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Deutsche Unternehmen im Ausland – Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Deutsche Unternehmen exportieren nicht nur ihre Produkte in alle Welt, sondern zunehmend auch ihre Nachhaltigkeitsstandards. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Unternehmensnetzwerks econsense. Demnach übertragen zahlreiche der länderübergreifend tätigen Unternehmen ihre heimischen Umwelt- und Sozialstandards auch auf die Niederlassungen im Ausland und übertreffen damit in vielen Fällen die gängige Praxis vor Ort.

Köln/Berlin (csr-news) > Deutsche Unternehmen exportieren nicht nur ihre Produkte in alle Welt, sondern zunehmend auch ihre Nachhaltigkeitsstandards. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Unternehmensnetzwerks econsense. Demnach übertragen zahlreiche der länderübergreifend tätigen Unternehmen ihre heimischen Umwelt- und Sozialstandards auch auf die Niederlassungen im Ausland und übertreffen damit in vielen Fällen die gängige Praxis vor Ort.

Die vom Institut der Deutschen Wirtschaft durchgeführte Studie ist eine explorative Untersuchung, die einen ersten Blick auf diesen interessanten Sachverhalt wirft. Alleine die Tatsache, dass nur 74 Unternehmen an der Befragung beteiligt waren, lässt keine repräsentativen Schlüsse zu, auch wenn davon 12 Unternehmen dem DAX30 angehören. Für die Auswahl der Länder, die Studie hat sich auf China, Brasilien, Indien, Mexiko, die Türkei, Südafrika und Malaysia fokussiert, waren zwei Aspekte relevant. In den Ländern sollte eine gewisse Entwicklungsdynamik herrschen, die deutschen Unternehmen die Einflussnahme ermöglicht und es sollten in signifikantem Maße Unternehmen aus Deutschland vertreten sein und dadurch in relevantem Ausmaß Direktinvestitionen in das Land fließen. Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, in welchem Umfang deutsche Unternehmen die nachhaltige Entwicklung in den jeweiligen Regionen beeinflussen können, in dem sie die ökologischen und sozialen Standards in der Heimat auch in den Niederlassungen anwenden. Dabei ist der Begriff Standard nicht ausschließlich im Sinne von Normen und Regularien zu verstehen. Vielmehr geht es darum, wie das unternehmerische Handeln übertragen werden kann bzw. übertragen wird.

Schaffung von Arbeitsplätzen

Immerhin gaben knapp 85 Prozent der Unternehmen an, in ihren Niederlassungen die gleichen ökologischen Standards anzuwenden wie in der Heimat. Für 81 Prozent gelten auch die gleichen sozialen Standards. „Mit ihren Export- und Auslandsdirektinvestitionen nehmen deutsche Unternehmen Einfluss auf viele Regionen der Welt. Sie sollten diesen Einfluss zum Wohle der Gemeinschaft nutzen“, so Ulrich Grillo, Sprecher des econsense-Kuratoriums und Präsident des BDI bei der Präsentation der Studie. Und das scheint in einigen Punkten tatsächlich zu gelingen, beispielsweise bei den Arbeitsplätzen. Im Durchschnitt haben die beteiligten Firmen rund 1.800 Arbeitsplätze in den einzelnen Ländern geschaffen und diese keineswegs nur in Niedriglohnbereichen. Bei der Hälfte der Unternehmen liegt die niedrigste Lohngruppe über dem jeweils gültigen Mindestlohn und auch darüber hinaus, über den sonst üblichen Löhnen der Region. Auch bei den Führungskräften setzen die Betriebe auf einheimische Mitarbeiter. Im Durchschnitt stammen knapp 74 Prozent der Führungskräfte in den internationalen Niederlassungen der befragten Unternehmen aus dem jeweiligen Land.

