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EU will bei Pariser Klimagipfel als „Vorreiterin“ auftreten

Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Position für den Pariser Weltklimagipfel verständigt und wollen dort als Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung auftreten. Die EU-Staaten hätten ein „anspruchsvolles Verhandlungsmandat“ für das Treffen ab Ende November verabschiedet, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag in Brüssel. Umweltschützer begrüßten Teile der Vereinbarung, hielten aber die Zwischenziele zur Treibhausgasreduzierung für nicht ehrgeizig genug.

Brüssel (afp) > Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Position für den Pariser Weltklimagipfel verständigt und wollen dort als Vorreiter im Kampf gegen die Erderwärmung auftreten. Die EU-Staaten hätten ein „anspruchsvolles Verhandlungsmandat“ für das Treffen ab Ende November verabschiedet, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag in Brüssel. Umweltschützer begrüßten Teile der Vereinbarung, hielten aber die Zwischenziele zur Treibhausgasreduzierung für nicht ehrgeizig genug.

Die Weltklimakonferenz müsse „ein entscheidender Meilenstein“ beim global abgestimmten Vorgehen gegen den Klimawandel werden, erklärten die EU-Umweltminister. Hendricks sagte, mit dem Kompromiss sei die EU „in der Lage, auf der Pariser Konferenz eine Vorreiterrolle einzunehmen“. Wie von Deutschland gefordert, hätten sich die EU-Minister nun auch darauf verständigt, die Klimaziele ab dem Jahr 2025 alle fünf Jahre zu überprüfen und gegebenenfalls nachzubessern. Gesenkt werden könnten die Ziele dabei nicht mehr.

Emissionen um 50 Prozent reduzieren

EU-Umweltkommissar Miguel Arias Cañete sagte, es sei „eine faire Vereinbarung“ gelungen, bei der aus der EU „alle an Bord sind“. Die EU will in Paris erreichen, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen „spätestens“ im Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen. Nur so lasse sich das Ziel noch erreichen, die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, hieß es in der Ministererklärung. Bis 2050 müssten dann weltweit die Emissionen im Vergleich zu 1990 „um mindestens 50 Prozent“ reduziert werden „und nahe bei Null oder darunter im Jahr 2100 liegen“.

 

Eine nachhaltige Klimaneutralität erreichen

The European Union

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Die EU hat sich heute auf ein anspruchsvolles Verhandlungsmandat für Paris geeinigt.“ 

 

Die Umweltminister verweisen dabei auf die Erklärung des G-7-Gipfels der großen Industrienationen vom Juni, bei der eine „Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe des Jahrhunderts“ gefordert worden war. Bei den Zwischenzielen auf dem Weg dorthin hat sich die EU bereits ehrgeizigere Ziele gesetzt, als nun für die Pariser Konferenz gefordert werden. Bis 2030 sollen die EU-Emissionen um 40 Prozent sinken. Für 2050 liegt das Ziel bei 80 bis 95 Prozent.

Jährlich 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz

Die EU-Staaten bekräftigten auch, die ärmsten Länder finanziell beim Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen, und verlangen für Paris in diesem Bereich „ein starkes Signal“. Beim Weltklimagipfel in Kopenhagen 2009 hatten die Industrieländer versprochen, bedürftigen Ländern bis spätestens 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar (87,6 Milliarden Euro) für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Deutschland werde hier angesichts „ein faires Angebot“ unterbreiten, sagte Hendricks und stellte in Aussicht, einen „Zehn-Prozent-Anteil“ der Gesamtsumme zu übernehmen.

Bei Umweltschützern stieß die Überprüfung der Klimaziele im Fünf-Jahres-Rhythmus meist auf Zustimmung, weil sie die Möglichkeit zur Nachbesserung gibt. Kritik gab es daran, dass die EU nicht gleich bei den Zwischenzielen ehrgeizigere Werte anstrebt. „Enttäuschend“ sei auch die Formulierung zum langfristigen Ziel bis 2100, erklärte die Klimaexpertin von WWF Deutschland, Regine Günther. Dieses sei „auf Druck von Polen weit hinter den G7-Beschlüssen“ zurückgeblieben.

Christoph Bals von Germanwatch lobte dagegen, dass sich EU nun „erstmals“ das Ziel gesetzt habe, „die weltweiten Emissionen in diesem Jahrhundert auf Null zu senken“. Greenpeace-Experte Jiri Jerabek forderte seinerseits, die Nutzung fossiler Brennstoffe schon „bis 2050 auslaufen zu lassen“.