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SZ: Heckler & Koch lieferte Sturmgewehr in verbotene Regionen

Die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch soll zwischen 2003 und 2011 fast 5.000 Sturmgewehre des Typs G36 in verbotene Regionen Mexikos geliefert haben.


München (csr-news) – Die deutsche Waffenschmiede Heckler & Koch soll zwischen 2003 und 2011 fast 5.000 Sturmgewehre des Typs G36 in verbotene Regionen Mexikos geliefert haben. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) in ihrer heutigen Ausgabe unter Berufung auf Ermittlungen des Zollkriminalamtes. Danach lieferte Heckler & Koch in dem genannten Zeitraum insgesamt 9472 Sturmgewehre nach Mexiko; immerhin 4767 Stück, gingen in die Bundesstaaten Jalisco, Guerrero, Chiapas und Chihuahua. Weil dort die Polizei als korrupt gilt und mit Drogenkartellen kooperieren soll, werden deutsche Exporte dorthin nicht gestattet. Verantwortliche von Heckler & Koch hätten die illegalen Exporte „herbeigeführt, gefördert oder zumindest gebilligt“, schreibt die SZ. Das Zollkriminalamt habe eine Anklageerhebung gegen fünf frühere Führungskräfte und Mitarbeiter der Firma angeregt.

Der Waffenbauer steht derzeit aus mehreren Gründen in der öffentlichen Diskussion: Das auch von der Bundeswehr verwendete Sturmgewehr G36 soll unter Hitzeeinfluss an Treffgenauigkeit verlieren und möglicherweise ausgemustert werden. Zudem war am Donnerstag bekannt geworden, dass Heckler & Koch über einen hochrangigen Beamten des Verteidigungsministeriums Einfluss auf den Militärgeheimdienst MAD nehmen wollte, um eine kritische Berichterstattung in den Medien zu verhindern.

Wie die SZ weiter berichtet, plant Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Inspektionen in den Waffenexportländern. Solche „Post-Shipment-Kontrollen“ würden von den USA praktiziert. In einem Eckpunktepapier des Ministeriums seien 20 bis 30 Kontrollen jährlich durch deutsche Botschaftsmitarbeiter vorgesehen. Sie sollen überprüfen, ob die Waffen in den Zielländern verblieben sind.

Nach von der SZ zitierten Expertenschätzungen wurden durch bundesdeutsche Kleinwaffen bereits mehr Menschen getötet als durch die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki.