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4. Energieeffizienz-Index – Niveau wird nicht gehalten

Das Thema Energieeffizienz ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien, das wichtigste Handlungsfeld der Energiewende. Nach dem Motto, die umweltfreundlichste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst verbraucht wird, soll Energieeffizienz dazu beitragen, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. Dazu hat die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz verabschiedet. Wie es aktuell um die Energieeffizienz in Deutschland Betrieben bestellt ist, hat die Universität Stuttgart untersucht und die Ergebnisse im 4. Energieeffizienz-Index veröffentlicht.

Stuttgart (csr-news) > Das Thema Energieeffizienz ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien, das wichtigste Handlungsfeld der Energiewende. Nach dem Motto, die umweltfreundlichste Kilowattstunde ist die, die gar nicht erst verbraucht wird, soll Energieeffizienz dazu beitragen, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. Dazu hat die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz verabschiedet. Wie es aktuell um die Energieeffizienz in Deutschland Betrieben bestellt ist, hat die Universität Stuttgart untersucht und die Ergebnisse im 4. Energieeffizienz-Index veröffentlicht.

Schlechte Zeiten für die Energieeffizienz, lautet das Fazit der Forscher vom Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart. Nach ihren Erhebungen planen deutsche Unternehmen in den kommenden 12 Monaten weniger in Energieeffizienz zu investieren. Der Energieeffizienz-Index ist im Sommer 2015 um über ein Drittel gesunken. Die Bedeutung des Themas und der Anteil der Investitionen in Effizienzmaßnahmen an den Gesamtinvestitionen sind zwar seit der letzten Erhebung deutlich gestiegen, aber: Erstmals liegen die Erwartungen der Unternehmen unter ihrer Einschätzung der aktuellen Lage. Mit dem Energieeffizienz-Index wird seit 2013 halbjährlich ermittelt, wie sich die Einstellung sowie aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zum Thema Energieeffizienz entwickelt. Er besteht aus drei Teilindices, welche die Bedeutung, die Investitionen und die Energieproduktivität jeweils für die Gegenwart und die Zukunft abbilden.

Grafik 1 Energieeffizienz-Index

Gegenüber der letzten Erhebung im Winter ist der Index um 35 Prozent gefallen. Der Produktivitätsindex, also das Maß für die Energieproduktivitätssteigerung im Vergleichszeitraum, ist um mehr als 75 % gesunken. Der Bedeutungsindex hingegen ist aktuell leicht um 12 % gestiegen und der Anteil der Investitionen in Energieeffizienz an den Gesamtinvestitionen wird als knapp dreimal so hoch angegeben wie im letzten Halbjahr. „Eine Trendwende zeichnet sich ab“, so EEP-Institutsleiter Prof. Alexander Sauer, „denn bisher waren für die Zukunft immer größere Anstrengungen und Energieeffizienzsteigerungen geplant als in der Gegenwart. Daher ist in der nahen Zukunft nicht mehr mit einer weiteren Steigerung der Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz zu rechnen.“ Für den aktuellen Index wurden die Einschätzungen von 371 produzierenden Unternehmen aus 21 Branchen ausgewertet. Ein Drittel der befragten indexrelevanten Unternehmen war klein (unter 50 Mitarbeiter) oder sehr klein (unter 10 Mitarbeiter), zwei Drittel gehörten zur Gruppe der mittleren und großen Unternehmen.

Grafik 2 Energieeffizienz-Index

Anreize scheinen für kleine Unternehmen nicht auszureichen

In fast allen kleinen und kleinsten Unternehmen kümmern sich ausschließlich interne Mitarbeiter um das Thema Energieeffizienz. Scheinbar greifen die aktuellen Angebote der Politik, externe Beratung zu finanzieren, nicht und reichen als Anreiz für weitere Investitionen nicht aus. 50 Prozent der kleinsten und 25 Prozent der kleinen Unternehmen planen weder heute noch in den kommenden 12 Monaten Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen. Bei den mittleren und großen Unternehmen investieren zwar nur 5 Prozent gar nicht in Energieeffizienz, aber in Zukunft wird sich laut der Erhebung dieser Anteil auf 9 Prozent bzw. 11 Prozent in etwa verdoppeln. „In Summe zeichnet sich aktuell ein Bild ab, das keine weitere Steigerung der Effizienzbemühungen in der Zukunft erwarten lässt – wir müssen im Bereich Sensibilisierung und Anreizsysteme deutlich nachlegen, wenn es mit der Energiewende etwas werden soll,“ so der EEP-Beiratsvorsitzende Heinz Dürr.

Grafik 3 Energieefizienz-Index

Unternehmen finanzieren konservativ

Erstmals wurde bei den stets wechselnden Sonderfragen des Index das Thema Finanzierung adressiert. Fast die Hälfte, nämlich 43 Prozent aller befragten Unternehmen, würden für Effizienzmaßnahmen eine klassische Mischung aus Eigen- und Fremdfinanzierung wählen. Nur 9,3 Prozent würden sich auf innovative Contracting-Modelle einlassen. Gerade kleine Unternehmen bleiben konservativ bei der Finanzierung. Contracting kommt aktuell nur für mittlere und große Unternehmen in Frage – es fehlt also der breite Markt für innovative Finanzierungskonzepte. Beim Contracting werden bestimmte Maßnahmen und Aufgaben an einen Dienstleister übertragen, der dann auch die notwendigen Investitionen übernimmt. Um das Thema Energieeffizienz dennoch voranzubringen, versucht die Bundesregierung mit Zuschüssen nachzusteuern. Ein Schritt in die richtige Richtung, denn 45 Prozent der Unternehmen geben als für sie besonders wirksamen Anreiz für weitere Investitionen einen Zuschuss bzw. eine Prämie an. Aber auch Steuererleichterungen und Abschreibungsvorteile animieren Investitionen deutlich. „Angesichts der aktuell eingetrübten Aussicht für weitere Fortschritte bei der Energieeffizienz in der Produktion wären derartige politische Maßnahmen ein wichtiges Signal“, so EEP-Chef Alexander Sauer.

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