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Papst Franziskus ruft in Umwelt-Enzyklika zu Kurswechsel auf

In einem leidenschaftlichen Appell für mehr Klimaschutz hat Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika vor allem die Industrienationen zu einer „ökologischen Umkehr“ aufgerufen. In dem am Donnerstag veröffentlichten Lehrschreiben fordert er ein Ende des „unersättlichen und unverantwortlichen Wachstums“ und eine Abkehr von fossilen Energieträgern. Bei Politik, Kirchen und Umweltverbänden stieß das Lehrschreiben „Laudato si“ auf breite Zustimmung.

Vatikanstadt (afp) – In einem leidenschaftlichen Appell für mehr Klimaschutz hat Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika vor allem die Industrienationen zu einer „ökologischen Umkehr“ aufgerufen. In dem am Donnerstag veröffentlichten Lehrschreiben fordert er ein Ende des „unersättlichen und unverantwortlichen Wachstums“ und eine Abkehr von fossilen Energieträgern. Bei Politik, Kirchen und Umweltverbänden stieß das Lehrschreiben „Laudato si“ auf breite Zustimmung.

Der Klimawandel sei nicht zu leugnen, schreibt der Papst in dem mehr als 200-seitigen Schreiben. Er spricht darin von einer „besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems“, für die in erster Linie die Menschheit verantwortlich sei. Franziskus fordert eine rasche Abkehr von den fossilen Energieträgern, um den Kohlendioxidausstoß in den kommenden Jahren zu senken, und spricht sich für den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energiequellen aus.

Sollte die derzeitige Entwicklung nicht gestoppt werden, werde die Menschheit „Zeuge nie dagewesener klimatischer Veränderungen und einer beispiellosen Zerstörung der Ökosysteme (…), mit schweren Folgen für uns alle“, warnte der Papst. Er verurteilte außerdem die Privatisierung der Trinkwasserversorgung, die sich zu einer „hauptsächlichen Konfliktquelle dieses Jahrhunderts“ entwickeln könnte.

Der Pontifex fordert vor allem die Menschen in den Industrienationen auf, ihren Lebensstil zu ändern, die „Wegwerfkultur“ zu beenden und den ungehemmten Konsum einzuschränken. Nur so könne die Erderwärmung eingedämmt und verhindert werden, dass sich die Erde in eine „unermessliche Mülldeponie“ verwandele. In einigen Teilen der Welt solle eine gewisse Rezession akzeptiert werden, „damit in anderen Teilen ein gesunder Aufschwung stattfinden kann“.

Der Klimawandel treffe die Menschen in den Entwicklungsländern besonders hart, doch würden die Probleme der Armen oft als „Kollateralschaden“ betrachtet, kritisierte der Papst. Auch herrsche eine allgemeine Gleichgültigkeit gegenüber Migranten, „die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird“. Die reichen Nationen hätten jedoch eine „ökologische Schuld“ gegenüber den Entwicklungsländern.

Umweltschützer erhoffen sich von der Enzyklika Rückenwind für die UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris, bei der ein neuer globaler Klimavertrag vereinbart werden soll. Frankreichs Präsident François Hollande begrüßte als Gastgeber den „Appell“ an die Weltöffentlichkeit und die Regierungen und äußerte die Hoffnung, dass die Stimme des Papstes nicht nur bei den Gläubigen „auf allen Kontinenten gehört werde“.

Die UN-Klimasekretärin Christiana Figueres sprach von einem „Weckruf“ und erklärte, die Enzyklika unterstreiche „den moralischen Imperativ zum dringenden Handel gegen den Klimawandel, um die verletzlichsten Bevölkerungen des Planeten emporzuheben, die Entwicklung zu schützen und verantwortliches Wachstum zu fördern“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Staaten auf, „das Allgemeininteresse über die nationalen Interessen“ zu stellen.

Der Papst sende mit der Enzyklika ein „starkes Signal für die Schöpfung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sprach von einem „Text zum richtigen Zeitpunkt“. Die christlichen Kirchen eine der Kampf gegen die Zerstörung der Natur und für eine gerechte Ordnung der Wirtschaftsbeziehungen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte die Hoffnung, dass die Enzyklika „die konservativen Kreise“ überzeuge, die „die enorme Brisanz des Klimawandels kleinreden wollen.“ Franziskus habe Recht, dass die soziale und die ökologische Frage zusammengehörten. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßte die „gelungene Provokation“. Auch die Umweltschutzverbände Greenpeace und WWF lobten die „klaren Worte“ aus Rom.

Bei Klimaskeptikern in den USA trafen die Botschaften des Papstes hingegen auf teils scharfe Ablehnung. Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Jeb Bush sagte, er glaube, dass es „technologische Lösungen für fast alles gebe“, so auch für den Klimawandel. Das konservative Heartland-Institut erklärte, die Armen bräuchten billige Energie aus fossilen Rohstoffen.

Die Enzyklika „LAUDATO SI‘– Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ >> als PDF zum Download

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