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IWF-Experten kritisieren Ungleichheit als Wachstumshemmnis

Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) sehen laut einer neuen Studie einen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und schwachem Wirtschaftswachstum.

Washington (afp) – Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) sehen laut einer neuen Studie einen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und schwachem Wirtschaftswachstum. In der am Montag vorgestellten Untersuchung mit dem Titel “Ursachen und Folgen von Einkommensungleichheit” wird argumentiert, der Graben zwischen Armen und Reichen befinde sich auf dem extremsten Stand “seit Jahrzehnten”. Er vertiefe sich dabei insbesondere in westlichen Ländern immer weiter.

Der Analyse zufolge geht bei einem Gehaltszuwachs von einem Prozent des reichsten Fünftels der Bevölkerung das gesamte Wirtschaftswachstum mittelfristig um 0,08 Prozentpunkte zurück. “Dies lässt vermuten, dass dieser Zuwachs nicht weitergegeben wird”, schlussfolgerten die Experten. Zugleich sei bei einem ebenso hohen Gehaltzuwachs für die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung ein um 0,4 Prozentpunkte höheres Wirtschaftswachstum zu beobachten.

Die Debatte über wachsende Einkommensunterschiede wird schon länger geführt. Eine solche Positionierung in der Frage aus den Reihen des IWF, der als Verfechter wirtschaftlicher Liberalisierung und politischer Haushaltsdisziplin gilt, gab es jedoch bislang nicht. Laut der Analyse sind vor allem Lockerungen der Regelungen am Arbeitsmarkt und ein Niedergang der Gewerkschaften für die zunehmende Ungleichheit verantwortlich. Ebenso verursache der technische Fortschritt laut der Studie, die nicht die offizielle Haltung des IWF wiedergibt, eine Zunahme der Arbeitslosigkeit mit.

Durch den höheren Verschuldungsstand breiter Bevölkerungsschichten trägt die Ungleichheit laut der Studie überdies zur Entstehung von Finanzkrisen bei. Dieser “Hebeleffekt” sei bei der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 zu beobachten gewesen. Im Zuge der Krise hätten außerdem bestimmte gesellschaftliche Gruppen ihren Einfluss genutzt, um eine weitere Deregulierung des Finanzsektors durchzusetzen, schrieben die Experten. Sie empfahlen daher eine stärkere Besteuerung von Erbschaften und Immobilienbesitz sowie eine entschiedenere Bekämpfung von Steuervermeidung.

Die Hilfsorganisation Oxfam begrüßte die Studie als Bestätigung eigener Forderungen. Die IWF-Experten widerlegten “die jahrelang gepredigte Doktrin, dass bei der Sparpolitik ein Teil der Gewinne bei der Mehrheit ankommt”, hieß es in einer Stellungnahme von Oxfam Deutschland. Die Botschaft sei daher deutlich: “Wachstum erfordert Investitionen”.