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UN-Nachhaltigkeitsgipfel nimmt Entwicklungsagenda an

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel die bis zum Jahr 2030 laufende globale Entwicklungsagenda angenommen. Der ehrgeizige Plan wurde am Freitag am UN-Sitz in New York per Akklamation beschlossen. Zuvor hatte Papst Franziskus den versammelten Spitzenpolitikern ins Gewissen geredet und eine gerechte Weltordnung gefordert, in der die Menschen und die Umwelt geschützt werden.

New York (afp) > Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel die bis zum Jahr 2030 laufende globale Entwicklungsagenda angenommen. Der ehrgeizige Plan wurde am Freitag am UN-Sitz in New York per Akklamation beschlossen. Zuvor hatte Papst Franziskus den versammelten Spitzenpolitikern ins Gewissen geredet und eine gerechte Weltordnung gefordert, in der die Menschen und die Umwelt geschützt werden.

„Die internationalen Finanzbehörden müssen über die nachhaltige Entwicklung der Länder wachen und diese vor einer erstickenden Unterwerfung durch Kreditsysteme schützen“, sagte der Papst. Die Bevölkerung dürfe nicht „unter das Joch von Mechanismen“ gezwungen werden, „die zu noch größerer Armut, Ausschließung und Abhängigkeit führen“.

Kritik an der „Wegwerfkultur“

Franziskus beklagte die blutigen Konflikte im Nahen Osten und prangerte den internationalen Drogenhandel an, der „lautlos den Tod von Millionen von Menschen fordert“. Ausdrücklich lobte er das internationale Atomabkommen mit dem Iran als „Beweis für die Möglichkeiten des politischen guten Willens“. Der Papst erneuerte außerdem seinen Aufruf zum Umweltschutz und kritisierte die in der Welt verbreitete „Wegwerfkultur“. Das Kirchenoberhaupt drückte seine Hoffnung aus, dass die Klimakonferenz im Dezember in Paris „zu grundlegenden und wirksamen Vereinbarungen gelangt“.

Im Anschluss an die Papst-Rede begann der bis Sonntag dauernde UN-Nachhaltigkeitsgipfel, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnimmt. Die Staats- und Regierungschefs nahmen die bis zum Jahr 2030 laufende globale Entwicklungsagenda per Akklamation an. Die insgesamt 17 Ziele umfassen die Beseitigung der extremen Armut, die Förderung von Gesundheitsversorgung und Bildung sowie den Kampf gegen den Klimawandel. Vertreter von 193 UN-Staaten hatten Anfang August das ehrgeizige Programm vereinbart, das die zur Jahrtausendwende beschlossenen Millenniumsziele fortführt.

Vision für eine bessere Welt

Zum Auftakt des Gipfels verlangte die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai den freien Zugang von Kindern in aller Welt zu Schulen. „Bildung ist ein Recht. Bildung ist Frieden“, sagte die 18-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin, die im Oktober 2012 bei einem Taliban-Attentat schwer verletzt worden war. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem „entscheidenden Moment in der Menschheitsgeschichte“. Die Nachhaltigkeitsagenda sei „eine allumfassende, ganzheitliche und umgestaltende Vision für eine bessere Welt“.

Ban rief die Mitgliedstaaten auf, das Programm nun umzusetzen. „Wir brauchen ein Handeln von allen, überall“, sagte der Generalsekretär. Die 17 Ziele und 169 Unterziele gelten ab dem 1. Januar 2016, die Umsetzung ist allerdings freiwillig und wird Schätzungen zufolge jedes Jahr zwischen 3,5 und fünf Billionen Dollar (3,1 bis 4,4 Billionen Euro) kosten.

Feierlich übernommene Verpflichtungen reichen nicht

Papst Franziskus nannte die Annahme der sogenannten Post-2015-Agenda ein „wichtiges Zeichen der Hoffnung“. Zugleich mahnte er: „Es reichen jedoch nicht die feierlich übernommenen Verpflichtungen.“

Der Pontifex fuhr von dem UN-Gelände in Manhattan weiter zum Mahnmal für die fast 3000 Opfer der Anschläge vom 11. September 2001. Am Ground Zero betete der 78-jährige Argentinier und legte eine weiße Rose nieder. Der Papst war am Dienstag zu seinem ersten Besuch in den USA eingetroffen, am Mittwoch wurde er von Obama mit militärischen Ehren im Weißen Haus empfangen. Am Donnerstag hielt Franziskus als erstes katholisches Kirchenoberhaupt eine Rede vor dem US-Kongress. Letzte Station der Papst-Reise ist am Samstag und Sonntag das Weltfamilientreffen in Philadelphia.