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WM-Sponsoren besorgt über Missstände für Gastarbeiter in Katar

Zwei offizielle Sponsoren des Fußball-Weltverbands Fifa haben sich am Mittwoch besorgt über die Arbeitsbedingungen von Gastarbeitern beim Bau der Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar geäußert. Der Kreditkarten-Konzern Visa forderte die Fifa auf, durch entsprechende Maßnahmen in Absprache mit den zuständigen Behörden und Organisationen Abhilfe bei den Missständen zu schaffen. Coca Cola appellierte an die Fifa, „diese Fragen weiterhin ernst zu nehmen“ und Verbesserungen zu erreichen.

Washington (afp) – Zwei offizielle Sponsoren des Fußball-Weltverbands Fifa haben sich am Mittwoch besorgt über die Arbeitsbedingungen von Gastarbeitern beim Bau der Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar geäußert. Der Kreditkarten-Konzern Visa forderte die Fifa auf, durch entsprechende Maßnahmen in Absprache mit den zuständigen Behörden und Organisationen Abhilfe bei den Missständen zu schaffen. Coca Cola appellierte an die Fifa, „diese Fragen weiterhin ernst zu nehmen“ und Verbesserungen zu erreichen.

Die Arbeitsbedingungen in Katar stehen in der Kritik, seit dem Wüstenstaat die Fußball-WM im Jahr 2022 zuerkannt wurde. Neben der oftmals ausbleibenden Bezahlung kritisieren Aktivisten regelmäßig, dass Gastarbeiter ihre Pässe abgeben müssen, kein Ausreisevisum bekommen oder eine Rekrutierungsgebühr zahlen müssen.

Amnesty: Katar hält Zusagen nicht ein

Unterdessen kritisiert Amnesty International, das WM-Gastgeberland Katar halte seine Zusagen zum Kampf gegen die Misshandlung von Gastarbeitern nicht ein.
In einem am Donnerstag vorgestellten Bericht kommt die Menschenrechtsorganisation zu dem Schluss, dass das Gastgeberland der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 entgegen Versprechungen von vor einem Jahr kaum Reformen im Umgang mit ausländischen Arbeitskräften eingeleitet habe. Die Regierung in Doha bestritt die Vorwürfe.

Amnesty warf Katar vor, dass sich etwa bei den Einschränkungen für einen Wechsel des Arbeitgebers oder hinsichtlich des Patronatssystems Kafala, in dem Arbeitnehmer ihrem Chef praktisch ausgeliefert sind, nichts geändert habe. „Die Regierung hat Versprechungen gemacht, das Arbeitsrecht für Wanderarbeiter in Katar zu verbessern, aber in der Praxis gab es keine bedeutenden Fortschritte“, kritisier Amnesty-Experte Mustafa Kadri. Die Zusagen seien offenbar schlicht eine „PR-Aktion“ gewesen.

In dem Bericht mit dem Titel „Wenig versprechen, noch weniger tun“ nennt Amnesty neun Bereiche, in denen Reformen nötig seien. Nur in fünf davon seien „begrenzte Fortschritte“ gemacht worden. Die Einführung eines elektronischen Systems zur Auszahlung der Gehälter sei bislang die „wichtigste Reform“, aber auch sie verlaufe schleppend. Die zugesagte Ernennung von 300 Arbeitsinspektoren sei nicht erfolgt.

Amnesty verwies zudem auf Statistiken von Indien und Nepal, aus denen die meisten Gastarbeiter nach Katar kommen. Demnach starben voriges Jahr 441 Arbeiter aus diesen beiden Ländern in Katar. Zu den Todesursachen machte die Menschenrechtsorganisation keine Angaben.

Katar: „bedeutende Veränderungen“ eingeleitet

Katars Behörden wiesen die Vorwürfe Amnestys am Donnerstag zurück. In einer Mitteilung des Ministeriums für Arbeit und Soziales hieß es, im vergangenen Jahr seien „bedeutende Veränderungen“ eingeleitet worden, die die Rechte und Lebensbedingungen der Gastarbeiter verbesserten. „Niemand soll daran zweifeln, dass wir uns für spürbare und nachhaltige Veränderungen engagieren“, schrieb das Ministerium.

Zudem widersprach die Behörde Amnesty in einigen Punkten direkt und gab beispielsweise an, dass neben dem bereits eingeführten neuen Zahlungssystem auch verbesserte Unterkünfte für 250.000 Arbeiter geplant seien. Die Zahl der Arbeitsinspektoren werde überdies von derzeit 294 auf 400 erhöht. Der Schutz von Menschenrechten und damit auch jener der Gastarbeiter sei demnach ein Herzstück der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Grundsätze des Landes. Das Ministerium wies zudem darauf hin, dass die Arbeiter in Katar „erheblich“ mehr verdienten als in ihren Heimatländern.

Anfang Mai hatten die Behörden eingeräumt, dass die Reformen länger dauerten als geplant. Arbeitsminister Abdallah Ben Saleh erklärte bei dieser Gelegenheit, er sei sich „zu 90 Prozent“ sicher, dass das Kafala-System bis Ende des Jahres ersetzt werde. Die Verbesserungen bei der Unterbringung der Gastarbeiter würden bis Mitte August in Kraft treten.

Es wird erwartet, dass sich die Zahl der Gastarbeiter im Land bis 2020 wegen der WM-Vorbereitungen auf bis zu 2,5 Millionen mehr als verdoppelt. Amnesty rief den Fußball-Weltverband Fifa auf, bei seiner Hauptversammlung kommende Woche den Problemen in Katar Priorität einzuräumen und die dortigen Behörden zu echten Reformen zu drängen.


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