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Verwirrende Siegelvielfalt und ungenaue Versprechen: OCS Blended Standard

Shoppingsamstag, ein Familienmitglied hat Textilien erworben. Mit Bio-Baumwolle und Siegel. Nun soll ich – der Fachmann – erklären, was denn hinter dem Siegel „OCS Blended Standard“ steckt. Die Suche ist nicht einfach und das Ergebnis ernüchternd. Ein Kommentar von Achim Halfmann

Hückeswagen (csr-news) – Shoppingsamstag, ein Familienmitglied hat Textilien erworben. Mit Bio-Baumwolle und Siegel. Nun soll ich – der Fachmann – erklären, was denn hinter dem Siegel „OCS Blended Standard“ steckt. Die Suche ist nicht einfach und das Ergebnis ernüchternd.

Ein Kommentar von Achim Halfmann

Auf den ersten Blick sagt mir „OCS“ nichts. Aber: Gewusst wo suchen. Mir fällt die Datenbank der Verbraucher Initiative e.V. ein: label-online.de. Doch Fehlanzeige: label-online kennt das Siegel ebenso wenig wie ich.

Also doch googeln und auf zuverlässige Quellen hoffen. Ich lerne: Herausgeber des Siegels ist die gemeinnützige Organisation „Textile Exchange“. So gelabelte Stoffe enthalten mindestens 5% Bio-Baumwolle. Das stellt eine Überprüfung der kompletten Lieferkette durch unabhängige Dritte sicher. Mehr aber auch nicht: Über Kinderarbeit, Pestizide oder eine Ressourcen schonende Produktion sagt das Siegel nichts.

Textile Exchange wurde 2002 gegründet, um die Produktion und Verarbeitung von organisch angebauter Baumwolle zu erhöhen. Das erste Siegel erschien 2004. Und vor 10 Jahren mag die „grüne Plakette“ für einen fünfprozentigen Baumwollanteil OK gewesen sein. Heute aber, wo immer mehr 100-prozentige Baumwollkleidung auf den Markt kommt, ist sie das nicht.

Nun ja, vielleicht hat das neue Textil in unserem Kleiderschrank ja 50% oder sogar 90% Bio-Baumwoll-Anteil. Aber das werden wir nie erfahren. Sicher ist aber, dass die Siegelanbieter ihre Kleiderschränke entrümpeln sollten: Was früher einmal gut war, ist es heute nicht mehr. Gerade der Textilsektor entwickelt sich rasant.

Wir brauchen weniger Siegel – und hochwertigere, sonst verlieren die originellen grünen Aufdrucke völlig ihre Überzeugungskraft.

30 Minuten später, ein Nachtrag: Die Ergebnisse meiner Recherche haben wir familienintern diskutiert – und dabei nochmal die Produktversprechen auf der Verpackung in Augenschein genommen. Auf der Verpackungsrückseite findet sich der Hinweis: „Der Baumwollanteil dieses Produktes besteht zu 100% aus ökologisch angebauter Baumwolle.“ Aufatmen, wohl doch richtig gekauft. Aber dann sollen die Marketingstrategen das Logo auf der Vorderseite doch weglassen. Das irritiert nur.


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