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Mit Abwasser gegen die Dürre

Wasser ist knapp in Kalifornien, 2015 ist das bereits vierte Dürrejahr in Folge. Auf der Suche nach neuen Quellen greifen einige Landwirte inzwischen auf das Abwasser aus der Ölindustrie zurück. Für sie ist es eine effiziente Lösung – doch Umweltschützer schlagen Alarm.

Bakersfield, USA (afp) – Wasser ist knapp in Kalifornien, 2015 ist das bereits vierte Dürrejahr in Folge. Auf der Suche nach neuen Quellen greifen einige Landwirte inzwischen auf das Abwasser aus der Ölindustrie zurück. Für sie ist es eine effiziente Lösung – doch Umweltschützer schlagen Alarm.

Von Veronique Dupont

Landwirtschaft und Ölindustrie liegen in Kalifornien nah beieinander. Im fruchtbaren Kalifornischen Längstal rund um die Stadt Bakersfield wechseln sich Obstplantagen und Ölförderanlagen ab. 80 Prozent der kalifornischen Ölproduktion und 45 Prozent der Agrarproduktion in dem Bundesstaat stammten aus dem Gebiet, sagt Madeline Stano von der Organisation Center on Race, Poverty and the Environment, die sich für den Umweltschutz einsetzt.

Jetzt im Sommer übersteigen die Temperaturen häufig 40 Grad. Früher bewässerten die Landwirte ihre Felder mit dem Wasser aus den Flüssen. Doch nach vier Jahren Trockenheit sind die Pegel der Gewässer dramatisch gesunken. Auch das Grundwasser wird knapp: Schon jetzt sind mehr als tausend Brunnen in der Region ausgetrocknet.

Die von den Landwirten finanzierte Kooperative Cawelo Water District greift deshalb bereits auf Abwasser aus der Ölindustrie zurück. Das Rohöl komme mit Wasser vermischt aus der Erde, erklärt die Sprecherin des Energiekonzerns Chevron, Abby Auffant. Anschließend müssten Wasser und Öl getrennt werden. „Für die Ölindustrie ist es schwer, dieses Wasser los zu werden“, sagt Umweltschützerin Stano. Das Wasser an Landwirte verkaufen zu können, sei deshalb für die Konzerne ein Gewinn.

Chevron liefert täglich 500.000 Barrel (81.500 Kubikmeter) Abwasser an die Wasserkooperative der Landwirte. Das Abwasser wird gefiltert und mit Frischwasser gemischt, bevor damit die Felder und Weinberge von etwa 90 Landwirten und Weinbauern bewässert werden. Das Abwasser koste knapp 3 Cent pro Kubikmeter, Frischwasser hingegen bis zu 1,20 Dollar (gut ein Euro), sagt David Ansolabehere, der Chef der Wasser-Kooperative.

Der Verkauf des Abwassers ist legal, die kalifornischen Behörden haben den Ölfirmen nach Vorlage von Tests die Erlaubnis dafür erteilt. „Die Genehmigung legt Grenzwerte fest und die haben wir immer unterschritten“, sagt die Sprecherin von Chevron.

Umweltschützer halten die Praxis dennoch für riskant. „Das ist ein Experiment, das der Bundesstaat Kalifornien und die Ölindustrie ohne Zustimmung der Verbraucher unternehmen“, sagt Stano. Selbst im Wasser-Testbericht von Chevron würden Benzol und Aceton aufgeführt – zwei krebserregende Substanzen.

Auf andere schädliche Rückstände würde das Abwasser erst gar nicht untersucht, wirft die Umweltaktivistin den Ölunternehmen vor und fordert unabhängige Tests. Die angewandten Untersuchungsmethoden seien zudem veraltet, kritisiert Scott Smith von Water Defense, einer Organisation zum Wasserschutz, die vom Schauspieler Mark Ruffalo gegründet wurde.

Ob mögliche Rückstände aus dem Abwasser auch in den Trauben, Mandeln und anderen Früchten aus dem Tal zu finden sind, weiß niemand. Das Obst und Gemüse werde lediglich auf Pestizide getestet, sagt Ansolabehere, der Chef der Wasser-Kooperative. Weil der Salzgehalt des Abwassers erhöht ist, haben die Behörden nach Angabe der Kooperative eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die über künftige Tests der Agrarprodukte entscheiden soll. Es stehe viel auf dem Spiel, sagt der Landwirt und Umweltaktivist Tom Frantz: „Wenn nur ein einziger Mensch wegen einer Frucht aus der Region krank wird, dann ist der Ruf aller Bauern hier ruiniert.“

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