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Sharing Economy – Zukünftiges Wachstum braucht Regeln

„Wenn wir die Sharing Economy als neuen Marktplatz sehen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass sich Verbraucher sicher auf diesem Marktplatz bewegen können.“ Das sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), auf dem Deutschen Verbrauchertag in Berlin. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des vzbv hat ergeben, dass Verbraucher hohe Erwartungen an die Sicherheit in der Sharing Economy haben. Tatsächlich scheint teilen und tauschen im Trend zu liegen, wie eine weitere Studie der Beratungsgesellschaft PWC zeigt.

Berlin (csr-news) > „Wenn wir die Sharing Economy als neuen Marktplatz sehen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass sich Verbraucher sicher auf diesem Marktplatz bewegen können.“ Das sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), auf dem Deutschen Verbrauchertag in Berlin. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des vzbv hat ergeben, dass Verbraucher hohe Erwartungen an die Sicherheit in der Sharing Economy haben. Tatsächlich scheint teilen und tauschen im Trend zu liegen, wie eine weitere Studie der Beratungsgesellschaft PWC zeigt.

Auf dem Deutschen Verbrauchertag sprachen sich Politiker für einen europaweit starken Datenschutz und mehr Verantwortung seitens der Vermittlungsplattformen aus. Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, sagte, auch die Sharing Economy müsse sich an Standards halten. „Angebote, die auf Kosten von Sicherheit, Verbraucherrechten oder fairer Bezahlung gehen, sind nicht fortschrittlich. Rechtsbruch ist keine innovative Geschäftsidee“, so Kelber. Er sieht die Vermittlungsplattformen in der Pflicht: Wer Gewinne mache, müsse auch Verantwortung übernehmen. Bei der Politik sieht er die Aufgaben, den Markt zu beobachten, bestehende Regelungen kritisch zu prüfen und sicherzustellen, dass Standards nicht unterlaufen werden.

Eher von Unternehmen als von Privatpersonen leihen

Bei der Umfrage des vzbv haben neun von zehn Verbrauchern angegeben, Produkte auch anderen zur Verfügung zu stellen, allerdings der größte Teil davon nur im Bekanntenkreis. Laut PWC-Studie hat fast die Hälfte der Verbraucher in den letzten beiden Jahren mindestens ein Share Economy-Angebot genutzt. Dabei sind den Nutzern einige Aspekte sehr wichtig, zu denen insbesondere auch die Sicherheit gehört. Bei allen Vorteilen die eine Share-Economy mit sich bringt, gibt es eben auch die Schattenseiten. So äußern laut PWC-Studie 37 Prozent der Befragten Bedenken in Bezug auf die Qualität der Produkte und Dienstleistungen und ein gutes Drittel ist besorgt, ob die Sicherheit gewährleistet wird. So würden sich 62 Prozent der Verbraucher eher an ein Unternehmen als an eine Privatperson wenden und nennen dafür als Grund vor allem Sicherheit und Versicherungsschutz. Müller: „Sicherheit ist für Verbraucher ein hohes Gut. Ein Mindestmaß an Verbraucherschutz muss auch in der Sharing Economy gelten.“

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Quelle: PWC-Studie

Angebote aus dem Bereich Medien und Unterhaltung im Mittelpunkt

Laut Umfrage des vzbv hat die Sharing Economy in Deutschland vor allem im Bereich Mobilität Potenzial: Je zwei Drittel oder mehr der Befragten können sich vorstellen, Mitfahrgelegenheiten (72 Prozent), Bikesharing (66 Prozent) oder Carsharing (62 Prozent) zu nutzen. Wie die bisherige Nutzung aussieht, ist Gegenstand der PWC-Studie. Demnach stehen aktuell vor allem Angebote aus dem Bereich Medien und Unterhaltung im Mittelpunkt: Ein Drittel der Deutschen hat Erfahrung mit dem Teilen von Büchern oder Musik. An zweiter Stelle rangieren Angebote aus dem Konsumgüterumfeld: Drei von zehn Deutschen leihen sich zumindest ab und an Kleidung oder Spielzeug aus. 28 Prozent haben Erfahrung mit der gemeinschaftlichen Nutzung von Fahrzeugen. Aber auch Dienstleistungen wie Reparaturen im Haushalt oder private Übernachtungsmöglichkeiten werden immer beliebter.

Treiber sind die jüngeren Generationen

Doch es gibt deutliche Unterschiede bei den einzelnen Altersgruppen. Laut vzbv sind es vor allem jüngere Generationen, die sich von Sharing-Angeboten angesprochen fühlen. Das bestätigt sich auch durch die PWC-Studie. Danach haben 82 Prozent der unter 30-Jährigen bereits von einem solchen Angebot Gebrauch gemacht; bei der Generation 60 Plus war es nur gut ein Viertel (27 Prozent). Männer haben tendenziell schon häufiger Share Economy-Produkte in Anspruch genommen oder angeboten als Frauen. Über alle Altersgruppen hinweg wird sich das Teilen und Leihen als Alternative zum Kauf noch weiter verbreiten, so die Einschätzung der Berater. 64 Prozent der Befragten gaben an, künftig Angebote aus der Share Economy nutzen zu wollen.

Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Dass der Trend zum Teilen statt Besitzen ist keine Modeerscheinung ist, davon gehen die Befragten in der PWC-Studie aus. Und nicht nur das, sie rechnen mit einer grundlegenden Veränderung auch in der Arbeitswelt, weil die Share-Economy die Möglichkeit bietet, ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Für 55 Prozent der Deutschen bedeutet demnach das Konzept ein Motor für Arbeitsplätze. 68 Prozent sind der Meinung, dass es im Jahr 2030 normal sein wird, statt eines einzigen 40-Stunden-Jobs mehrere Einnahmequellen zu haben. Diese Einschätzung steht auch im Einklang mit den Erwartungen der Deutschen an die Arbeit der Zukunft: Knapp die Hälfte (47 Prozent) möchte lieber freiberuflich arbeiten als in einem Unternehmen mit festen Strukturen.

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Quelle: vzbv-Umfrage

Klare Regelungen der Haftungssituation

Gleichwohl wird in beiden Studien immer auch die unklare gesetzliche Situation genannt. Dies gilt sowohl für nachfragende Konsumenten als auch für die Anbieter, die sich beispielsweise mit einer nicht klar geregelten Haftungssituation konfrontiert sehen. So wird es grundsätzlich wichtig sein, klar zu erkennen, ob es ich um ein privates oder gewerbliches Angebot handelt. Denn Privatanbieter unterliegen nicht denselben Pflichten wie gewerbliche Anbieter. Umso wichtiger ist es laut vzbv, dass die Grenze klar gezogen wird, und auch Privatanbieter grundlegende Schutzstandards einhalten. Hier seien die Vermittlungsplattformen gefragt. Sie sollten die Qualität der vermittelten Dienste sicherstellen, indem sie zum Beispiel Versicherungen gegen Unfälle und gravierende Schäden anbieten. Die Herausforderung: Es sollten keine rechtlichen Hürden aufgebaut werden, die potenzielle Anbieter abschrecken. „Wir brauchen einfach handhabbare Vorschriften, die Privatanbietern die Sicherheit geben, nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen, und Nutzern die Gewissheit, im Ernstfall geschützt zu sein“, so Müller.

Die Ergebnisse der vzbv-Umfrage zum Download.

Die PWC-Studie zum Download.

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