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Der „Biogena-Bildungstausender“ und andere Ideen zur nachhaltigen Personalentwicklung

Das Unternehmen Biogena Naturprodukte stellt mit der Zentrale in Salzburg und einer Niederlassung in Deutschland Mikronährstoffe zur Therapiebegleitung her. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die qualifizierte und motivierte Mitarbeiter braucht. Im Personalmanagement überrascht Biogena mit unkonventionellen Initiativen.

Salzburg (csr-news) – Das Unternehmen Biogena Naturprodukte stellt mit der Zentrale in Salzburg und einer Niederlassung in Deutschland Mikronährstoffe zur Therapiebegleitung her. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die qualifizierte und motivierte Mitarbeiter braucht. Im Personalmanagement überrascht Biogena mit unkonventionellen Initiativen.

Schon mal etwas von einem „Bildungs-Tausender“ gehört? Bei Biogena heißt so ein Instrument zur Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter. 1000 Euro stehen seit 2014 jedem Mitarbeiter pro Jahr für die persönliche Fortbildung zur Verfügung. Wie der Betrag eingesetzt wird – ob für einen Italienischkurs oder ein Softwaretraining – ist Sache des Mitarbeiters. „In unserem Unternehmen soll es in zehn Jahren eine Horde mutiger Freidenker geben“, sagt der Biogena-Gründer und promovierte Betriebswirt Albert Schmidbauer. Die ersten Erfahrungen zeigen: Die Mitarbeiter gehen mit dem „Biogena Bildungs-Tausender“ verantwortungsvoll und eher zurückhaltend um, ausgeschöpft wird das Bildungskapital knapp zur Hälfte.

Mitarbeiterbindung ist Leidensverlängerung

Bildungsförderung, das Engagement für Kinderbetreuung und andere Aktivitäten zur Vereinbarung von Familie und Beruf sind bei dem Salzburger Mittelständler kein Instrument zur Mitarbeiterbindung. „Ich halte Mitarbeiterbindung für den allergrößten Schrott“, sagt Schmidbauer. Sie komme einer Leidensverlängerung für beide Seiten gleich. Stattdessen sollte ein Unternehmen seinen Mitarbeitern signalisieren: Du bist geachtet, auch wenn Du einen anderen Weg gehst. Denn „nur begeisterte Mitarbeiter begeistern wiederum unsere Kunden“, so der Unternehmer weiter.

Biogena ermöglicht seinen 183 Mitarbeitern auch solche Fortbildungen, die zu deren Ausscheiden aus dem Unternehmen führen könnten – mit überraschenden Resultaten:

Hauseigene Sozialarbeiterin

Eine Mitarbeiterin absolvierte mit Unterstützung des Arbeitgebers ein Sozialarbeiterstudium. Schmidbauer überlegte dann mit ihr, wie sie diese Qualifikation in das eigene Unternehmen einbringen kann. Als Ergebnis entstand ein Biogena-Social-Service-Center, eine niedrigschwellige Erstanlaufstelle zu sozialen Fragen für die eigenen Beschäftigten. „Mitarbeiter brauchen Entwicklungsräume“, sagt Schmidbauer. „Was man festhalten will, das fliegt.“

„Völlig überreguliert“

Flexible Arbeitszeitmodelle sind ein weiteres Kennzeichen des Biogena-Personalmanagements. Über 40 verschiedene Arbeitszeitmodelle gibt es bei Biogena, wobei das Unternehmen darauf achtet, dass Mitarbeiter im Home-Office effektiv in die Unternehmenskommunikation und in Face-to-Face-Kontakte eingebunden bleiben. Bei der Organisation der Heimarbeit ebenso wie beim Aufbau von Kinderbetreuungsangeboten stößt der Mittelständler an juristische Grenzen. „Wir sind eine völlig überregulierte Gesellschaft“, sagt Schmidbauer. Wie kann die Politik ein nachhaltiges Wirtschaften fördern? Der Unternehmer: „Indem man uns machen lässt.“

Und da, wo die Politik regulierend eingreift, könne sie vieles besser machen. So sei etwa die Anschaffung von Erdgasfahrzeugen gefördert worden, nicht aber der Ausbau einer entsprechenden Tankstellen-Infrastruktur. Und zudem seien Erdgasfahrzeuge in manchen Garagen-Stellplätzen nicht zugelassen – Hindernisse für Unternehmen, die solche Fahrzeuge einsetzen wollen. Schmidbauer: „Wir brauchen eine effektivere Förderpolitik.“

CSR ist Business Case

Gesellschaftliche Verantwortung ist für Biogena ein Geschäftsgrundsatz. Rechnet sich das für den Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln? Oder ist es eine zusätzliche Kostenbelastung ohne ökonomischen Gegenwert? „CSR im Kerngeschäft ist ein Business Case und keine Philanthropie“, sagt Schmidbauer. Zwar rechne sich manche Investition kurzfristig nicht, eine langfristige Betrachtung ergebe jedoch ein ganz anderes Bild. Der Unternehmer nennt Beispiele:

Biogena hat für 300.000 Euro eine ökologische Verpackungseinheit entwickeln lassen. Der Einsatz der Ökodose reduziert den CO2-Verbrauch um 100t. Und an allen Arbeitsplätzen hat das Unternehmen ein elektronisches Auftragserfassungssystem installiert, das ein Fax in ein PDF umwandelt. Das spart über 300.000 A4-Blätter pro Jahr ein.

Kooperationen als nächste Stufe

Über die Integration von CSR ins Kerngeschäft hinaus sieht Schmidbauer einen Bedarf, dass sich Unternehmen gemeinsam mit NGOs, der Wissenschaft und Behörden für die Lösung gesellschaftlicher Probleme einsetzen. Biogena engagiert sich im Tourismusentwicklungsprojekt „Ikuna“, das eine Destination voranbringen und Naturerfahrung fördern will. „Bei solchen Engagements verschwimmen die Außengrenzen von Unternehmen“, sagt Schmidbauer. „Unternehmen übernehmen teilweise politische Verantwortung.“

Sozialverein „Biogena hilft“

Als ein Standbein für das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens wurde in diesem Jahr der Sozialverein „Biogena hilft“ gegründet. Die Idee: Die Firma verpflichtet sich zu regelmäßigen Spenden, ohne das der Geschäftsführer Einfluss auf die Entscheidungen zur Mittelverwendung nimmt. Getragen wird das Vereinsengagement von den Mitarbeitern selbst.

Für die langfristige nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens und seiner Projekte bleibt der wirtschaftliche Erfolg Voraussetzung. Schmidbauer: „Wirtschaftlicher Erfolg bedeutet Unabhängigkeit.“ Und die braucht es, um neue Wege zu gehen.

Titelbild: Das Biogena-Eigentümerpaar Dr. Albert und Dr. Christina Schmidbauer mit seinen Kindern (Foto: Ulrike Wieser)

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