Nachrichten

Kaufhof schlägt Fonds zur Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit vor

Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof hat einen freiwilligen Fonds zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit in der DDR vorgeschlagen. In den Fonds könnten alle deutschen und internationalen Unternehmen einzahlen, die direkt oder indirekt von Zwangsarbeit insbesondere durch politische Häftlinge profitiert haben, erklärte das Unternehmen am Freitag in Köln.

Köln (afp) > Die Kaufhauskette Galeria Kaufhof hat einen freiwilligen Fonds zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit in der DDR vorgeschlagen. In den Fonds könnten alle deutschen und internationalen Unternehmen einzahlen, die direkt oder indirekt von Zwangsarbeit insbesondere durch politische Häftlinge profitiert haben, erklärte das Unternehmen am Freitag in Köln. Der Bayerische Rundfunk hatte zuerst über den Vorschlag berichtet. Die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, begrüßte im BR die Initiative.

Der Fonds soll etwa Studien, Ausstellungen und Dokumentationen zur Zwangsarbeit in der DDR finanzieren, sagte ein Kaufhof-Sprecher. Wie das Unternehmen erklärte, wusste die damalige Kaufhof AG nach dem auf umfangreichen Recherchen beruhenden derzeitigen Kenntnisstand nichts davon, dass bei der Produktion in der DDR für die Kaufhauskette auch Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Es habe damals keinen direkten Kontakt zu den Lieferwerken in Ostdeutschland oder gar zu einer Zuchthaus-Produktion gegeben. DDR-Repräsentanten hätten den Einsatz von Gefängnisinsassen nicht erwähnt.

Kaufhof erklärte sich zu Gesprächen mit der Union der Opfer Kommunistischer Gewaltherrschaft und staatlichen Stellen über den freiwilligen Fonds bereit. Der Einsatz von Zwangsarbeitern in der DDR-Produktion für den Westen war erst 2012 bekannt geworden. Damals hatte die Möbelkette Ikea eingestanden, dass politische Häftlinge und Strafgefangene Möbel für das Unternehmen herstellen mussten. Weitere Studien zeigten, dass auch andere Unternehmen von DDR-Zwangsarbeit profitierten.