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„Gläserne“ Lieferketten: respect-code.org

„Bio“, „Fair“ und „Nachhaltig“: Immer häufiger prangen solche Etiketten auf Waren. Aber was steht dahinter? Wie glaubwürdig sind die Versprechen? „Wir haben als Endkunden keine Ahnung, was wir einkaufen“, sagt Robin Cornelius, der 1981 das Schweizer Fair-Trade-Modelabel Switcher gründete. Nun widmet sich der Entrepreneur ganz seiner Vision: Unternehmer davon zu überzeugen, Transparenz in ihre Lieferketten zu bringen.

Lausanne (csr-news) – „Bio“, „Fair“ und „Nachhaltig“: Immer häufiger prangen solche Etiketten auf Waren. Aber was steht dahinter? Wie glaubwürdig sind die Versprechen? „Wir haben als Endkunden keine Ahnung, was wir einkaufen“, sagt Robin Cornelius, der 1981 das Schweizer Fair-Trade-Modelabel Switcher gründete. Nun widmet sich der Entrepreneur ganz seiner Vision: Unternehmer davon zu überzeugen, Transparenz in ihre Lieferketten zu bringen.

Dazu gründete der heute 59-Jährige im Jahr 2005 die Website www.respect-code.org und das Beratungsunternehmen Product DNA. Die Idee: Über einen QR-Code werden Produkte mit einer Internetseite verbunden, auf der Käufer deren gesamte Lieferkette kennenlernen. Am Beispiel der Textilien nennt www.respect-code.org „Ross und Reiter“ vom Baumwollanbau über die Spinnerei, die Strickerei, die Färberei, den Konfektionierer, den Agenten, den Transporteur bis hin zum Handel. Auf einer Weltkarte lässt sich die Reise des Produktes bis zum Endkunden nachverfolgen. Dort lassen sich die beteiligten Unternehmen anklicken, was neben Firmenname und –adresse häufig weitere Details offenbart – etwa einen Ansprechpartner für Rückfragen. Über ein Drop-Down-Menü lassen sich Audits und Zertifikate (zum Teil als PDF hinterlegt) oder Fotos der Produktionsstandorte abrufen.

Ganz schön viel Transparenz für eine Lieferkette. Cornelius weiß aus Erfahrung, dass manche Händler aus Angst vor der Konkurrenz ihre Lieferanten nicht veröffentlichen. Und lange nicht jeder Lieferant ist daran interessiert, sich „durchsichtig“ zu machen. In Fälle, in denen einzelne Etappen der Beschaffungskette nicht veröffentlich sollte, heißt es auf der Website nur: „ ProductDNA bescheinigt, dass die ökologischen und sozialen Bedingungen erfüllt sind. „Die einzelnen Glieder in der Beschaffungskette für Nachhaltigkeit und Transparenz zu motivieren, das ist die erste große Herausforderung“, sagt der Experte.

Argumente für Transparenz

Deshalb sind Cornelius die Vorteile einer transparenten Nachhaltigkeit besonders wichtig. Für die beteiligten Lieferanten bedeutet sie eine Qualitätssteigerung in ihrer Produktion und verbesserte Absatzchancen. Und für den Händler bereichert die Transparenz das Branding. „Mit Soft Values bist Du eine komplette Marke“, sagt Cornelius – und sieht hier neben der ökonomischen, sozialen und ökologischen Verantwortung die Transparenz als ein CSR-Element mit wachsender Bedeutung. Das deutsche Textilbündnis oder die CSR-Regulierungen der Europäischen Union sind für den Lieferkettenexperten Hinweise darauf, dass der öffentliche Druck in diese Richtung zunehmen wird. Für Cornelius geht es zugleich um mehr als eine Risikominimierung in der Lieferkette oder die Antizipation zukünftiger Anforderungen: Es geht um eine Produktion und um Produkte, die über ihren monetären Wert hinaus Sinn machen.

Plattform für „coole“ Marken

Und so will www.respect-code.org eine Plattform darstellen, die Käufer gerne besuchen, weil Lieferketteninformationen ansprechend vermittelt werden. Eine Plattform für „coole Marken“, wie es Cornelius nennt, „die keine Moral vermittelt, denn vor Moral läuft der Kunde weg.“ Bisher sind es vergleichsweise wenige Unternehmen, die ihre Lieferketten auf www.respect-code.org transparent stellen – wobei immerhin mehr als 42 Millionen Produkte mit respect-code ausgeliefert wurden. Das bietet eine Chance zur Differenzierung. „Die Großen werden eigene Lösungen entwickeln, um alles selbst unter Kontrolle zu behalten“, so Cornelius. www.respect-code.org bietet Lösungen, die mittelständische Unternehmen auf der einen Seite bei der Durchdringung ihrer Lieferkette und auf der anderen bei der Endkundenkommunikation unterstützen.

>> Hier lesen Sie auf CSR NEWS mehr über nachhaltige Lieferketten.

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