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Geht Tierschutz-Initiative das Geld aus?

Die Anfang des Jahres gestartete Tierwohl-Initiative von Handel, Fleischindustrie und Landwirtschaft steht offenbar vor einem Finanzierungsproblem. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Montagsausgabe berichtet, kann zurzeit nur etwa die Hälfte der registrierten Projekte in der Tierhaltung gefördert werden. Händler und Industrie streiten laut Bericht seit Wochen erfolglos darüber, wer die Millionenlücke schließen soll.

Berlin (afp) > Die Anfang des Jahres gestartete Tierwohl-Initiative von Handel, Fleischindustrie und Landwirtschaft steht offenbar vor einem Finanzierungsproblem. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Montagsausgabe berichtet, kann zurzeit nur etwa die Hälfte der registrierten Projekte in der Tierhaltung gefördert werden. Händler und Industrie streiten laut Bericht seit Wochen erfolglos darüber, wer die Millionenlücke schließen soll.

Bedarf von 120 Millionen Euro angemeldet

An der freiwilligen Initiative sind neben der Fleischindustrie die größten Einzelhändler und der Deutsche Bauernverband (DBV) beteiligt. Die Händler haben sich verpflichtet, für jedes verkaufte Kilo Fleisch einen festen Centbetrag in einen Fonds einzuzahlen. Mit dem Geld sollten Landwirte gefördert werden, die ihre Ställe umwelt- und tierfreundlicher ausbauen als gesetzlich vorgeschrieben. 4730 landwirtschaftliche Betriebe haben sich bisher registriert und einen Bedarf von 120 Millionen Euro angemeldet, wie die Zeitung unter Berufung auf interne Papiere berichtet. Ihren Angaben zufolge stehen aber bisher nur knapp 60 Millionen Euro zur Verfügung.

 Droht ein Glaubwürdigkeitsproblem?

Nachdem in der Initiative ursprünglich über bis zu 20 Cent pro Kilo Fleisch und etwa 200 Millionen Euro jährlich für die Landwirte diskutiert worden sei, seien zum Start vier Cent je Kilo und für die ersten drei Jahre insgesamt 255 Millionen Euro übriggeblieben. Bis auf den Discounter Lidl habe sich noch keine Kette bereit erklärt, die Mehrkosten mitzutragen. Für die Optimierung der Ställe seien viele Landwirte „in Vorleistung gegangen und drohen auf den Kosten sitzen zu bleiben“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Auf keinen Fall darf die Initiative den Weg einschlagen, beim Tierschutz weniger zu tun. Der Initiative droht dann ein Glaubwürdigkeitsproblem“, sagte er der Zeitung.