerten mit Fotos an getötete Angehörigen. In Deutschland einigten sich Textilverbände, NGOs und die Regierung auf eine Reform des Textilbündnisses.

Dhaka/Berlin (csr-news) – Während in Bangladesch – zwei Jahre nach dem Einsturz einer Textilfabrik mit mehr als 1100 Toten – Überlebende und Angehörige an die Katastrophe erinnerten, betonten Unternehmen und die Regierung in Deutschland ihre Verantwortungsbereitschaft. Rund 2000 Menschen versammelten sich am Freitag in Dhaka an den Ruinen des Fabrikgebäudes und erinnerten mit Fotos an getötete Angehörigen. In Deutschland einigten sich Textilverbände, NGOs und die Regierung auf eine Reform des Textilbündnisses.

Die Trauernden in Dhaka hielten sich zum Zeichen der Solidarität an den Händen. Viele der Überlebenden kamen auf Krücken. Sie weinten und legten Blumen nieder. Neben dem Gedenken gab es Proteste gegen die weiterhin schlechten Sicherheitsstandards und gegen mangelnde Entschädigungszahlungen. „Ich habe nur eine Million Taka (etwa 12.000 Euro) vom Fonds des Ministerpräsidenten bekommen, aber nichts aus dem Treuhandfonds, der zur Hilfe für die Opfer eingerichtet wurde“, sagte Rehana Akhter, deren Bein amputiert werden musste. „Ich kann nicht mehr arbeiten, brauche teure Medikamente und habe eine Familie, um die ich mich kümmern muss“, sagte die 24-Jährige der Nachrichtenagentur AFP.

Schutzabkommen in Europa und den USA

Unter dem Gewicht illegal errichteter Stockwerke und schwerer Maschinen war der Rana-Plaza-Komplexes am 24. April 2013 eingestürzt: 1138 Textilarbeiter kamen dabei ums Leben, viele verloren Gliedmaßen oder erlitten schwere psychische Schäden. Der Einsturz hatte weltweit für Empörung gesorgt und westliche Hersteller unter Druck gesetzt. Vorwiegend europäische Unternehmen haben sich mit Gewerkschaften und NGOs in einem „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ zusammengeschlossen, amerikanische Firmen bildeten eine eigene „Alliance“. 2500 Textilfabriken des Landes wurden seit dem Einsturz des Rana-Plazas auf ihre Sicherheit hin untersucht. Laut dem internationalen Gewerkschaftsbund IndustriAll gilt aber noch immer keine Fabrik „als hundert Prozent sicher“.

Textilbündnis: ein erster Schritt

Einen deutlicheren Beitrag aus Deutschland zur verantwortungsvollen Textilproduktion in Bangladesch und anderen Regionen verheißt die Neuauflage des im Oktober 2014 von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller gegründeten Textilbündnisses. Zunächst waren die großen Unternehmen dem Bündnis nicht beigetreten, nun einigten sich die Bündnisverantwortlichen und die Verbände der Textilwirtschaft auf eine Reform der Vereinbarung.

„Zwei Jahre nach Rana Plaza haben wir bereits Fortschritte für die Menschen in der Textilproduktion in Entwicklungsländern erzielt“, so Bundesminister Müller. „Die Zusage der großen deutschen Textilwirtschafts- und Handelsverbände, sich jetzt aktiv an unserem Textilbündnis zu beteiligen, ist ein großer Fortschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Textilproduktion.“ Das deutsche Bündnis besitze beste Chancen, auch international Standards zu setzen. Es bleibe noch viel zu tun.

Verhaltener fiel die Reaktion der am Bündnis beteiligten NGOs aus. Das rein freiwillige Bündnis sei nur ein erster Schritt, so Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign – CCC). Burckhardt weiter: „Wir setzen uns zusätzlich für eine gesetzliche Regulierung ein, damit z.B. die Entschädigung von Opfern, wie im Fall von Rana Plaza, nicht allein Ermessenssache der Unternehmen ist.“ In Deutschland sollten Unternehmen gesetzlich zur Vorsorge verpflichtet und in Haftung genommen werden, wenn sie diese Vorsorge nicht leisten.

Deutsche Förderprogramme in Bangladesch

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stellte unterdessen mit deutscher Unterstützung in Bangladesch umgesetzte Projekte vor. Dazu gehören:

  • das Programm „Förderung von Sozial- und Umweltstandards in der Industrie“ (PSES), das in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen privaten und staatlichen Akteure 143 Arbeitsinspektoren ausgebildet und mehr als 250 Mitarbeiter des mittleren Managements in der Umsetzung von Sozialstandards trainiert hat. Zudem wurde eine Software zur Registrierung für die Unterstützung der Rana-Plaza-Opfer entwickelt.
  • das Programm „Regionalvorhaben Arbeits- und Sozialstandards in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Bangladesch, Kambodscha und Pakistan“, das die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards fördert, indem es den Dialog und die Kooperation privater und staatlicher Akteure der Textil- und Bekleidungsindustrie fördert;
  • die Einrichtung einer neuen Notfall- und Servicenummer in Bangladesch (Labour Line), mit der Fabrikmissstände und Arbeitskonflikte dem Arbeitsministerium von Bangladesch gemeldet werden können.

Lesen Sie >> hier mehr über die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung in der Textilbranche.

Foto: Textilarbeiterinnen in Dhaka