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Weiterhin starkes Wachstum bei Fairtrade-Produkten

Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher in Deutschland häufiger zu fair gehandelten Produkten gegriffen. Gegenüber dem Vorjahr konnten die Verkäufe Fairtrade-zertifizierter Waren um 26 Prozent auf 827 Millionen Euro zulegen. Das bislang stärkste Wachstum seit Bestehen des Siegels. Zahlen aus dem heute präsentierten Jahresbericht des Vereins TransFair. Dem ist zu entnehmen, dass Kaffee nach wie vor das wichtigste Produkt ist.

Berlin (csr-news) > Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher in Deutschland häufiger zu fair gehandelten Produkten gegriffen. Gegenüber dem Vorjahr konnten die Verkäufe Fairtrade-zertifizierter Waren um 26 Prozent auf 827 Millionen Euro zulegen. Das bislang stärkste Wachstum seit Bestehen des Siegels. Zahlen aus dem heute präsentierten Jahresbericht des Vereins TransFair. Dem ist zu entnehmen, dass Kaffee nach wie vor das wichtigste Produkt ist.

Alleine die Menge des verkauften Kaffees stieg um 18 Prozent auf über 13.000 Tonnen. Das entspricht einem Marktanteil von 2,9 Prozent. Ein Großteil des Zuwachses beim Kaffee ist auf die Discounter Aldi-Süd und Aldi-Nord zurückzuführen, sowie auf die Einführung der Tchibo Barista Bohnen. Aber auch darüber hinaus setzt sich fair gehandelter Kaffee immer weiter durch und wird inzwischen auch zunehmend in der Gastronomie und in Kantinen verkauft. Insgesamt werden in Deutschland rund 300 fair gehandelte Kaffeeprodukte von über 40 Röstereien angeboten. Doch trotz der beachtlichen Zuwächse befinden sich Fairtrade-Produkte immer noch in der Nische. Dabei ist das Siegel durchaus bekannt in Deutschland. Eine aktuelle Studie bescheinigt der Organisation einen Bekanntheitsgrad von immerhin 83 Prozent. „Dank der guten Verfügbarkeit und Vielfalt stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben auf zehn Euro pro Jahr“, sagt TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. Er sieht aber noch Potenzial: „In Großbritannien und der Schweiz geben die Verbraucher drei bis viermal so viel für Fairtrade-Waren aus.“

Rohstoffprogramm Kakao sorgt für starkes Wachstum

Ein weiteres wichtiges Produkt sind Bananen. Ihr Anteil stieg im vergangenen Jahr um 62 Prozent. Damit tragen gut acht Prozent aller in Deutschland verkauften Bananen das Fairtrade-Siegel. Auch in diesem Bereich ist ein Großteil des Wachstums auf den Discounter Aldi zurückzuführen. Die Menge des verkauften Kakaos konnte sich gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 7.500 Tonnen versechsfachen. Dies ist vor allem auf die Einführung des Rohstoffprogramms für Kakao zurückzuführen. Damit hat Transfair seinen Aktionsradius erweitern können. Schwerpunkt des Rohstoffprogramms ist nicht die Zertifizierung eines Endprodukts, sondern der Rohstoffeinkauf unter Fairtrade-Bedingungen wird zertifiziert. Zu den ersten Partnern gehören Hersteller wie Ferrero, Riegelein und Mars sowie die Handelsketten Rewe und Lidl. Unabhängig von der Rohstoffzertifizierung wuchs der Verkauf von Fairtrade-Schokoladen um 14 Prozent auf 1.160 Tonnen. Mit knapp 336 Millionen verkauften Stielen und einem Marktanteil von 25 Prozent bleibt Deutschland größter Markt für Fairtrade-Rosen. Positiv entwickelten sich auch weitere Produktbereiche, darunter Honig, Baumwollprodukte oder Softdrinks.

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Zuwachs auch bei den Prämien

„Der deutsche Fairtrade-Markt entwickelt sich sehr dynamisch“, so das Fazit von TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. Auch der Anteil der doppelt zertifizierten Produkte wächst weiter. So trugen im vergangenen Jahr 79 Prozent der Fairtrade-Lebensmittel auch ein Bio-Siegel. Gute Absatzzahlen kommen letztlich auch den Produzenten zugute. Sie erhalten neben dem Warenpreis noch die Fairtrade-Prämie. Insgesamt 12,3 Millionen Euro waren dies im Berichtsjahr 2014, ein Anstieg um 30 Prozent. So lagen die Einnahmen für Kaffeekooperativen 2014 beispielsweise bei rund 60 Millionen Euro, darin enthalten fünf Millionen Euro Prämien. Die Produzenten entscheiden eigenständig, welche Projekte sie damit umsetzen: Qualitäts- und Produktivitätssteigerung, Gesundheitsvorsorge, Fortbildungen oder Stipendien werden mit den Geldern finanziert. „Fairtrade steht für Empowerment. Das heißt, die Produzenten entscheiden auch international gleichberechtigt mit, welche Wege Fairtrade geht“, erklärte Larry Attipoe, Direktor für internationale Entwicklung bei Fairtrade International. „Unser Beratungsdienst vor Ort unterstützt die Produzenten dabei, Kapazitäten aufzubauen, damit sie zu starken und professionellen Organisationen werden.“ Das Beratungsangebot für Produzentenorganisationen soll weiter ausgebaut werden.

 Neuer Textilstandard in der Entwicklung

Die Fairtrade-Standards – das Regelwerk, auf dem das Fairtrade-Siegel beruht – werden regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. In enger Kooperation mit TransFair entwickelt Fairtrade International derzeit einen Fairtrade-Textilstandard, um die verschiedenen Schritte der komplexen Lieferkette abzudecken. Eine öffentliche Konsultation wurde vor wenigen Tagen abgeschlossen. Bis Ende des Jahres soll der Standard vorliegen. Auch der Standard für Händler wurde überarbeitet. In ihm wird geregelt, welche Pflichten Käufer und Weiterverarbeiter von Fairtrade-Rohstoffen erfüllen müssen. Dass gebündelte Kräfte nötig sind, um Entwicklung voranzutreiben, unterstrich auch TransFair-Vorstandsvorsitzender Heinz Fuchs (Brot für die Welt): „TransFair setzt klare entwicklungspolitische Akzente: Das Engagement in verschiedenen Initiativen wie dem Textilbündnis oder dem Bananen-Forum ergänzt die Arbeit, die vor Ort mit den Produzentenorganisationen, Industrie und Handel geleistet wird“, so Fuchs. Zu einem Bewusstseinswandel bei Verbrauchern trägt TransFair mit vielen Kampagnen auf zivilgesellschaftlicher Ebene bei: Über 320 Fairtrade-Towns und 120 Fairtrade Schools engagieren sich für den Fairen Handel. Die 33 Mitgliedsorganisationen von TransFair unterstützen Kampagnen wie die Faire Woche oder die Aktion „Fairtrade-Frühstück“.

 

Der aktuelle TransFair-Jahresbericht zum Download.