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Greenpeace weist auf Apfelplantagen in Europa Pestizide nach

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf Apfelplantagen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern nach eigenen Angaben Pestizide nachgewiesen. Cocktails aus bis zu 13 verschiedenen Pestiziden belasteten Böden und Gewässer der Apfelplantagen, so Greenpeace. In Deutschland seien in sieben von zehn genommenen Wasser- und Bodenproben bis zu acht unterschiedliche Pestizide gefunden worden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat die Greenpeace-Studie relativiert.

Hamburg (afp) – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat auf Apfelplantagen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern nach eigenen Angaben Pestizide nachgewiesen. Cocktails aus bis zu 13 verschiedenen Pestiziden belasteten Böden und Gewässer der Apfelplantagen, teilte Greenpeace am Dienstag in Hamburg mit. In Deutschland seien in sieben von zehn genommenen Wasser- und Bodenproben bis zu acht unterschiedliche Pestizide gefunden worden. Besonders problematisch können Pestizide demnach für Bewohner auf dem Land sein. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat die Greenpeace-Studie relativiert.

Greenpeace-Experte Dirk Zimmermann warf der industriellen Apfelproduktion vor, nach wie vor
gefährliche Pestizide einzusetzen, die Umwelt und Verbraucher schädigen können. Zwar liege bei den Äpfeln im Supermarkt die Belastung meist unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Doch das reicht nach Meinung der Umweltschützer nicht.

Laut Greenpeace spritzen Landwirte vor allem zu Beginn der Blütephase Pestizide. Rücke die Ernte und der Verkauf näher, werde „penibel auf die Einhaltung der Grenzwerte“ geachtet – weshalb im Supermarkt die Belastung meist gering sei. Doch da die Schädlingsbekämpfungsmittel sich in Böden und Gewässern ablagerten, reichten die derzeitigen Schutzvorgaben nicht aus.

Das Problem vieler Pestizide ist demnach, dass sie „äußerst beständig sind“ und „jahrzehntelang in der Umwelt erhalten bleiben“. In Böden oder Gewässern können sie den Umweltschützern zufolge einzeln oder in Kombination wirken. Die davon ausgehenden Gefahren seien kaum abschätzbar und blieben in der Bewertung von Giften unberücksichtigt. Greenpeace forderte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) deshalb auf, den Einsatz von Pestiziden in der Produktion von Lebensmitteln komplett zu verbieten.

Den Angaben zufolge analysierten Greenpeace-Tester 36 im April genommene Wasserproben und 49 Bodenproben. Von diesen zusammen 85 Proben hätten 64 Rückstände von Pestiziden aufgewiesen, über die Hälfte sei mehrfach belastet gewesen. Schlusslicht war demnach eine Bodenprobe mit 13 verschiedenen Giften. Insgesamt fanden die Tester den Angaben zufolge 53 verschiedene Gifte, darunter besonders toxische wie DDT und hormonell wirksame Substanzen wie Endosulfan. Im Boden fanden die Greenpeace-Tester in Italien, Belgien und Frankreich die meisten Pestizide; die Gewässer waren in Polen, der Slowakei und ebenfalls in Italien am stärksten belastet.

In einer Mitte Mai vorgestellten Studie hatte die Umweltorganisation herausgestellt, dass der Einsatz von Pestiziden besonders die Gesundheit von Bewohnern auf dem Land schädigen kann. Demnach können die Schädlingsbekämpfungsmittel Formen von Krebs und Krankheiten des zentralen Nervensystems auslösen – wie Parkinson oder Alzheimer. Besonders kritisch sieht Greenpeace Vermischungen von Pestiziden: Die Giftstoffe könnten sich gegenseitig beeinflussen und im „Pestizidmix“ krank machen, heißt es in der Studie.

Bundesamt für Verbraucherschutz: Konzentrationen ohne nachteilige Auswirkungen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die aktuelle Studie von Greenpeace relativiert. Die von der Umweltschutzorganisation in Deutschland gemessenen Konzentrationen in Böden lägen alle unter Werten, die „nachteilige Auswirkungen“ auf Bodenorganismen haben könnten, erklärte die Behörde in einer Beurteilung, die der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch vorlag. Auch stellten die in Deutschland gemessenen Werte keine Gefährdung für Verbraucher dar, da keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Äpfeln festgestellt wurden.

Bei den von Greenpeace gefundenen Pestiziden in deutschen Böden handle es sich bis auf drei Fälle um für Obst zugelassene Wirkstoffe, geht nun aus der Beurteilung des Bundesamts hervor. Die drei gefundenen verbotenen Wirkstoffe Carbendazim, DDT und Fluquinconazole seien zum Teil Altlasten, die sich lange in den Böden hielten und im Fall von Carbendazim wohl ein Abbauprodukt eines zugelassenen Pestizids. Obwohl Carbendazim zu den giftigsten gefundenen Stoffen gehöre, könne die in Deutschland gemessene Konzentration als unkritisch betrachtet werden. Gleiches gelte für die anderen beiden verbotenen Wirkstoffe.

Greenpeace präzisierte auf AFP-Anfrage, dass es sich bei DDT sehr wahrscheinlich um Altlasten handle und erneuerte gleichzeitig die grundsätzliche Kritik an Pflanzenschutzmitteln: Besonders über die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Pestizide, die legal gespritzt würden, sei viel zu wenig bekannt. Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Dirk Zimmermann kritisierte zudem, dass ein zugelassenes Pestizid als Abbauprodukt einen verbotenen Wirkstoff hinterlasse.

Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger läuft in Deutschland gut: Nach Angaben des Industrieverbands Agrar (IVA) konnten Anbieter im Pflanzenschutzbereich ihre Umsätze im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro steigern. Bei Mineraldüngern sei der Gesamtumsatz im selben Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf rund drei Milliarden Euro gestiegen.

Die Greenpeace-Studie „Der bittere Beigeschmack der europäischen Apfelproduktion. Wie ökologische Lösungen wachsen können“ >> als PDF zum Download