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Einkommensungleichheit: Berufseinsteiger zunehmend von Armut bedroht

Das Armutsrisiko für Berufseinsteiger in Deutschland hat sich einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Von den 25- bis 35-Jährigen habe fast jeder Fünfte weniger als 949 Euro pro Monat zur Verfügung, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit. Für Alleinlebende in dieser Altersgruppe sei die Armutsrisikoquote von etwa 27 Prozent im Jahr 2000 auf etwa 39 Prozent im Jahr 2012 gestiegen.

Berlin (afp/csr-news) – Das Armutsrisiko für Berufseinsteiger in Deutschland hat sich einer Studie zufolge in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Von den 25- bis 35-Jährigen habe fast jeder Fünfte weniger als 949 Euro pro Monat zur Verfügung, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin mit. Für Alleinlebende in dieser Altersgruppe sei die Armutsrisikoquote von etwa 27 Prozent im Jahr 2000 auf etwa 39 Prozent im Jahr 2012 gestiegen.

Dies sei besonders bemerkenswert, weil die Mehrheit der Menschen in dieser Altersgruppe erwerbstätig sei – was in der Vergangenheit nachhaltig vor Einkommensarmut geschützt habe, heißt es in der Studie „Einkommensungleichheit und Armutsrisiko“ (DIW-Wochenbericht 25/2015). Ein Grund für die jüngste Entwicklung sei das zum Beginn des Berufslebens oft niedrige Einkommen, „insbesondere bei atypischen Beschäftigungsverhältnissen“, erklärte der DIW-Wissenschaftler Carsten Schröder. Als atypische Beschäftigung gelten Teilzeit, Leiharbeit oder Minijobs.

Das höchste Armutsrisiko besteht der Studie zufolge für die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen. Für sie lag das Armutsrisiko im Jahr 2012 bei rund 21 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt von 14 Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Allerdings absolviere mehr als die Hälfte dieser Altersgruppe eine Ausbildung oder ein Studium, und in dieser Phase lebten die meisten Menschen unterhalb der einkommensbezogenen Armutsrisikoschwelle, erklärten die Wissenschaftler.

Die realen Einkommen, die ein Haushalt zur Verfügung hat, stiegen der Studie zufolge seit dem Jahr 2000 in Deutschland um durchschnittlich fünf Prozent. Gleichzeitig sei aber die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander gegangen. Im obersten Zehntel der Einkommensverteilung stiegen die realen Einkommen demnach zwischen 2000 und 2012 um mehr als 15 Prozent, in der Mitte stagnierten die Einkommen hingegen. Und bei den unteren 40 Prozent sanken die realen Einkommen der Studie zufolge sogar um bis zu vier Prozent im Vergleich zur Jahrtausendwende.

Sehr ungleich verläuft zudem die Entwicklung der Erträge aus den zentralen Produktionsfaktoren Arbeit (Arbeitnehmerentgelte) und Kapital (Unternehmens- und Vermögenseinkommen): Im Zeitraum ab 2000 stiegen die realen Vermögenseinkommen mit etwa 30 Prozentpunkten vier Mal so stark wie die Arbeitnehmerentgelte im selben Zeitraum.

Eine Prognose dazu, ob der 2015 eingeführte Mindestlohn zu einer Reduzierung des Armutsrisikos beitragen wird, konnten die Autoren der DIW-Studie nicht geben.

Die DIW-Studie >> als PDF im Internet

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