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Bundesagentur für Arbeit sieht „Riesenchance“ in Flüchtlingen

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht in den derzeit nach Deutschland kommenden Flüchtlingen eine „Riesenchance“ für den Arbeitsmarkt. Um das Potenzial zu nutzen, seien aber Investitionen in Sprache, Qualifizierung und Ausbildung nötig, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker am Mittwoch in Nürnberg. Im September sank die Arbeitslosenzahl in Folge der üblichen Herbstbelebung auf 2,708 Millionen.

Nürnberg (afp) > Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht in den derzeit nach Deutschland kommenden Flüchtlingen eine „Riesenchance“ für den Arbeitsmarkt. Um das Potenzial zu nutzen, seien aber Investitionen in Sprache, Qualifizierung und Ausbildung nötig, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker am Mittwoch in Nürnberg. Im September sank die Arbeitslosenzahl in Folge der üblichen Herbstbelebung auf 2,708 Millionen.

Die Bundesagentur analysierte die Profile von etwa 400.000 der zuletzt nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. Dies habe ergeben, dass vor allem „sehr, sehr junge Menschen“ nach Deutschland kommen, sagte Becker. 70 Prozent seien unter 30 Jahre alt, 55 Prozent sogar unter 25 Jahre alt. Es gebe ein „Riesenpotenzial für Ausbildung“. Die jungen Flüchtlinge zeigten eine hohe Arbeitsmotivation verbunden mit dem Willen, auf eigenen Beinen zu stehen. Erfahrungen zeigten jedoch, dass in der Gruppe der nach Deutschland kommenden Ausländer Flüchtlinge die meiste Zeit benötigten, bis sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren seien: „Diese Menschen, die heute zu uns kommen, sind nicht die Fachkräfte von morgen, das sind die Fachkräfte von übermorgen.“

Lücke beim Angebot von Arbeitskräften

Becker verwies in dem Zusammenhang darauf, dass 80 Prozent der Flüchtlinge ohne eine formale Qualifikation im Sinn der deutschen Anforderungen seien. „Die kommen nicht mit Zertifikaten einer Kammer hierher, die kommen in der Regel auch mit überhaupt nichts hierher.“ Die Aufgabe der Arbeitsagenturen sei nun, die vorhandenen Kompetenzen zu erfassen und in Zertifikaten zu formulieren, die dann für die möglichen Arbeitgeber zu nutzen seien.  „Es ist eine Riesenherausforderung für uns, es ist aber auch eine Riesenchance, in diese Menschen zu investieren, denn sie sind jung“, sagte das Vorstandsmitglied. Arbeitsmarktstudien zeigten, dass selbst bei einer Nettozuwanderung von jährlich 400.000 Menschen nach Deutschland bis 2030 eine Lücke beim Angebot von Arbeitskräften im Rahmen von 1,5 bis 2 Millionen bestehen bleiben werde.

Schwerpunkt der Politik

Derweil bleibt die Lage am Arbeitsmarkt günstig. Von August auf September sank die Zahl der Jobsuchenden um 88.000 auf 2,708 Millionen. Dies waren 100.000 Arbeitslose weniger als im September des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote sank auf 6,2 Prozent. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, „mit der Herbstbelebung ist die Arbeitslosigkeit im September zurückgegangen.“ Die Arbeitsmarktlage habe sich gut entwickelt. So seien bei den Arbeitsagenturen zuletzt 600.000 freie Stellen gemeldet gewesen, 81.000 mehr als vor einem Jahr. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) erklärte zur Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, dies werde in den nächsten Jahren zum Schwerpunkt der Politik werden müssen. Neben dem bereits verabredeten Finanzpaket werde ihr Ministerium „in den nächsten Jahren“ rund 130 Millionen Euro zusätzlich für die zentralen Ziele investieren wie den Erwerb der deutschen Sprache, das Erkennen von Kompetenzen und Potenzialen und die Integration in Ausbildung und Beruf.

 

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