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WoB-Index – Kein Anlass für Optimismus

Was auf dem Papier noch ganz gut aussieht, verblasst beim Blick in die Praxis. Wie der heute veröffentlichte Women-on-Board-Index der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte FidAR zeigt, nimmt zwar der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen kontinuierlich zu, doch in wichtigen Ausschüssen seien Frauen nach wie vor kaum vertreten. Auch die bislang veröffentlichten Planungsziele zum Frauenanteil in Führungsgremien würden keinen Anlass für Optimismus geben.

Berlin (csr-news) > Was auf dem Papier noch ganz gut aussieht, verblasst beim Blick in die Praxis. Wie der heute veröffentlichte Women-on-Board-Index der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte FidAR zeigt, nimmt zwar der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen kontinuierlich zu, doch in wichtigen Ausschüssen seien Frauen nach wie vor kaum vertreten. Auch die bislang veröffentlichten Planungsziele zum Frauenanteil in Führungsgremien würden keinen Anlass für Optimismus geben.

Nur macht nur ein Prozent der Unternehmen bislang konkrete Angaben dazu, welcher Frauenanteil im Vorstand künftig erreicht werden soll, für Aufsichtsratsposten machen diese Angaben rund 60 Prozent der betroffenen Unternehmen. Der Grund liegt auf der Hand, die seit dem 1. Mai gültige gesetzliche Quote für Aufsichtsräte. Mit dem Women-on-Board-Index 100 legt FidAR erstmals ein Ranking der von der fixen Quote betroffenen börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen vor. 101 Unternehmen wurden ermittelt und analysiert, die ab 2016 bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat einen Frauenanteil von 30 Prozent erreichen müssen. Aktuell liegt dieser für die 101 Unternehmen bei 22,1 Prozent in den Vorständen bei 4,8 Prozent. 24 der Unternehmen erreichen bereits jetzt einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent im Aufsichtsrat. Für Bundesministerin Manuela Schwesig belegt der Index, dass es noch eine Menge zu tun gibt. Schwesig: „Die Unternehmen, die die Quote bereits heute erfüllen, liefern den besten Beweis dafür, wie wichtig der öffentliche Druck durch das Gesetzgebungsverfahren war. Es zeigt: Ohne politischen Druck passiert gar nichts.“

Wenig Frauen in den Vorständen

Im Women-on-Board-Index der 160 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX notierten Unternehmen sorgen die DAX-30-Konzerne für spürbare Bewegung. In 4 Jahren wurde der Frauenanteil in den Aufsichtsräten auf 19,6 Prozent fast verdoppelt. Bei den Vorständen bleibt die Entwicklung dagegen rückläufig, nur 5,4 Prozent sind weiblich – 2013 lag der Wert noch deutlich über 6 Prozent. „Die verstärkte Präsenz von Frauen in den Aufsichtsräten lässt hoffen. Besonders die DAX-Konzerne senden ein klares Signal, dass genügend qualifizierte Frauen für die Kontrollgremien bereitstehen. Aber die Zahlen sehen nur auf dem Papier gut aus. Die Frauen müssen in den Konzernen dorthin, wo entschieden wird: In die Ausschüsse der Aufsichtsräte, wie etwa den Nominierungs- und Präsidialausschuss. Nur aus diesen Positionen heraus können sie die Veränderung der Unternehmenskultur mit beeinflussen“, so FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. Einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat können im Ranking nur zwei Unternehmen vorweisen, das DAX-Unternehmen QSC und die comdirect Bank aus dem SDAX. Beim Vorstand ergibt sich schon wieder ein anderes Bild. Bei QSC ist keine Frau im Vorstand bei der comdirect hat eine Frau eine Vorstandsposition inne. Unter den DAX30 Unternehmen führen die Lufthansa, die Münchner Rück und Henkel das Ranking an.

Kaum Fortschritte bei öffentlichen Unternehmen

Wenig Fortschritte gibt es bei den Unternehmen der öffentlichen Hand. Diese werden im Public Women-on-Board-Index erfasst, in der aktuellen Ausgabe sind es 375 Unternehmen des Bundes, der Länder und Kommunen. Dabei zeigt sich, Frauen sind in den Spitzengremien der öffentlichen Hand unterrepräsentiert. Zwar liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien durchschnittlich bei 26,5 Prozent und in den Top-Managementorganen bei 15,5 Prozent – bei einem großen Teil der Gremien besteht aber noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Deutlich höhere Werte erzielen die unmittelbaren Mehrheitsbeteiligungen des Bundes, die im Rahmen der Studie gesondert untersucht wurden. Dort liegt der Frauenanteil in den Managementorganen bei 22,1 Prozent.

 

Der Women-on-Board-Index und der Public Women-on-Board-Index werden auf der FidAR-Website zum Download angeboten.

 

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