Nachrichten

Neue Studie zeigt negative Folgen von Agrarinvestitionen für afrikanische Bauern

Ein Großteil der Kleinbauern droht bei der Investitionspolitik in den afrikanischen Agrarsektor als Verlierer hervor zu gehen. Das macht eine im Auftrag von Misereor erstellte Studie deutlich. Großflächige Investitionen durch private Konzerne führen bisher nicht zu Ernährungssicherung und Armutsminderung, sondern eher zu Landraub, Landverknappung und Landkonflikten.

Aachen (csr-news) > Ein Großteil der Kleinbauern droht bei der Investitionspolitik in den afrikanischen Agrarsektor als Verlierer hervor zu gehen. Das macht eine im Auftrag von Misereor erstellte Studie deutlich. Großflächige Investitionen durch private Konzerne führen bisher nicht zu Ernährungssicherung und Armutsminderung, sondern eher zu Landraub, Landverknappung und Landkonflikten.

Im Rahmen der „Neuen Allianz für Nahrungssicherheit und Ernährung“ der G7-Staaten entsteht im südlichen Tansania unter dem Namen „Southern Agricultural Growth Corridor of Tanzania“ (SAGCOT) mit Hilfe privater Investitionen eine industrielle Landwirtschaft, die rund zwei Millionen Menschen aus der Armut befreien und Arbeitsplätze schaffen soll. In Tansania leben rund 80 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. „Die Studie zeigt jedoch auf, dass Kleinbauern bislang kaum von den Produktionssteigerungen und den in Aussicht gestellten Zugängen zu nationalen und internationalen Absatzmärkten profitieren und häufig ihr Land durch die Schaffung von Großplantagen verlieren“, erklärt Kerstin Lanje, Expertin für Welthandel und Ernährung bei Misereor.

Kleinbauern kennen eigene Rechte nicht

Laut der Misereor -Studie „A right to food perspectice“ fehlt es Kleinbauern an Informationen über geltende gesetzliche Verfahren bei Landvergaben, über ihre Rechte als Landnutzer und die konkreten Folgen der Landnahmen. Dies verschlechtert ihre Verhandlungsposition und führt dazu, dass die Dorfbevölkerung immer wieder benachteiligt wird. „Häufig werden den betroffenen Dörfern umfangreiche soziale und infrastrukturelle Investitionen wie der Bau von Straßen, von Gesundheitseinrichtungen oder eine bessere Ausstattung von Schulen im Gegenzug für das übertragene Land versprochen. Diese Investitionen werden aber zum Teil gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt“, so Lanje. Schriftliche und verbindliche Verträge zwischen Investoren und den Dörfern gebe es kaum. Statt fester Anstellungen mit sicheren Einkommen böten die Investoren auf den Plantagen der umliegenden Dörfer nur unsichere Jobs als Tagelöhner. „Das Versprechen, Kleinbauern als Vertragsbauern einzubinden und ihnen Absatzmärkte zu sichern, wird ebenfalls viel zu selten eingelöst“, erklärt Lanje.

Zukünftig werde zudem die Abwanderung vom Land in die Stadt insbesondere von jungen Menschen wahrscheinlich, betont Benedict Mongula, Professor am Institut für Development Studies (IDS) der Universität Dar Es Salaam in Tansania und Mitherausgeber der Studie. Er geht davon aus, dass auch Landkonflikte unter diesen Entwicklungen zunehmen. „Mit zunehmender Landknappheit werden Viehhalter und Kleinbauern vermehrt um das Land, das die Investoren in Tansania übrig lassen, kämpfen. Die, die somit eigentlich von den Initiativen zur Ernährungssicherung profitieren sollen, werden zurückgedrängt und ausgeschlossen“, so Mongula.

Exportorientierung statt Ernährungssouveränität

„Statt Grundnahrungsmittel anzubauen und so den Grundbedürfnissen der Menschen nachzukommen, setzen die Investoren auf den Export von Kaffee oder Jatropha und versuchen gleichzeitig, Tansania als Markt für die eigenen Produkte wie Saatgut, Pestizide, Herbizide und chemische Düngemittel zu erschließen. Diese Entwicklung bedeutet einen beachtlichen Rückschritt in den Bemühungen um die Durchsetzung des Menschenrechts auf Nahrung in Tansania“, so Misereor -Expertin Lanje.

Die Studie „A Right to Food Perspective“ zum Download.

Hinterlassen Sie einen Kommentar