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Greenpeace: Pestizide gefährden Landwirte und Verbraucher

Während der Industrieverband Agrar (IVA) bei Pflanzenschutzmitteln 2014 ein deutliches Umsatzplus vermeldete und vor Regulierungen durch die EU warnte, forderten die Grünen einen Systemwechsel in der Landwirtschaft.

Hamburg (afp) – Der Einsatz von Pestiziden schädigt einer Greenpeace-Untersuchung zufolge besonders die Gesundheit von Bewohnern auf dem Land. Auf Konsumentenseite seien vor allem Kleinkinder und Ungeborene durch die chemischen Stoffe gefährdet, erklärte die Umweltorganisation am Dienstag in Hamburg. Während der Industrieverband Agrar (IVA) bei Pflanzenschutzmitteln 2014 ein deutliches Umsatzplus vermeldete und vor Regulierungen durch die EU warnte, forderten die Grünen einen Systemwechsel in der Landwirtschaft.

Laut Greenpeace können die Schädlingsbekämpfungsmittel Formen von Krebs und Krankheiten des zentralen Nervensystems auslösen – wie Parkinson oder Alzheimer. Die Konzentration eines einzelnen Pestizids liege zwar oft unter den gesetzlichen Grenzwerten, allerdings könnten sich die „Giftstoffe gegenseitig beeinflussen“ und im „Pestizidmix“ krank machen. Christiane Huxdorff, Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin, forderte Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) auf, die „Pestizide in der Landwirtschaft radikal zu reduzieren“.

Auch die Grünen machten sich erneut für ein Umdenken in der Landwirtschaft stark: „Die Abhängigkeit von giftigen Pestiziden, die Menschen krank machen und langfristig unsere Lebensgrundlagen zerstören, ist eine gefährliche Sackgasse“, erklärte Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Ebner unterstützte einen Vorschlag des ökologischen Landbauverbands Bioland nach einer Pestizidabgabe. Es „wäre nur fair, die Verursacher an den immensen Folgekosten durch Umwelt- und Gesundheitsschäden zu beteiligen“, teilte Ebner mit.

IVA-Präsident Helmut Schramm kritisierte dagegen, dass durch „teils realitätsferne Zulassungshürden bewährte Produkte verschwinden und neue nicht auf den Markt kommen können“. Es müsse sichergestellt werden, dass der Landwirtschaft auch in Zukunft eine „ausreichende Vielfalt wirksamer Lösungen“ angeboten werden könne. Leider ginge die gegenwärtige Ausrichtung bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der EU in die entgegengesetzte Richtung.

Trotz der angeblich pessimistischen Zukunftsaussichten läuft das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger in Deutschland gut: Nach IVA-Angaben konnten Anbieter im Pflanzenschutzbereich ihre Umsätze im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro steigern. Bei Mineraldüngern sei der Gesamtumsatz im selben Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf rund drei Milliarden Euro gestiegen.