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Ökobilanz für den diesjährigen Eurovision Song Contest

Am 23. Mai 2015 fand in Wien der vom ORF veranstaltete „Eurovision Song Contest“ statt. Zum ersten Mal in der 60-jährigen ESC-Geschichte war der größte TV-Unterhaltungsevent der Welt als Green Event organisiert und nach Umweltzeichen- und ÖkoEvent-Kriterien zertifiziert. Zwei Monate danach veröffentlichte der ORF nun den Nachhaltigkeitsbericht zum Green Event.

Wien (csr-news) > Am 23. Mai 2015 fand in Wien der vom ORF veranstaltete „Eurovision Song Contest“ statt. Zum ersten Mal in der 60-jährigen ESC-Geschichte war der größte TV-Unterhaltungsevent der Welt als Green Event organisiert und nach Umweltzeichen- und ÖkoEvent-Kriterien zertifiziert. Zwei Monate danach veröffentlichte der ORF nun den Nachhaltigkeitsbericht zum Green Event.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz: „Im ORF ist das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ seit dem Jahr 2007 fest in der Unternehmenspolitik verankert. Daher war es für den ORF von Anfang an selbstverständlich, den Eurovision Song Contest in Wien als Green Event auszutragen. Tatkräftige Unterstützung fand man beim Umweltministerium und der Stadt Wien und rund 83 Prozent der Zuschauer begrüßten den „grünen“ Ansatz. „Die Eckpunkte des Eurovision Song Contest 2015 als Green Event sind nun gesammelt in dem vorliegenden ESC-Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert. Uns ist es gelungen, Österreich als Land zu präsentieren, das nachhaltig mit seinen Ressourcen umgeht, und gleichzeitig einen neuen Standard für künftige Großevents zu setzen. Mein Dank gilt allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben“, so Wrabetz. Der Nachhaltigkeitsbericht umfasst neben der Dokumentation der gesetzten Maßnahmen auch Empfehlungen für zukünftige Events. Dabei folgt er im Aufbau den Inhalten des Österreichischen Umweltzeichens und orientiert sich darüber hinaus an den Richtlinien der Global Reporting Initiative.

Vorbildwirkung für künftige Events

Eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen wurde im Rahmen des Green Events zu den Leitthemen Klimaschutz und Ressourcenschonung, regionale und nachhaltige Produkte, Barrierefreiheit und Inklusion sowie zu Kommunikation im Sinn einer Vorbildwirkung für künftige Events umgesetzt. Nachhaltigkeit hat vor allem zum Ziel, mit natürlichen Ressourcen so schonend wie möglich umzugehen. Dazu tragen Maßnahmen wie Energieeffizienz, Abfallvermeidung, Vermeidung von Lebensmittelabfällen, Einsatz von Biolebensmitteln, Reduzierung von Transportwegen durch Regionalität, Mehrweg etc. bei. Der Song Contest wurde sowohl nach Österreichischem Umweltzeichen als auch nach ÖkoEvent Kriterien der Stadt Wien zertifiziert. „Der ESC ist zu einem echten Dammbrecher geworden. Seit der ESC als Green Event umgesetzt wurde, haben sich die Anfragen zu Green Events beim BMLFUW vervielfacht“, so Andrä Rupprechter, Umweltminister und Partner des ESC. „Als Umweltministerium ist uns vor allem wichtig, dass sich aus diesem Leitprojekt viele weitere Initiativen ergeben, die zum Green-Event-Gedanken beitragen“, so Rupprechter weiter.

Deutlich weniger Strom gebraucht

Schon die Wahl der Austragungsstätte war für die Ökobilanz des ESC zentral: Durch die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln kamen 85 Prozent der Gäste mit dem öffentlichen Verkehr. Durch das vorhandene Stromnetz konnte die Veranstaltung mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt und auf permanent laufende Dieselaggregate verzichtet werden und so mehr als 440.000 Liter Diesel eingespart werden – das entspricht mehr als 1.000 Tonnen CO2. Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima freut sich, „dass mit dem bewährten Mehrwegbechersystem der Stadt Wien 500.000 Einwegbecher eingespart wurden, das entspricht einem Becherturm von 78 km Höhe“. Auch die Wiener Öffis haben einen entscheidenden Beitrag zum ÖkoEvent geleistet, die Eintrittskarten für die Shows in der Stadthalle waren zugleich Ticket für die Wiener Linien.

