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IG Metall: VW-Mitarbeiter dürfen nicht für Abgas-Skandal büßen

Die IG Metall hat die Führung des VW-Konzerns davor gewarnt, wegen des Abgas-Skandals auf Kosten der Mitarbeiter zu sparen. Die Belegschaft dürfe nicht Fehler von Managern ausbaden, sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft, Jörg Hofmann.

Berlin (afp) > Die IG Metall hat die Führung des VW-Konzerns davor gewarnt, wegen des Abgas-Skandals auf Kosten der Mitarbeiter zu sparen. Die Belegschaft dürfe nicht Fehler von Managern ausbaden, sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, der „Bild am Sonntag“. Wegen des Skandals wurden VW-Büros in Frankreich durchsucht. Ex-Konzernchef Martin Winterkorn gibt nun auch den Chefposten bei der Porsche-Holding ab.

IG-Metall-Vize Hofmann sagte, es mache ihn wütend, dass die VW-Beschäftigten „jetzt Angst um ihre Zukunft haben müssen“. Sie treffe keine Schuld an dem Skandal. Die Arbeitnehmervertreter würden „alles tun, damit die Belegschaft nicht ausbaden muss, was Manager angerichtet haben“. Die Manipulation von Abgaswerten bei Diesel-Fahrzeugen wird für VW teuer. Neben den Kosten der Rückruf- und Reparaturaktion für die betroffenen Autos drohen dem Unternehmen Geldstrafen, Steuerrückforderungen und möglicherweise auch Schadenersatzzahlungen. Vor wenigen Tagen teilte der Konzern mit, die geplanten Investitionen würden um eine Milliarde Euro pro Jahr gekürzt. Ob auch Arbeitsplätze gestrichen werden, ist ungewiss. Der neue VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte Anfang Oktober auf einer Betriebsversammlung, es werde alles dafür getan, „die Beschäftigung im Unternehmen zu halten“.

In verschiedenen Ländern laufen wegen des Skandals Ermittlungen gegen VW. Nun wurde die französische Zentrale des Unternehmens durchsucht, wie am Sonntag aus französischen Justizkreisen verlautete. Neben dem Hauptsitz in Villers-Cotterêts im Norden des Landes hätten sich die Ermittler am Freitag Zugang zu den VW-Büros in Roissy nördlich von Paris verschafft. Es seien Unterlagen und Datenträger beschlagnahmt worden.  Der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn ist unterdessen bald einen weiteren Posten los. Die Porsche-Holding, Muttergesellschaft der Volkswagen AG, teilte am Samstag mit, Winterkorn werde „seine Tätigkeit als Mitglied und Vorsitzender des Vorstands“ zum 31. Oktober beenden. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche dankte Winterkorn für seine Arbeit. Der Abgas-Skandal wird in der Mitteilung nicht erwähnt. Winterkorns Nachfolger bei der Porsche SE wird Hans Dieter Pötsch, der im Zuge der Umbesetzungen bei Volkswagen Anfang Oktober VW-Aufsichtsratschef geworden war.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Medienberichte gegeben, wonach Winterkorn weitere Posten in der Konzernfamilie abgeben solle. Er ist noch Aufsichtsratsvorsitzender der VW-Tochter Audi und der Lkw-Sparte Truck & Bus sowie Aufsichtsratsmitglied beim Sportwagenhersteller Porsche, einer weiteren VW-Tochter. Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut, in Europa will der Konzern 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten rufen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) informierte am Freitag seine EU-Kollegen schriftlich über den Skandal. In dem Brief, aus dem die „Bild am Sonntag“ zitierte, erwähnt Dobrindt auch, dass VW mit dem Einbau der Software gegen europäisches Recht verstoßen hat. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bestätigte die Darstellung der Zeitung.