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Selbstverpflichtung der Erzeuger – „…das beste Geflügelland der Welt“

Die Geflügelwirtschaft hierzulande sieht sich selbst als tragende Säule der Ernährungsindustrie. Tatsächlich entfielen auf sie im vergangenen Jahr rund 22 Prozent des Fleischverbrauchs in Deutschland. Doch zahlreiche Skandale der vergangenen Jahre haben dem Ansehen der Branche geschadet. Jetzt will man mit der Geflügel-Charta Vertrauen zurückgewinnen. Betriebe die dagegen verstoßen müssen mit spürbaren Sanktionen rechnen.

Berlin (csr-news) > Die Geflügelwirtschaft hierzulande sieht sich selbst als tragende Säule der Ernährungsindustrie. Tatsächlich entfielen auf sie im vergangenen Jahr rund 22 Prozent des Fleischverbrauchs in Deutschland. Doch zahlreiche Skandale der vergangenen Jahre haben dem Ansehen der Branche geschadet. Jetzt will man mit der Geflügel-Charta Vertrauen zurückgewinnen. Betriebe die dagegen verstoßen müssen mit spürbaren Sanktionen rechnen.

In den rund 8.000 Betrieben des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) werden rund 95 Prozent des deutschen Hähnchen- und Putenfleisches erzeugt und verarbeitet. Mit der nun veröffentlichen Geflügel-Charta hat sich die Branche klare Regeln und Standards für den sorgsamen Umgang mit den Tieren, einem verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten und einer offenen und transparenten Verbraucherinformation verordnet. „Wir zeigen, wie ernst wir unsere Verantwortung für Tier, Mensch und Umwelt nehmen. Heute und in Zukunft“, sagt Leo Graf von Drechsel, Präsident des ZDG.

Klares Bekenntnis zur Geflügelhaltung

In sechs Kapiteln – Verantwortung, Ernährung, Tierwohl & Tiergesundheit, Umwelt & Nachhaltigkeit, Kompetenz, Anspruch – behandelt die von der gesamten Branche erarbeitete Charta alle relevanten Themen, die den öffentlichen Diskurs prägen. So wie es dort niedergeschrieben steht, versteht die Branche sich und ihre Arbeit, ein klare Bekenntnis zur Geflügelhaltung. Verstöße sollen deshalb auch nicht hingenommen werden und können im Extremfall auch zum Ausschluss aus dem Verband führen. Die Charta formuliert auch Forderungen an Politik und Gesellschaft, die aus ihrer Sicht notwendig erscheinen, um das von der Branche angestrebte gemeinsame Ziel zu erreichen. Und das ist nicht weniger, als das „beste Geflügelland der Welt zu sein.“

gefluegelcharta

 

Die Geflügel-Charta im Internet.

Die gesamte Kette der Geflügelfleischerzeugung in Deutschland bekennt sich mit der Charta erstmals gemeinsam zu einem Selbstverständnis und zu einer Selbstverpflichtung. Genau das ist Tierschützern zu wenig und möglicherweise ein Versuch, Regelungen durch die Politik zu verhindern. So wurde vom Verband bereits mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine freiwillige Vereinbarung zur Verbesserung des Tierwohls getroffen. Dazu gehört beispielsweise der Verzicht auf das Schnabelkürzen in der Haltung von Legehennen und Mastputen. Bis 2017 hat man sich Luft verschafft und will dann eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Machbarkeitsstudie vorlegen. „Bis dahin verpflichten wir uns zum Einsatz einer schonenden Infrarot-Technologie durch speziell geschulte Mitarbeiter am ersten Lebenstag in der Brüterei“, heißt es in der Charta.

Es fehlen konkrete Zielsetzungen

Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat die Charta als völlig unzureichend kritisiert. Es fehlen jegliche konkreten Zielsetzungen“, sagte Tierschutz-Expertin Luise Molling gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt würdigte dagegen das Engagement und die Initiative der Branche: „Es ist zu begrüßen, dass die Geflügel-Charta in einem Prozess unter Beteiligung der Praktiker erarbeitet wurde. Sie ist ein Zeichen für die Bereitschaft der Branche, auf den Verbraucher und den Markt einzugehen.“

Die Geflügel-Charta zum Download.