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Deutschland unterstützt Vorgehen gegen Bio-Piraterie

Deutschland schließt sich dem Kampf gegen die Bio-Piraterie an. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch in Berlin den Beitritt zum so genannten Nagoya-Protokoll.


Berlin (afp) – Deutschland schließt sich dem Kampf gegen die Bio-Piraterie an. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch in Berlin den Beitritt zum so genannten Nagoya-Protokoll. Dieses internationale Abkommen soll verhindern, dass Unternehmen etwa aus dem Pharmabereich den biologischen Reichtum armer Länder ausbeuten, ohne diese am Gewinn zu beteiligen. Von dem Abkommen verspricht sich das Bundesumweltministerium auch einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt.

Das Nagoya-Protokoll stellt Regeln für die kommerzielle Nutzung von Pflanzen, Tieren und sonstigen Lebewesen aus anderen Ländern auf. Dies betrifft zum Beispiel den Umstand, dass Heilpflanzen aus dem tropischen Regenwald von der Pharmaindustrie zur Herstellung neuer Arzneien genutzt werden können. Auch die Kosmetikindustrie und die Biotechnologiebranche können den Artenreichtum gerade des tropischen Regenwalds für eigene Produkte nutzen.

Die Vorteile aus der Nutzung solcher „genetischer Ressourcen“ sollen nun gerecht mit dem Herkunftsland geteilt werden – dies ist der Grundgedanke des Nagoya-Protokolls. Es war 2010 nach schwierigen Verhandlungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern auf einer internationalen Konferenz im japanischen Nagoya beschlossen worden. Vor allem das artenreiche Brasilien hatte auf eine solche Regel zum Vorteilsausgleich gedrängt.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums haben inzwischen 58 Staaten das Protokoll unterzeichnet. In Deutschland soll künftig das Bundesamt für Naturschutz kontrollieren, ob Nutzer von genetischen Ressourcen die Regelungen befolgen. Zudem werde das Patentgesetz so geändert, dass nachvollzogen werden kann, ob biologisches Material aus anderen Ländern bei Neupatenten zum Einsatz kam.

Das Nagoya-Protokoll umfasst ein ganzes Paket zum Erhalt der Artenvielfalt. Das Abkommen nennt als Ziel, „wirkungsvolle und dringende“ Maßnahmen zu ergreifen, um bis 2020 den weiteren Verlust der Artenvielfalt zu verhindern und den Erhalt der Ökosysteme sicherzustellen. Zentrale Punkte der Einigung von 2010 waren außerdem die Ausweitung von Naturschutzgebieten und die Wiederherstellung bedrohter Ökosysteme.