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Auch Indien steigert vor UN-Klimagipfel Ehrgeiz bei Emissionszielen

Zwei Monate vor dem UN-Klimagipfel in Paris teilte Indiens Umweltminister Prakash Javadekar mit, Indien werde seinen Treibhausgasausstoß gemessen am Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 35 Prozent veringern.

Neu Delhi (afp) > Nach China und Brasilien hat mit Indien ein weiteres wichtiges Schwellenland seinen Ehrgeiz beim Klimaschutz gesteigert. Zwei Monate vor dem UN-Klimagipfel in Paris teilte Umweltminister Prakash Javadekar am Freitag in Neu Delhi mit, Indien werde seinen Treibhausgasausstoß gemessen am Bruttoinlandsprodukt bis 2030 um 35 Prozent veringern. Vergleichsbasis ist dabei das Jahr 2005.

Es handele sich um ein “sehr ehrgeiziges Ziel” und einen “großen Sprung” für das bevölkerungsreiche Indien, hob Javadekar hervor. Das 1,25-Milliarden-Einwohner-Land ist nach China und den USA einer der größten Emittenten von Treibhausgasen weltweit. Um das nun formulierte Ziel zu erreichen, will Indien vor allem den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Bis 2030 sollen 40 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen kommen.

Aufforstungsprogramm um mehr CO2 zu absorbieren

Indien sei noch “viel zu abhängig” von fossilen Energieträgern, sagte Javadekar. Er kündigte zudem ein Aufforstungsprogramm an, um zusätzlich 2,5 bis drei Milliarden Tonnen CO2 absorbieren zu können. Die indische Regierung hat wiederholt auch auf die Verwundbarkeit des Landes gegenüber Folgen des Klimawandels hingewiesen. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch bewertete die Ankündigungen aus Neu Delhi positiv. Indien, das sich lange Vorgaben für die CO2-Emissionen verweigert habe, sei damit auf dem Weg zu einer “konstruktiveren Rolle” beim Klimaschutz, erklärte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals.

Umweltorganisationen skeptisch

Die Umwelt- und Klimapolitik soll auch ein Thema der deutsch-indischen Regierungskonsultationen sein, die Anfang kommender Woche in Neu Delhi stattfinden. Germanwatch forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, dabei auf Nachbesserungen der indischen Klimaziele zu drängen.  Greenpeace Indien begrüßte ebenfalls den neuen Kurs des Landes in der Klimapolitik. Der Energieexperte der Umweltorganisation, Pujarini Sen, äußerte sich allerdings zugleich skeptisch mit Blick auf deren Erreichbarkeit. Er verwies auf die anhaltend große Bedeutung der Kohleverstromung in dem Land, die noch erheblich ausgebaut werden solle. Dies werde nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Entwicklungsperspektiven Indiens bremsen, warnte Sen.

Verbindliche Klimazusagen bislang abgelehnt

Beim Klimagipfel in Paris soll ein neues, weltweites Klimaabkommen geschlossen werden. Das Treffen findet vom 30. November bis zum 11. Dezember in der französischen Hauptstadt statt. Vorher sollen alle Länder ihre Pläne zur Treibhausgasreduzierung vorlegen. Indien hatte verbindliche Klimazusagen bislang mit dem Argument abgelehnt, dies würde die Armutsbekämpfung behindern. China hatte im Juni angekündigt, seine Emissions-Intensität bis 2030 um 60 bis 65 Prozent zu senken. Unter Emissions-Intensität versteht man den Treibhausgas-Ausstoß gemessen an der Wirtschaftsleistung. Vor allem Schwellenländer mit ihren hohen Wachstumsraten bevorzugen diesen Maßstab anstelle absoluter Emissionsobergrenzen. Klimaexperten sehen dies allerdings kritisch.

Die USA, hinter China der weltweit größte Treibhausgasemittent, legten sich im Sommer auf eine Minderung ihres CO2-Ausstoßes bis 2025 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 fest. Brasilien plant bis dahin eine Minderung um 37 Prozent. Die EU will ihre Emissionen bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 verringern, Deutschland um 55 Prozent.