Überwiegend langfristiges Engagement

Ein Grund dafür ist sicherlich das überwiegend langfristig angelegte Engagement der Unternehmen. Rund zwei Drittel sind schon seit mehr als zehn Jahren in den Ländern aktiv und fast alle Firmen rechnen mit einer dauerhaften Präsenz. Die Langfristperspektive wird auch aus den Studienergebnissen zur Mitarbeiterqualifikation ersichtlich. Nahezu zwei Drittel der befragten Unternehmen haben eigens ein unternehmenseigenes Fortbildungssystem im Gastland aufgebaut und nehmen so die Qualifikation ihrer Facharbeiter selbst in die Hand, um das hohe Niveau der in Deutschland erzielten Abschlüsse zu erreichen. Wolfgang Große Entrup, Vorsitzender des Vorstands von econsense: „Unsere unternehmerische Verantwortung macht nicht vor Ländergrenzen halt. Unsere Standards zur Nachhaltigkeit sind nicht auf das Inland begrenzt. Wir wollen diese auch bei unseren Niederlassungen im Ausland zur Anwendung bringen. Erfreulicherweise macht die Implementierung große Fortschritte. So können wir einen Beitrag zur Aufwertung lokaler Infrastruktur und Verbesserung der Lebensumstände leisten.“

5-Punkte-Programm für ein „werteorientiertes internationales Wirtschaften“

Entrup stellet zudem ein 5-Punkte-Programm für ein „werteorientiertes internationales Wirtschaften“ vor. Die Eckpunkte umfassen unter anderem die Intensivierung der öffentlichen Debatte über die Rolle von Unternehmen in globalen Märkten, den Austausch mit Zulieferern über gemeinsame Nachhaltigkeitsstandards und die Einbeziehung des Mittelstands in die Nachhaltigkeits-Aktivitäten von econsense. Zudem sollen die Ergebnisse Anlass zu einem vertiefenden Dialog mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sein. „Wir verstehen die Studie als eine erste Landvermessung vor dem Hintergrund der Post-2015-Agenda der Vereinten Nationen und des G7-Gipfels unter deutscher Präsidentschaft“, so Große Entrup.

 

Die econsense-Studie „Nachhaltigkeit durch Präsenz – Beiträge deutscher Unternehmen zur nachhaltigen Entwicklung an internationalen Standorten“ zum Download.

 

Das Programm im Wortlaut:

Intensivierung der öffentlichen Debatte

econsense wird die wirtschaftspolitische Debatte über die Rolle von Unternehmen in globalen Märkten intensivieren. Das Berliner Forum ist der Startschuss zu weiteren Veranstaltungen. Der nächste Meilenstein wird die econsense-Fachtagung in Nauen am 17. und 18. Juni sein, bei der die Diskussion des Berliner Forums nochmals vertieft wird. Mit dem anerkannten „Wittenberg Zentrum für Globale Ethik“ befindet sich econsense bereits im engen Austausch über die Schaffung von geeigneten Fachdialogen.

Transparenz durch wissenschaftliche Begleitung

econsense ist entschlossen, die Diskussion um wissenschaftliche Erkenntnisse zu bereichern. Dazu wurde das IW Köln beauftragt zu untersuchen, wie es um das nachhaltige Engagement deutscher Unternehmen im Ausland steht.

Gemeinsames Verständnis entlang der Lieferketten

econsense wird den Austausch mit Zulieferern in zentralen Auslandsmärkten führen. Im letzten Jahr wurde dazu ein Pilotprojekt in Peking gestartet. Dieses wird in diesem Jahr vertieft und zusätzlich auf Shanghai ausgeweitet. econsense verfolgt das Ziel, gemeinsam mit der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH) und den Mitgliedsunternehmen vor Ort, die chinesischen Zulieferer für gemeinsame Standards und für ein gemeinsames Verständnis von nachhaltigen Lieferketten zu gewinnen. Perspektivisch will econsense dieses Format auf weitere Märkte ausweiten.

Messen des Fußabdruckes

Dem Thema „Wirkungsmessung“ im Rahmen nachhaltiger Lieferketten wird sich econsense stellen. Die bestehende econsense-Projektgruppe wurde dazu personell verstärkt. Ziel ist es, die Unternehmen beim Messen ihres sozialen und ökologischen Fußabdruckes zu unterstützen.

Einbeziehung des Mittelstands

Schließlich wird econsense den Austausch zwischen großen multinationalen Unternehmen und deutschen Mittelständlern verstetigen. Mittelständler sind essentieller Teil der internationalen Wertschöpfungsketten. Die Durchschlagskraft nachhaltiger Lieferketten erhöht sich um ein Vielfaches, wenn Mittelstand und große Unternehmen Hand in Hand gehen. Ein erster Pilotworkshop ist bereits erfolgt.

 

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