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Mit Akw Grafenrheinfeld erstmals seit 2011 Reaktor abgeschaltet

Mit der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld hat die nächste Phase des Atomausstiegs in Deutschland begonnen. Der Reaktor in Nordbayern wurde in der Nacht zum Sonntag fast genau um Mitternacht vom Netz genommen, wie der Energiekonzern Eon in Hannover mitteilte. Damit wurde erstmals seit 2011 wieder ein Akw dauerhaft abgeschaltet. Die Industrie drängt indes auf einen „verlässlichen Fahrplan“ zur Energieversorgung.

Hannover (afp) – Mit der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld hat die nächste Phase des Atomausstiegs in Deutschland begonnen. Der Reaktor in Nordbayern wurde in der Nacht zum Sonntag fast genau um Mitternacht vom Netz genommen, wie der Energiekonzern Eon in Hannover mitteilte. Damit wurde erstmals seit 2011 wieder ein Akw dauerhaft abgeschaltet. Die Industrie drängt indes auf einen „verlässlichen Fahrplan“ zur Energieversorgung.

Mit dem Ende der Stromproduktion in Grafenrheinfeld nach 33 Jahren startete nun zugleich Phase zwei des gestaffelten Rückzugs aus der Atomenergienutzung in Deutschland, in der bis 2022 die letzten verbliebenen Meiler stillgelegt werden sollen. In der ersten Phase waren – nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima – zunächst die sieben ältesten Akw und das Pannen-Kraftwerk Krümmel abgeschaltet worden.

Nach dem Abschalten von Grafenrheinfeld sind noch acht Akw in Betrieb. Als nächstes Atomkraftwerk muss Block B in Gundremmingen spätestens Ende 2017 vom Netz gehen. Die letzten Meiler müssen dann spätestens Ende 2022 abgeschaltet werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wertete das Abschalten des Akw Grafenrheinfeld als „ein sichtbares Zeichen, dass der Atomausstieg vorangeht“. Jedes Atomkraftwerk, das vom Netz geht, verringere das sogenannte Restrisiko, das mit dem Betrieb der Reaktoren verbunden sei und bringe Deutschland ein Stück voran beim Umbau der Energieversorgung, erklärte die Ministerin.

Zugleich wies sie Befürchtungen der Industrie angesichts der Versorgungssicherheit zurück. Die Bundesnetzagentur habe bestätigt, dass durch die vorzeitige Abschaltung von Grafenrheinfeld keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit zu erwarten seien. „Weder werden deswegen irgendwo die Lichter ausgehen noch die Stromnetze instabil werden“, erklärte die Hendricks.

Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hatte zuvor gewarnt, durch die Abschaltung eines Krafwerkes werde es schwieriger, regional eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Dazu komme der „überfällige Ausbau des Stromleitungsnetzes von Nord nach Süd“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Grillo verlangte rasche Entscheidungen zur Energiewende. Die Koalition müsse sich „sehr schnell“ auf einen verlässlichen Fahrplan für die Energieversorgung einigen. „Diese Klarheit brauchen unsere Unternehmen noch vor der Sommerpause“, forderte der BDI-Chef.

Das Akw im unterfränkischen Grafenrheinfeld ging 1981 ans Netz und erzeugte nach Angaben von Eon insgesamt mehr als 333 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das vom Bundestag 2011 beschlossene Atomausstiegsgesetz legte fest, dass Grafenrheinfeld bis Ende 2015 abgeschaltet werden muss. Eon zog den Termin vor, weil der Brennstoff im Reaktor zur Neige geht. Beim Nachladen wären hohe Steuern fällig geworden.

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