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Französische Justiz prüft Vorwurf der Sklavenarbeit gegen Vinci

Die französische Justiz hat Vorermittlungen eingeleitet, um den Vorwurf der Sklavenarbeit gegen den Baukonzern Vinci im Golfemirat Katar zu prüfen.


Nanterre (afp) – Die französische Justiz hat Vorermittlungen eingeleitet, um den Vorwurf der Sklavenarbeit gegen den Baukonzern Vinci im Golfemirat Katar zu prüfen. Die Staatsanwältin Catherine Denis aus Nanterre sagte am Samstag, die Ermittlungen seien vor zwei Wochen aufgenommen worden, um den Vorwürfen der Nichtregierungsorganisation Sherpa nachzugehen, wonach Vinci auf seinen Baustellen in Katar Zwangsarbeiter einsetzt. Zunächst solle es einige Anhörungen in Frankreich geben. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnten weiterführende Ermittlungen in Katar folgen.

Sherpa hatte im März in Nanterre Anzeige gegen den französischen Bauriesen Vinci, seine katarische Tochter QDVC und sechs französische Manager erstattet. Nach einer Prüfmission vor Ort hatte Sherpa kritisiert, dass das Unternehmen Arbeitsmigranten ihre Pässe vorenthalte und Druck auf sie ausübe, damit sie keine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen verlangten. Vinci wies die Vorwürfe zurück und erstattete Mitte April seinerseits Anzeige gegen Sherpa wegen Verleumdung und forderte 300.000 Euro Entschädigung für sich und seine Manager.

Zugleich lud Vinci Journalisten und Vertreter von Sherpa ein, sich selbst auf den Baustellen in Katar einen Eindruck zu machen. Der Baukonzern, der einen Umsatz von jährlich 40 Milliarden Euro hat und weltweit 191.000 Angestellte beschäftigt, hat riesige Aufträge in Katar erhalten im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2022. Baufirmen in dem Emirat sehen sich seit Jahren Vorwürfen von Menschenrechtlern ausgesetzt, Gastarbeiter zu Hungerlöhnen unter teils katastrophalen Bedingungen zu beschäftigen.

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