In Summe wurden beim ESC in der Wiener Stadthalle knapp 862 MWh an elektrischer Energie verbraucht. Dies ist deutlich weniger, als für einen Event dieser Größenordnung zu erwarten war. Die Einsparungen konnten quer durch alle Bereiche lukriert werden, einen besonders hohen Anteil hatte das Licht, das einerseits trotz fulminanter Lichtshow sparsam eingesetzt wurde und andererseits durch den Einsatz von LED-Lampen technologisch auf dem letzten Stand war. Obwohl insgesamt 3.500 Tonnen Material eingesetzt wurden, landeten nur 26 Tonnen davon im Restmüll, knapp 96 Tonnen Wertstoffe wurden getrennt gesammelt und dem Recycling zugeführt. „Die vergleichsweise niedrige durchschnittliche Restmüllmenge von 0,074 kg (74 g) pro Besucher/in zeigt, dass unsere Maßnahmen zur Vermeidung, Wiederverwendung und zur getrennten Sammlung von Wertstoffen erfolgreich waren“, freut sich Werner Knausz, Vorstand der Altstoff Recycling Austria AG (ARA), die beim ESC als Nachhaltigkeitspartner für die Abfallwirtschaftsmaßnahmen verantwortlich war. „Aufgrund der getrennten Sammlung und Verwertung von Altstoffen und Abfällen wurden 203 Tonnen CO2-Äquivalente an Emissionen eingespart. Dies entspricht etwa 1.400.000 Pkw-Kilometern“, so Knausz weiter.

15.900 Liter Bio-Milch

Auch das Catering war vom Green-Event-Gedanken geprägt. Die Gäste des Akkreditierten-Bereichs wurden überwiegend mit regionalen und biologischen Spezialitäten verwöhnt, es konnte hier ein Bio-Anteil von mehr als 40 Prozent erreicht werden. Im Publikumsbereich konnten mehr als 1.000 Bio-Kornspitze mit Bio-Käse und mehr als 400 Liter Bio-Apfelsaft verkauft werden. Eindrucksvolle 15.900 Liter Bio-Milch, 1.140 Bio-Eier, 450 kg Bio-Spargel und 128 kg Bio-Bergkäse wurden für den ESC geordert, die Milch stammte zu 100 Prozent aus Bio-Produktion. Kaffee wurde ausschließlich aus Fairtrade-Quellen, Tee in Bio-Qualität angeboten, im kulinarischen Angebot fanden sich auch regionale Spezialitäten der österreichischen GenussRegionen und der WILDKULTUR Fisch der Österreichischen Bundesforste.

Als Getränk wurde Wiener Wasser in Mehrwegbechern angeboten und auch kräftig konsumiert. Allein das im Bereich der Akkreditierten ausgeschenkte Wiener Wasser sparte den Einsatz von mindestens 30.000 Einweg-Wasserflaschen. Beide Halbfinale und das Finale des ESC wurden zur Gänze untertitelt, wobei die jeweiligen Songs in der jeweiligen Originalsprache (zum Großteil auf Englisch) mit Untertiteln ausgestrahlt wurden. Für die beiden Semifinal-Shows wurde „Eurovision Sign“ via Live-Stream in internationaler Gebärdensprache übertragen; bei der Finalshow war die „Eurovision Sign“-Version zudem auf ORF 2 Europe zu sehen.

Positive Reaktion

Bei den Shows wurden von einem Volunteers-Team insgesamt 467 Personen zum Green Event aus 45 Ländern befragt, ca. die Hälfte stammte aus Österreich. Generell war das Feedback zum Song Contest und zur Green-Event- und ÖkoEvent-Umsetzung sehr positiv, 97 Prozent betrachteten Green Event und ÖkoEvent als eine hervorragende Idee und 90 Prozent Prozent meinten, dass sich die Green-Event-Maßnahmen positiv auf die Qualität der Veranstaltung auswirken. Dabei sind vor allem das Abfalltrenn- und -sammelsystem (83 Prozent), die Mehrwegbecher (81 Prozent) und die Eintrittskarten, die zugleich Gratis-Öffi-Tickets darstellen (80 Prozent), aufgefallen. Eine vom ORF beim Markt- und Meinungsforschungsinstitut Integral beauftragte Begleitumfrage bestätigt dieses Ergebnis, 83 Prozent fanden die Ausrichtung als Green Event gut bis sehr gut. Beim Thema „Barrierefreiheit“ lag dieser Wert sogar bei 94 Prozent.

Der Nachhaltigkeitsbericht zum Download.

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