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RNE-Jahrestagung: Bundeskanzlerin fordert transparentere Lieferketten

Mehr Transparenz in globalen Lieferketten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch in Berlin gefordert. „Wir müssen transparenter machen, woher Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden“, sagte Merkel auf der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). „Baumwollanbau ist oft noch Kinderarbeit. Von Mindestlöhnen, wie wir sie in Deutschland haben, können viele Menschen nur träumen.“ Weiter sagte die Kanzlerin, 2015 könne zu einem Jahr der Nachhaltigkeit werden.

Berlin (csr-news) – Mehr Transparenz in globalen Lieferketten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch in Berlin gefordert. „Wir müssen transparenter machen, woher Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden“, sagte Merkel auf der Jahrestagung des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). „Baumwollanbau ist oft noch Kinderarbeit. Von Mindestlöhnen, wie wir sie in Deutschland haben, können viele Menschen nur träumen.“ Weiter sagte die Kanzlerin, 2015 könne zu einem Jahr der Nachhaltigkeit werden.

Zu den Zukunftsaufgaben zähle der Kampf gegen zunehmenden Plastikmüll in den Weltmeeren. „Im Rahmen der G7 wollen wir Maßnahmen der Prävention des Arbeits- und Umweltschutzes vereinbaren“, so die Kanzlerin mit Blick auf das Treffen der sieben führenden Industrienationen am 7. und 8. Juni in Schloss Elmau, dessen Gastgeber Deutschland ist. Die Gipfelteilnehmer „können und sollten auch zeigen, dass sie ihrer globalen Verantwortung Rechnung tragen“. Konkret versprach Merkel: „Wir wollen eine G7-Initiative starten, die darauf abzielt, dass wesentlich mehr Menschen in Entwicklungsländern gegen Klimarisiken versichert werden.“

Klimaschutz: politischer Wille ist da

Globalisierung nachhaltig zu gestalten, gelingt nur gemeinsam mit möglichst vielen anderen Nationen, lautete ein Credo der Bundeskanzlerin. Das gelte für beide zentralen Ereignisse in diesem Jahr: die UN-Konferenz zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) im September in New York und die UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris. Zur Klimakonferenz sagte Merkel: „Der politische Wille zu einem umfassenden und verbindlichen Abkommen ist da“, jetzt sei eine gute Vorbereitung des Gipfels entscheidend.

„2015 zu einem Jahr der Nachhaltigkeit zu machen, ist keine Frage von Ebenen und Zuständigkeiten. Wir sind alle verantwortlich“, appellierte die Kanzlerin an die etwa 1.000 Teilnehmer der RNE-Jahrestagung.

Nachhaltigkeit ins Grundgesetz

Die Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Marlehn Thieme, forderte auf der Veranstaltung: „Deutschland muss seine Nachhaltigkeitsstrategie gründlich überholen.“ Verbesserungspotential gebe es nach wie vor in der Abstimmung zwischen den Ministerien sowie zwischen Bund, Ländern und Kommunen. „Brauchen wir nicht auch ein Nachhaltigkeitsziel im Grundgesetz?“, fragte Thieme. „Das würde die Diskussion in unserm Land noch mal deutlich substantieller machen.“


Marlehn Thieme

Zugleich erwartet die RNE-Vorsitzende, dass die Nachhaltigkeitspolitik „härter“ wird, dass globale Nachhaltigkeitsziele überkommene Vorstellungen verschieben werden und sich Deutschland neuen Anforderungen stellen muss. Thieme: „Nachhaltigkeit ist noch nie ein Kuschelbegriff, sondern immer ein Konfliktbegriff gewesen.“

Auf der RNE-Jahrestagung kamen zudem Wissenschaftler mit Ergebnissen ihrer Nachhaltigkeitsforschung zu Wort:

Stadtplanung im Blindflug

Im Jahr 2010 hatte die Zahl der in Städten lebenden Menschen weltweit die ländliche Bevölkerung eingeholt und bereits im Jahr 2050 werden doppelt so viele Menschen in Städten wie auf dem Land leben. Jedoch fehlen für die Planung einer nachhaltigen städtischen Entwicklung aktuelle Daten, so Prof. Ina Schieferdecker vom Fraunhofer FOKUS. „Am Ende des Tages steuern wir durchaus noch im Blindflug unsere urbane Umgebung“, sagte Schieferdecker. Zudem benötige eine solche Planung einen Zeithorizont von 10 oder 15 Jahren. „Da muss ein bisschen mehr Mut her“, so die Wissenschaftlerin an die Politik. Für die Verbesserung der Lebensqualität im städtischen Raum seien insbesondere die Informations- und Kommunikationstechnologien wichtig.

Aussteiger aus Ökolandbau

Jährlich steigen etwa 600 Betriebe in Deutschland aus dem Ökolandbau aus. Ein Drittel davon stellt seinen Betrieb ganz ein, zwei Drittel kehren zu einer konventionellen Landwirtschaft zurück. Die Motive der Aussteiger untersucht Prof. Hiltrud Nieberg vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft. „Es gibt nicht den einen Grund, warum Unternehmen wieder zum konventionellen Landbau zurückkehren, sondern es ist ein Bündel“, sagte Nieberg. Für manche Landwirte seien ökonomische Motive wie ein schlechter Marktzugang oder geringe Renditen ausschlaggebend. Für andere seien es die ökospezifischen Richtlinien und deren Verschärfung sowie die Kontrollen. Gerade für kleine Betriebe erweise sich die ökologische Tierhaltung als zu aufwändig. Gesenkt werden könne die Quote der Aussteiger durch eine umfangreichere Beratung beim Start in den Ökolandbau, so Nieberg.

Der RNE im Internet:
www.nachhaltigkeitsrat.de

(Alle Fotos: Achim Halfmann / CSR NEWS)