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Bundesamt nutzte Leserbriefe zur Bewertung von umstrittenem Pestizid

Um die Ungefährlichkeit des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat zu belegen, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch auf Leserbriefe an eine Fachzeitschrift zurückgegriffen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Insgesamt 14 von 92 als Studien bezeichnete Quellen sind demnach Leserbriefe, die in der Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“ veröffentlicht wurden.

Berlin (afp) > Um die Ungefährlichkeit des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat zu belegen, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auch auf Leserbriefe an eine Fachzeitschrift zurückgegriffen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor. Insgesamt 14 von 92 als Studien bezeichnete Quellen sind demnach Leserbriefe, die in der Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“ veröffentlicht wurden.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag berichtete, stammen zehn der Leserbriefe direkt von Mitarbeitern des US-Gentechnik-Konzerns Monsanto oder von Absendern, die dem weiteren Umfeld des Konzerns zugeordnet werden können. Monsanto macht einen erheblichen Teil seines Umsatzes mit Glyphosat. „Das BfR will uns ernsthaft Leserbriefe an ein Fachmagazin als Studien verkaufen, die das eigene Urteil vom völlig harmlosen Glyphosat bestätigen sollen. Damit verlieren Deutschlands oberste Risikobewerter noch weiter an Glaubwürdigkeit“, erklärte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Das BfR äußerte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht zu dem Sachverhalt.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Es blockiert ein Enzym, das für die Proteinsynthese in Pflanzen zuständig ist. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Einsatz des Herbizids überlebt. In Deutschland kommt das Mittel Schätzungen zufolge auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen zur Anwendung.

Wahrscheinlich krebserregend für den Menschen

Ende März war Glyphosat von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), einer Unterorganisation der WHO, als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft worden. Hingegen hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei einer Untersuchung 2014 nach eigenen Angaben keine solchen Hinweise gefunden. Nach Veröffentlichung der Einschätzung der IARC erklärte das BfR, diese sei „wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar“ und offenbar nur mit wenigen Einzelstudien belegt.

Bevor die EU-Kommission über eine weitere Genehmigung des Wirkstoffes entscheidet, sollen strittige Fragen geklärt werden. Wie die „SZ“ weiter berichtete, soll Roland Solecki, ein hochrangiger Mitarbeiter des BfR, den Streit schlichten. Ebner sieht die Unabhängigkeit dadurch gefährdet. Es könne nicht sein, dass mit Solecki „ausgerechnet der Autor der Glyphosat-Unbedenklichkeitsbescheinigung als oberster Richter darüber befinden soll, was dran ist am Krebsverdacht gegen das Pflanzengift“, erklärte der Abgeordnete.

 

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