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VW-Chef Winterkorn bittet öffentlich um Entschuldigung

Trotz des Skandals um manipulierte Abgaswerte hält Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vorerst an seinem Posten fest. Der Konzern gestand am Dienstag ein, dass sich die Software zur Manipulation weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeugen befindet. Winterkorn entschuldigte sich am Abend in einer Video-Botschaft öffentlich. „Manipulieren und Volkswagen – das darf nie wieder vorkommen“, betonte er und warb um Vertrauen. Der Börsenkurs des Konzerns stürzte weiter ab.

Frankfurt (afp) > Trotz des Skandals um manipulierte Abgaswerte hält Volkswagen-Chef Martin Winterkorn vorerst an seinem Posten fest. Der Konzern gestand am Dienstag ein, dass sich die Software zur Manipulation weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeugen befindet. Winterkorn entschuldigte sich am Abend in einer Video-Botschaft öffentlich. „Manipulieren und Volkswagen – das darf nie wieder vorkommen“, betonte er und warb um Vertrauen. Der Börsenkurs des Konzerns stürzte weiter ab.

Volkswagen musste in einer Gewinnwarnung mitteilen, 6,5 Milliarden Euro für Nachbesserungen zurückzustellen. Die Ergebnisziele für das Jahr 2015 würden „dementsprechend angepasst“. Auch die VW-Tochter Porsche kündigte an, dass die Rückstellungen beim Mutterkonzern das Ergebnis belasten würden. Die Porsche SE hält 31,5 Prozent des Kapitals an der Volkswagen AG.

Auch Modelle von Audi betroffen

Die Steuerungs-Software ist den Unternehmensangaben zufolge in Fahrzeuge mit Motoren vom Typ EA 189 zu finden. Bei diesem Motortyp seien eine „Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb“ festgestellt worden, teilte VW mit. In den USA sind Modelle Jetta, Beetle, Passat und Golf sowie der Audi A3 betroffen. Ob noch mehr Modelle mit diesem Motor ausgestattet sind und wenn ja, welche, teilte Volkswagen zunächst nicht mit. In seiner Botschaft warb Winterkorn um Vertrauen und versprach, die Affäre „mit der größtmöglichen Offenheit und Transparenz“ aufzuklären. Zu Spekulationen über seinen Rücktritt von der Konzernspitze äußerte sich Winterkorn nicht. Der „Tagesspiegel“ hatte zuvor unter Berufung auf Aufsichtsratskreise gemeldet, dass Winterkorn zurücktreten werde. Der VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh mahnte in einem Brief an die Mitarbeiter des Konzerns personelle Konsequenzen an. Er könne versichern, dass „wir in den in dieser Woche stattfindenden Sitzungen des Aufsichtsrats alles erdenkliche tun werden, damit die Aufklärung schnell voranschreitet und personelle Konsequenzen gezogen werden“, zitierte die „Bild“-Zeitung aus dem Brief.

 

Merkel erwartet volle Transparenz

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setze unterdessen eine Untersuchungskommission ein. Sie solle prüfen, ob die betreffenden Fahrzeuge entsprechend der deutschen und europäischen Regeln „gebaut und auch geprüft“ worden seien, sagte Dobrindt. Volkswagen unterstütze die Arbeit der Kommission. Am Freitag soll im Bundestag eine aktuelle Stunde zu den manipulierten Abgaswerten stattfinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich ein und forderte „volle Transparenz“ von VW. „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen“, sagte Merkel in Berlin. Volkswagen müsse „angesichts der schwierigen Lage“ den „gesamten Vorgang“ aufklären. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, nannte den VW-Skandal „ein Beispiel für unverantwortliche Profitgier“.

Die Anleger reagierten geradezu panisch auf die Ausweitung des Skandals. An der Frankfurter Börse gab die VW-Aktie zeitweise um über 20 Prozent nach und schloss bei Minus 19,82 Prozent. Am Montag war der Kurs bereits um 18,6 Prozent eingebrochen. Im Sog von VW gab auch der deutsche Leitindex (Dax) drastisch nach. Er schloss mit einem Verlust von 3,8 Prozent bei 9570 Punkten.