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Neuer Streit um Pflanzenschutzmittel: Niedersachsens Landwirtschaftsminister will Glyphosat-Verbot

Niedersachsen dringt auf ein weitgehendes Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Deutschland. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) verwies auf neuste Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen eingestuft hatte. Dass zu den schädigenden Wirkungen auf die Pflanzenwelt nun auch noch erhebliche Gefahren für die menschliche Gesundheit kämen, mache den bisherigen Glyphosat-Einsatz „nicht mehr verantwortbar“.

Osnabrück (afp) – Niedersachsen dringt auf ein weitgehendes Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Deutschland. Landwirtschafts- und Verbraucherminister Christian Meyer (Grüne) verwies in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag auf neuste Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO, die Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen eingestuft hatte. Dass zu den schädigenden Wirkungen auf die Pflanzenwelt nun auch noch erhebliche Gefahren für die menschliche Gesundheit kämen, mache den bisherigen Glyphosat-Einsatz „nicht mehr verantwortbar“.

Meyer kündigte an, das Glyphosat-Problem werde zu den Hauptthemen auf der Verbraucherschutzminister-Konferenz kommende Woche in Osnabrück gehören. Niedersachsen hat in diesem Jahr den Vorsitz inne.

„Wir wollen den Einsatz dieses Giftes in der Landwirtschaft deutlich einschränken. In Gärten, Parks und auf Kinderspielplätzen hat dieses Pestizid gar nichts zu suchen und sollte deshalb für den kommunalen Sektor und den Hobbygärtnerbereich ganz verboten werden“, sagte Meyer der Zeitung.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Es blockiert ein Enzym, das für die Proteinsynthese in Pflanzen zuständig ist. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Einsatz des Herbizids überlebt. In Deutschland kommt das Mittel Schätzungen zufolge auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen zur Anwendung, wie die „Neue Osnabrücker“ schrieb.

In der EU ist das Unkrautvernichtungsmittel seit 2002 zugelassen, eine turnusmäßige Neuzulassung ist derzeit im Gange. Im EU-weiten Zulassungsprozess für Glyphosat ist Deutschland als Berichterstatter für die Koordination zuständig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte dazu die Gesundheits- und Umweltrisiken von Glyphosat erneut überprüft. Es sieht nach eigenen Angaben „keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat“.

Neuer Streit um das Pflanzengift Glyphosat
Von Christine Kellmann

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist seit vielen Jahren umstritten. Vor der Konferenz der Verbraucherschutzminister in der kommenden Woche hat Niedersachsens Landwirtschafts- und Verbraucherminister Christian Meyer (Grüne) ein weitgehendes Verbot des Pflanzengifts gefordert, das die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März als „wahrscheinlich krebserregend“ einstufte. Hingegen hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Anfang 2014 erklärt, Glyphosat sei weder krebserzeugend noch schädlich für die Fortpflanzung oder das Kind im Mutterleib.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln. In der EU ist es seit 2002 zugelassen und inzwischen das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Glyphosat blockiert ein Enzym, das für die Proteinsynthese in Pflanzen zuständig ist. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Einsatz des Herbizids überlebt. Um Pflanzenzellen durchlässig für den Wirkstoff zu machen, enthalten Unkrautvernichtungsmittel neben Glyphosat oft noch weitere Stoffe wie sogenannte Netzmittel zur Behandlung der Pflanzenoberfläche. Diese Beistoffe bewerten die Experten des BfR äußerst kritisch.

Wo wird Glyphosat eingesetzt?

Vor allem in der Landwirtschaft, aber auch zur Unkrautvernichtung in Parkanlagen, auf Bahngleisen und in Gärten. In der Landwirtschaft wird Glyphosat vor der Aussaat eingesetzt, um Unkraut den Garaus zu machen. Weit verbreitet auch ist die sogenannte Behandlung von Getreide vor der Ernte. Dadurch soll der Reifeprozess des Getreides beschleunigt werden, es soll gleichmäßiger reifen und früher geerntet werden können. In Deutschland wird Glyphosat nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf rund 39 Prozent aller Ackerflächen gespritzt. Es ist auch im Weinbau und Obstplantagen zugelassen.

Welche Bedenken gibt es im Zusammenhang mit Glyphosat?

Kritiker befürchten negative Auswirkungen auf das menschliche Hormonsystem, Fehlbildungen und ein erhöhtes Krebsrisiko sowie drastische Folgen für die Tier- und Pflanzenvielfalt. Der BUND wirft den europäischen Behörden vor, trotz des intensiven Einsatzes von Glyphosat die Bevölkerung nicht auf eine Belastung mit dem Mittel hin zu untersuchen. Außerdem würden Lebensmittel zu selten auf Rückstände getestet.

Was ergab die Analyse der Gesundheitsrisiken durch das BfR?

Das BfR hatte die gesundheitlichen Risiken für Anwender, unbeteiligte Dritte und Verbraucher neu analysiert, weil derzeit entschieden wird, ob Glyphosat in der EU erneut genehmigt werden darf. Deutschland ist als Berichterstatter für die Koordination zuständig. Mehr als tausend neue Studien wurden vom BfR berücksichtigt. Deren Analyse ergab dem Institut zufolge „keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren“. Zahlreiche neue Studien an Ratten und Kaninchen hätten gezeigt, dass Glyphosat die Entwicklung des Kindes während der Schwangerschaft nicht beeinträchtige.

Neu war, dass das BfR vor der Giftigkeit der Nebenstoffe in Pflanzenschutzmitteln warnte. Anlass, die gesundheitlichen Grenzwerte, insbesondere der täglich duldbaren Aufnahmemenge, wesentlich zu verändern, sah das BfR nicht.

Und was sagt die WHO?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Glyphosat hingegen im März als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, weil es Anhaltspunkte für Krebserkrankungen bei Menschen gebe. Die Experten verwiesen auf Studien an Farmarbeitern aus den USA, Schweden und Kanada seit 2001, die auf ein erhöhtes Risiko für sogenannte Non-Hodgkin-Lymphome hinwiesen. Das BfR erklärte daraufhin, diese Einstufung sei schwer nachvollziehbar und offenbar nur mit wenigen Studien belegt.

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