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CDP-Report – Energieversorger sehr unterschiedlich auf Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet

London (csr-news) > Dem Handel mit CO2-Zertifikaten stehen in den kommenden zehn Jahren umfangreiche Reformen bevor. Bislang kann er seine volle Wirksamkeit im Kampf gegen den Klimawandel noch nicht voll entfalten, die Zertifikate sind schlicht zu preiswert. Wie die europäischen Energieversorger auf weitere Regularien und eine kohlenstoffarme Zukunft vorbereitet sind, ist Gegenstand einer Untersuchung der Organisation CDP, vormals Carbon Disclosure Projekt.

Die Untersuchung „Flicking the switch: are electric utilities prepared for a low carbon future“ stuft die europäischen Versorgungsunternehmen auf der Grundlage von verschiedenen emissionsbezogenen Metriken in eine Rangliste ein. CDP verfügt über die weltweit größte Datenbank mit umweltrelevanten Daten von Unternehmen. Zusammengefasst könnten diese Metriken die Gewinne eines Unternehmens erheblich beeinflussen und das in einem Markt, in dem die Regulierungsbehörde die Treibhausgasemissionen (THG) in der EU um 80 Prozent senken will – ausgehend vom Stand 1990 bis zum Jahr 2030 um 40 Prozent und bis zum Jahr 2050. Die europäischen Energieversorger werden sich zukünftig schwertun, wenn sie ihre Geschäftsmodelle nicht anpassen.

Deutsche Versorger mit zu hohem Kohlenanteil

Allerdings reagieren die Unternehmen bislang sehr unterschiedlich darauf. Auch die deutschen Versorger schneiden in der Untersuchung nicht besonders gut ab. Drei von ihnen befinden sich auf den fünf letzten Plätzen. RWE, E.ON und EnBW haben allesamt einen hohen Kohleanteil an der Energieerzeugung und somit eine hohe Belastung durch Kohlenstoffkosten. Selbst bei den äußerst niedrigen Kohlenstoffkosten von 4,35 EUR im Jahr 2013 lagen die Kohlenstoffkosten von RWE bei 680 Millionen EUR. Dies entspricht 10 Prozent des bereinigten EBIT des Unternehmens im Jahr 2013. Paul Dickinson, Executive Chairman von CDP: “ Die Stromversorgungsunternehmen auf den Spitzenplätzen in unserem Ranking haben alle einen deutlich niedrigeren Kohleanteil an der Energieerzeugung und verlagern den Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit mehr und mehr in Richtung sauberer Energiequellen“.

Funktionierender Emissionshandel von großer Bedeutung

Damit die EU ihr angepeiltes Ziel der Emissionsreduktion erreichen kann, müsste der Anteil erneuerbarer Energiequellen an der Stromerzeugung in Europa im Jahr 2030 bei über 45 Prozent liegen. Mit einem weiteren Ausbau der Kohleverstromung ist dies kaum zu machen. Deshalb kommt einem funktionierenden Emissionshandel eine bedeutende Rolle zu, mit Preisen für CO2-Zertifikate, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Die für den CDP-Report untersuchten Unternehmen produzieren erzeugen rund 80 Prozent des in Europa produzierten Stroms. Analysiert wurde unter anderem, wie die Versorger auf die Kosten von Kohlenstoffemissionen unter verschiedenen Preisszenarien vorbereitet sind, wie hoch ihr Kohleanteil an der Energieerzeugung ist, ihre Wassergefährdung und wie sie ihre Chancen, die sich durch erneuerbare Energien ergeben, nutzen.

Windkraft dominiert bei erneuerbaren Energiequellen

Als einziges Unternehmen konnte der spanische Versorger Iberdrola in allen Analysebereichen punkten und führt damit das Ranking an. Das Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern bei erneuerbaren Energien. Rund 26 Prozent der jährlichen Stromerzeugung stammt aus diesen Quellen, während gleichzeitig der Kohleanteil mit 9 Prozent mit zu den niedrigsten gehört. Das britische Unternehmen Centrica liegt auf dem zweiten und der österreichische Versorger Verbund auf dem dritten Platz. Auch wenn beide in der Stromerzeugung zu den kleinsten Versorgungsunternehmen zählen, sind sie bei der Emissionsintensität führend und können zudem den niedrigsten Kohleanteil an der Energieerzeugung vorweisen. Insgesamt lag der Kohleanteil bei den untersuchten bei rund 70 Prozent und stellt somit das größte Risiko für künftige Erträge jeglicher Stromerzeugungsquellen dar. Bei den erneuerbaren Energien setzten die Versorger hauptsächlich auf Windkraft mit einem Anteil von 87 Prozent.

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Quelle: CDP-Report „Flicking the switch: are electric utilities prepared for a low carbon future“

Methodik: CDP bewertet jedes Stromversorgungsunternehmen anhand verschiedener Metriken, die zunächst eingestuft und dann mit den Noten A bis E bewertet werden. A ist die beste Note und E ist die schlechteste. Die Metriken können in vier Hauptbereiche unterteilt werden:

  1. Kohlenstoffrisiko: CDP analysiert das Kohlenstoffrisiko für die Versorgungsunternehmen auf der Grundlage ihrer weltweit vorhandenen Anlagen (im Durchschnitt erzeugen die Versorgungsunternehmen 75% ihres Stroms in Europa). CDP verwendet Metriken, die auf der Kohlenstoffintensität basieren, und beurteilt die vom Versorgungsunternehmen festgelegten Ziele zur Verringerung von Emissionen anhand wissenschaftlich fundierter Ziele. Für jedes Versorgungsunternehmen werden auf der Grundlage seiner Anlagen in Europa die Kohlenstoffexposition und die Auswirkungen auf seine Ertragslage geschätzt.
  2. Erneuerbare Energiequellen (EE): CDP beurteilt das EE-Erzeugungsportfolio des Versorgungsunternehmens auf der Grundlage seiner Energieerzeugung aus Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energien im Jahr 2013 und die Veränderungen im Zeitraum von 2010 bis 2013. Um zu ermitteln, wie gut Versorgungsunternehmen die Chancen von erneuerbaren Energiequellen in verschiedenen Märkten nutzen, wird das Wachstum der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen mit dem ihrer Heimatmärkte sowie der Attraktivität auf den Märkten, denen sie ausgesetzt sind, verglichen.
  3. Kohleanteil an der Energieerzeugung: Bei jedem Versorgungsunternehmen wird das Erzeugungsportfolio von Stein- und Braunkohle detailliert untersucht. Dabei wird berücksichtigt: die Produktion von Stein- und Braunkohle im Jahr 2013, die Verringerung der installierten Kapazität von 2010 bis 2013 und der prozentuale Anteil der unterkritischen Kohlekraftwerke (d.h. die Kohlekraftwerke mit der niedrigsten Effizienz und der höchsten Kohlenstoffintensität) im Kohlekraftwerkspark des Versorgungsunternehmens.
  4. Wasserbezogene Risiken: CDP beurteilt die wasserbezogenen Risiken der Versorgungsunternehmen auf der Grundlage ihrer Wasserstrategie, ihres Supply Chain Managements, ihrer Risiken und Chancen, ihrer Wasserbilanz und ihrer Ziele.