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Ethisches Investment: Pensionskassen als Vorreiter – öffentlicher Sektor hintenan

Was sind die Treiber für ethisches Investment? Wer sind die Vorreiter und welche Entwicklungen sin zu erwarten? CSR NEWS fragte bei Catherine Cziharz aus der Geschäftsleitung der rfu- Reinhard Friesenbichler Unternehmensberatung nach. In einer Interviewserie kommen die Experten aus dem Verzeichnis der CSR People zu Wort. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

Wien (csr-news) – Was sind die Treiber für ethisches Investment? Wer sind die Vorreiter und welche Entwicklungen sin zu erwarten? CSR NEWS fragte bei Catherine Cziharz aus der Geschäftsleitung der rfu- Reinhard Friesenbichler Unternehmensberatung nach. In einer Interviewserie kommen die Experten aus dem Verzeichnis der CSR People zu Wort. Die Fragen stellte Achim Halfmann.

CSR NEWS: Soziale Einrichtungen sollten aufgrund ihrer Ausrichtung ein Vorbild in Sachen ethisches Investment darstellen. Sind sie das tatsächlich?

Mag. Catherine Cziharz: Bei sozialen Einrichtungen liegt es – würde man meinen – auf der Hand, dass diese auch ihre Anlagestrategie nach Nachhaltigkeitsgrundsätzen ausrichten. Eine immer größer werdende Anzahl kirchlicher und sozialer Organisationen tut das bereits – auf Basis ihrer Werthaltungen. Selbstverständlichkeit ist strukturiertes ethisches Investment deshalb noch keine. Vielfach fehlt es im ersten Schritt an der gedanklichen Verknüpfung zwischen Kernkompetenz und finanzieller „Investitionskultur“. Sozial engagiert sein bedingt, dass sich dieser humanistische Zugang in allen Managementbereichen, auch bei den eigenen Finanzen, zeigen sollte.

Öffentliche Einrichtungen argumentieren gerne damit, dass sie öffentliche Gelder möglichst effektiv verwalten müssen. Steht das einem ethischen Investment entgegen?

Im Gegenteil: Da der öffentliche Sektor ja per Definition dem Erhalt und Ausbau von Gemeinwohlaufgaben wie Wohlstand, Verteilungsgerechtigkeit, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur, Sicherheit etc. dient, ist eine Umsetzung dieser Verantwortungshaltung in Form einer ethischen, sozial- und umweltorientierten nachhaltigen Veranlagungsstrategie nur logische Konsequenz. Wie unglaubwürdig würde sich ein Staat machen, der – um ein plakatives Beispiel zu nennen – Nuklearenergie für sich ausgeschlossen hat, aber über einen Fonds in diese Energieform investiert?

Was die Frage der Performance angeht, zeigt sich, dass eine Orientierung an Nachhaltigkeit ein Mehr an Informationen als Grundlage für fundierte Anlageentscheidungen und längerfristig eine Outperformance bringt. Das macht eine Reihe von Investmentprodukten, vor allem Nachhaltigkeitsindizes deutlich. Für Österreich sei der Nachhaltigkeitsindex VÖNIX genannt, der seit knapp 10 Jahren existiert und in diesem Zeitraum einen Vorsprung gegenüber dem konventionellen ATX Prime von rund 12 Prozent erzielen konnte. Darüber hinaus wurden bereits mehrere 100 wissenschaftlichen Studien zur Frage der Rendite nachhaltiger Geldanlagen erstellt. Deren Fazit ist – wenig überraschend – gemischt bis leicht positiv.

Was sind die Treiber für ethisches Investment im öffentlichen und sozialen Sektor?

Im sozialen Bereich zählen das spezifische Werteverständnis und die Sensibilität für ethisches Verhalten sicherlich zu den entscheidenden Motiven. Das Bewusstsein und der Umsetzungswille für Portfoliomanagement auf Basis strukturierter nachhaltiger Investmentkriterien muss aber sicher noch geschärft werden. Glaubwürdigkeit ist ein zentrales Moment: Eine Kinderhilfsorganisation, die über ein Finanzanlageprodukt beispielsweise in ein Unternehmen investiert, welches via Zulieferkette mit Kinderarbeit in Berührung ist, würde rasch ein echtes Selbstverständnis- und Glaubwürdigkeitsproblem bekommen.

Der öffentliche Sektor schenkt dem Thema ethisches Investment derzeit noch relativ wenig Aufmerksamkeit. Es gibt allerdings Vorzeigestaaten wie Norwegen, das via seines 800 Milliarden Euro schweren staatlichen Ölfonds der weltweit größte nachhaltige Investor überhaupt ist. Dieser Fonds nutzt u.a. das Instrument des Engagements und Proxy Votings – d.h. formale und informelle Aktionärsmacht wird in den Dienst der Nachhaltigkeit gestellt, um Unternehmen zu einer positiven Entwicklung zu motivieren bzw. zu zwingen.

Wer sind die Vorreiter?

In Österreich sind es vor allem institutionelle Anleger wie Pensions- und Vorsorgekassen, die seit Jahren die ihnen anvertrauten Gelder nach Nachhaltigkeitskriterien veranlagen. Parallel zu Rentabilität und Sicherheit werden ethische, soziale und ökologische Zielsetzungen verfolgt.

Welche zukünftigen Entwicklungen sehen Sie?

Ethisches Investment ist in den vergangenen Jahren, angesichts der umwelt-und gesellschaftspolitischen Herausforderungen und nicht zuletzt unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise, „salonfähig“ geworden. Mit einem Anteil von rund 10 Prozent aller europäischen Assets under Management hat sich Nachhaltiges Investment (zumindest mit einem Mindestansatz durch Ausschlusskriterien) zu einem etablierten Segment entwickelt. Dabei spielen neben dem Performanceaspekt vor allem Fragen der Reputation und Glaubwürdigkeit eine entscheidende Rolle für die Investoren. In diesem Sinne werden in Hinkunft vor allem „exponiertere“ Anleger (öffentliche, institutionelle Anleger) die Berücksichtigung ethischer Kriterien nicht mehr vernachlässigen können.

Herzlichen Dank!

Kontakt zur Expertin Mag. Catherine Cziharz: cziharz@rfu.at

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