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Verbraucherschützer fordern Wende in der Legehennen-Haltung

Verbraucherschützer haben Missstände in der Haltung von Legehennen angeprangert und eine Wende in der Tierhaltung gefordert. Unabhängig davon, ob ein Ei aus Käfig-, Boden-, Freiland- oder sogar Bio-Haltung komme, sei eine tiergerechte Haltung nie garantiert, kritisierte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Donnerstag. Unterdessen bestätigte die Staatsanwaltschaft Regensburg Ermittlungen gegen einen Eier-Produzenten in Bayern, der Berichten zufolge für einen Salmonellen-Ausbruch verantwortlich sein soll.

Berlin (afp) – Verbraucherschützer haben Missstände in der Haltung von Legehennen angeprangert und eine Wende in der Tierhaltung gefordert. Unabhängig davon, ob ein Ei aus Käfig-, Boden-, Freiland- oder sogar Bio-Haltung komme, sei eine tiergerechte Haltung nie garantiert, kritisierte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Donnerstag. Unterdessen bestätigte die Staatsanwaltschaft Regensburg Ermittlungen gegen einen Eier-Produzenten in Bayern, der Berichten zufolge für einen Salmonellen-Ausbruch verantwortlich sein soll.

Hohe Krankheits- und Sterberaten, Verhaltensstörungen oder Kannibalismus seien in allen Haltungsformen an der Tagesordnung, erklärte Foodwatch bei der Vorstellung des Reports „Ich wollt‘, ich wär kein Huhn“. Verbraucher hätten keine Möglichkeit, sich beim Einkauf für ein garantiert tiergerecht erzeugtes Ei zu entscheiden. Die Kennzeichnung der verschiedenen Haltungsformen reiche „bei weitem“ nicht aus. „Weder die Haltungsform noch freiwillige Siegel und Initiativen gewährleisten, dass die Halter ihre Tiere auch gesund halten und optimal betreuen“, kritisierte Luise Molling, Expertin für Tierhaltung bei Foodwatch.

Ebenso stark wie von der Haltung hänge die Gesundheit der Hennen vom Betriebsmanagement ab, erklärte Foodwatch. Momentan werde weder systematisch überprüft, wie gesund Legehennen seien, noch gebe es Vorgaben für die Halter. Die Konsumenten wüssten nicht, unter welchen haltungsbedingten Krankheiten oder Verhaltensstörungen die Tiere litten.

Über gravierende Missstände in einer bayerischen Eierfabrik berichteten die „Süddeutsche Zeitung“ (Donnerstagsausgabe) und das Politikmagazin „Kontrovers“ des Bayerischen Rundfunks nach gemeinsamen Recherchen: Die Zustände dort seien verantwortlich für einen europaweiten Salmonellen-Ausbruch im Sommer 2014. Die Infektionen ließen sich zu verseuchten Eiern der Firma Bayern Ei aus dem niederbayerischen Aiterhofen zurückverfolgen.

Demnach waren im vergangenen Sommer in Deutschland, Großbritannien, Österreich, Frankreich und Luxemburg hunderte Menschen an demselben Salmonellentyp erkrankt, mindestens zwei Männer starben. Dem Bericht zufolge sehen die Behörden in Großbritannien und Österreich eine direkte Verbindung von jeweils einem Todesfall zu der Firma. Dabei beriefen sich die Ermittler auf eine Rekonstruktion der Lieferwege „und eine Art genetischer Fingerabdruck der Bakterien“. Dieser sei nahezu identisch mit den Proben, die bei Bayern Ei genommen wurden.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg bestätigte, dass gegen die Firma Bayern Ei seit September 2014 wegen des Verdachts des Inverkehrbringens von salmonellenbelasteten Eiern, also gefährlichen Lebensmitteln, ermittelt werde. Am Dienstag seien zwei Betriebsstätten der Firma durchsucht worden, die Unterlagen würden nun ausgewertet. Anhand von Chargennummern und durch die Abgleichung von Lieferwegen werde jetzt untersucht, ob ein mit Salmonellen belastetes Ei den Betrieb verlassen habe. Die Frage sei auch, was der Geschäftsführer gewusst habe, und ob ein Zusammenhang mit den Vorfällen im Ausland und den beiden Todesfällen nachgewiesen werden könne.

Die Firma Bayern Ei äußerte sich auf Anfrage von AFP zunächst nicht zu dem Bericht. Sie ist dem Bericht zufolge eine der größten Eierfabriken Deutschlands mit mehr als einer Million Hühnern, deren Eier in etwa ein Dutzend europäische Länder geliefert werden.


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