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Umweltpreis für Nachhaltigkeits- und Klimaforscher

Mit der Verleihung ihres Deutschen Umweltpreises will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) an die internationale Staatengemeinschaft appellieren, bei den 2015 noch anstehenden Konferenzen in New York und Paris die Weichen in Richtung Zukunftssicherung der Menschheit auf einem stabilen Planeten zu stellen.

Osnabrück (csr-news) > Mit der Verleihung ihres Deutschen Umweltpreises will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) an die internationale Staatengemeinschaft appellieren, bei den 2015 noch anstehenden Konferenzen in New York und Paris die Weichen in Richtung Zukunftssicherung der Menschheit auf einem stabilen Planeten zu stellen. Am 8. November werden der Klima- und Meeresforscher Prof. Mojib Latif aus Kiel und der global agierende Nachhaltigkeitswissenschaftler Prof. Johan Rockström aus Stockholm, in diesem Jahr mit dem, mit insgesamt 500.000 Euro dotierten, Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. „Das Tempo für eine wirklich nachhaltige Entwicklung ist viel zu langsam. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Unser Planet gerät ernsthaft in Gefahr, wenn nicht entschlossen gehandelt wird“, sagte Heinrich Bottermann, Generalsekretär der DBU. „Wir stehen also an einer Wegscheide. Entschlossenes Handeln ist jetzt gefragt!“ Mit der erstmalig gleichzeitigen Auszeichnung zweier Nachhaltigkeits- und Klimaforscher wolle die DBU das unterstreichen.

Die Gewinner des Deutschen Umweltpreises 2015: der Klima- und Meeresforscher Prof. Dr. Mojib Latif (l.), der Nachhaltigkeitswissenschaftler Prof. Dr. Johan Rockström (m.), und Prof. em. Dr. Michael Succow (r.), national wie international eine Ausnahmepersönlichkeit im Naturschutz, der mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird. / (C) Jan Steffen, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel/ Peter Himsel, DBU/ Michael Succow Stiftung  Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6908 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)"

Die Gewinner des Deutschen Umweltpreises 2015: der Klima- und Meeresforscher Prof. Mojib Latif (l.), der Nachhaltigkeitswissenschaftler Prof. Johan Rockström (m.), und Prof. Michael Succow (r.).

Nicht nur Vermittlung von Fakten

Latif, Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik im GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sei in seiner jahrzehntelangen Arbeit getrieben von der persönlichen Sorge um den Zustand des Planeten. Als einer der herausragenden Klimaforscher Deutschlands weise er unter anderem darauf hin, dass unser Planet ohne intakte Ozeane für Menschen unbewohnbar zu werden drohe. In seinem Buch „Das Ende der Ozeane“ biete er eine äußerst lehrreiche und lesenswerte Einführung in die aktuelle Meeresforschung. Darin würden das Leben im Meer, die komplexen und wenig anschaulichen physikalischen Zusammenhänge zwischen Klima und Meer wie auch die Folgen der Meeresverschmutzung für die Meeresbewohner und auch für die Menschen verständlich und in anschaulichen Bildern vermittelt. Bottermann: „Sprachgewandt, voller Optimismus, Leidenschaft und Faszination widmet sich Latif seinem Thema. Dabei bleibt er nicht bei der Vermittlung von Fakten stehen, sondern fordert immer wieder sehr konkret zum Handeln auf.“

Rockström ist seit 2007 Direktor des Stockholm Resilience Centre. Ein wichtiges Feld in der aktuellen Resilienzforschung, in dem sich Rockström besonders hervorgetan hat, ist der Versuch, die Risiken zu verstehen, die durch das Überschreiten kritischer Grenzen auf planetarer Ebene entstehen, um die menschliche Weiterentwicklung nicht zu gefährden. Er analysiert die rapide wachsenden wissenschaftlichen Belege, die zeigen, dass die Kapazitäten des Erdsystems in einigen Bereichen bereits überschritten sind, weitere globale Entwicklung zu vertragen. Mit seinem Konzept der „planetaren Grenzen“ habe er auf der Basis konkreter Messgrößen biophysische Belastungsgrenzen für die Erde definiert, die den Planeten von seinem jetzigen, für den Menschen wünschenswerten, stabilen Zustand abbringen könnten – wie zum Beispiel bei dem Ziel der internationalen Klimapolitik, die globale Erwärmung auf weniger als eineinhalb bis zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten hätten zu einem grundsätzlichen Paradigmenwechsel im Verständnis des Planeten Erde als System beigetragen. Bottermann: „Ein Wegweiser in Richtung eines sicheren Aktionsraumes im Erdsystem, dessen definierte Grenzen wir nicht verlassen dürfen.“

Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Handlungsrahmen

Rockström habe aber auch Prinzipien entwickelt, mit denen er das sozial-ökologische System Mensch/Biosphäre für die Zukunft sichern und den Kollaps verhindern wolle. So habe er „zu einer Versachlichung in der Umweltdebatte beigetragen und eine dringend notwendige Mentalitätsveränderung ermöglicht hin zu einer Welt, die sich innerhalb wissenschaftlich festgelegter Grenzen für kritische, globale, die Stabilität des Planeten regulierende Parameter einsetzt“. Rockström übersetze wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Handlungsrahmen und vermittle sie an die Entscheider in der Welt. Nicht zuletzt deshalb habe die Weltgemeinschaft nun in New York die Chance, die globalen Risiken anzugehen, die Menschen und den Planeten miteinander zu versöhnen und so für gerechte Lösungen zu sorgen. Rockström sei auf dem Gebiet der ökologischen Nachhaltigkeit ein „großer Denker und Kommunikator des Umweltschutzes unserer Zeit“ und stehe „in seiner epochalen Wirkung in einer Linie mit dem 1972 erschienenen Bericht ‚Grenzen des Wachstums‘ des Club of Rome“, so Bottermann.

 Engagement für Naturschutz

Mit dem Ehrenpreis zeichnet die DBU in diesem Jahr Prof. Michael Succow aus Greifswald aus. Er gilt national wie international als Ausnahmepersönlichkeit im Naturschutz, sein Engagement für große Wildnisgebiete in Deutschland als einmalig. Innerhalb kürzester Zeit war es ihm zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung gelungen, mit dem Nationalparkprogramm für den Osten Deutschlands auf einen Schlag 12,1 Prozent der Landesfläche der ehemaligen DDR mit einem einstweiligen und 5,5 Prozent mit einem endgültigen Schutzstatus als Nationalpark, Biosphärenreservat und Naturpark zu sichern.