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Medien und Unternehmen im Graubereich: Was unabhängigen Journalismus gefährdet

Sinkende Abozahlen, rückläufige Werbeeinnahmen und geringe Online-Erlöse: Der Journalismus steht seit Jahren unter Druck, manche Redaktionen arbeiten mit reduziertem Personal. Das erhöht die Gefahr, dass Werbung und redaktionelle Inhalte ineinander fließen. Das Medienmagazin „journalist“ stellt in seiner Maiausgabe Grenzfälle vor.

Bonn (csr-news) – Sinkende Abozahlen, rückläufige Werbeeinnahmen und geringe Online-Erlöse: Der Journalismus steht seit Jahren unter Druck, manche Redaktionen arbeiten mit reduziertem Personal. Das erhöht die Gefahr, dass Werbung und redaktionelle Inhalte ineinander fließen. Das Medienmagazin „journalist“ stellt in seiner Maiausgabe Grenzfälle vor, darunter die Folgenden:

  • Die Süddeutsche Zeitung (SZ) bringt eine Sonderseite zum Thema Immobilienfinanzierung in redaktioneller Aufmachung und stellt neben den Text die Werbung eines Unternehmens, dessen Vorstandschef im Text zitiert wird.
  • Das Business- und Lifestyle-Magazin Edition F empfiehlt in einem redaktionellen Text „22 Dinge, die einen Regentag schöner machen“, verlinkt auf die Herstellerseiten und verdient bei einem Kauf mit. Der Leser erfährt davon nichts.
  • Ende Februar veröffentlichte die Stuttgarter Zeitung online ein überwiegend aus werblichen PR-Texten und –bildern bestehendes Themenspecial. „Das ist Journalismus“, sagen die Verantwortlichen.
  • Die RTL-Moderatorin Annett Möller bewirbt privat Kleider, die sie in Sendungen trägt.
  • tagesschau-Sprecherin Judith Rakers moderierte im März die Eröffnung einer McDonald’s-Filiale.
  • Die Redaktion von Curved produziert und verbreitet seit einem Jahr Meldungen rund um die Mobilfunkindustrie. Das Portal gehört einer Werbeagentur und wird weitgehend über den Mobilfunkanbieter E-Plus finanziert. Hinter entsprechenden Meldungen werden via Link Produkte von E-Plus-Tochterunternehmen beworben.
  • Für ihre Zeitschrift Der Hund sucht die Forum Media Group einen Chefredakteur, der neben den üblichen Aufgaben „eng mit der Anzeigenabteilung“ zusammenarbeitet und auch „werbliche Beiträge“ verfasst.

Zum selben Themenkreis hieß es im März in der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“: „Ständig werden die Unternehmen dafür kritisiert, dass sie Einfluss auf die Arbeit der Redaktionen nehmen wollen. Dabei bieten die Medien selbst immer mehr Formate an, in denen systematisch Inhalt und Werbung vermischt wird. Auch die Qualitätstitel mischen munter mit.“

Offensichtlich werden journalistische Grundregeln verletzt, wenn ein Leser den werblichen Absender einer Nachricht nicht deutlich erkennen kann oder wenn ein Journalist zu Themen arbeitet, an denen er ein eigenes monetäres Interesse besitzt.

Die Juni-Ausgabe des CSR MAGAZIN beschäftigt sich mit unter den Themenschwerpunkt „CSR in den Medien“ auch mit der journalistischen Arbeit im Graubereich. Lassen Sie uns Ihre Statements und Erfahrungen zukommen:

  • Wo werden journalistische und werbliche Inhalte vermischt?
  • Welche Verantwortung tragen Unternehmen und ihre Kommunikatoren, um eine solche Vermischung zu verhindern?
  • Wie lassen sich werbliche Inhalte über Medien zielgenau kommunizieren – ohne die Unabhängigkeit von Redaktionen zu gefährden?
  • Was denken Sie über das Thema „Content Marketing“, bei dem potentielle Kunden über hochwertige Inhalte interessiert werden sollen?

Senden Sie uns Ihre Einschätzungen und Erfahrungen gerne an redaktion@csr-news.net.