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Forschungsprojekt beleuchtet Korruption bei der FIFA

Durch die aktuellen Enthüllungen um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland, hat die FIFA-Korruptionsdebatte eine neue Dimension erreicht. Eine neue Studie zeigt, dass es sich um ein strukturelles Problem der Vergabepraxis und der Beziehungen der beteiligten Akteure handelt.

Heilbronn (csr-news) > Durch die aktuellen Enthüllungen um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland, hat die FIFA-Korruptionsdebatte eine neue Dimension erreicht. „Besonders überraschend ist es nicht, dass offensichtlich auch hier nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist“, so Sebastian Kaiser, Professor für Sportmanagement an der Hochschule Heilbronn. Gemeinsam mit Prof. Markus Breuer untersucht er in der Studie „Korruption bei der Vergabe der FIFA Fußball-Weltmeisterschaften im Spiegel der medialen Berichterstattung 2010 bis 2014“ die besonderen Anreize und Bedingungen, unter denen Korruption im Sport wahrscheinlich ist.

Erneuerung der FIFA „von innen heraus“ kaum möglich

Die Untersuchungen im Rahmen der Studie zeigen, dass es sich um ein strukturelles Problem der Vergabepraxis und der Beziehungen der beteiligten Akteure handelt. Denn längst seien die FIFA-Verantwortlichen durch ihre Verbandsstruktur weitestgehend von der Basis entrückt und somit auch von einer wirksamen Kontrolle durch die Mitglieder. „Wir beobachten zudem, dass die Korruptionsvorwürfe nicht dazu führen, dass sich Fans weltweit vom Fußball abwenden“, so die beiden Forscher. Kaiser und Breuer gehen deshalb davon aus, dass sich die FIFA kaum von innen heraus oder durch die Einrichtung von Kontrollgremien reformieren lässt. Notwendig ist zusätzlicher Druck auf die Organisation und eine kritische Auseinandersetzung mit dem System und dem Produkt Fußball. Die Forscher sehen hier vor allem den Druck der Sponsoren als besonders wirksam an, aber auch ein zunehmend kritisches Interesse der Öffentlichkeit. „Dabei zeigt sich, dass die positiven Effekte in der öffentlichen Debatte deutlich überschätzt und negative oftmals ausgeblendet werden“, so Kaiser.

Ausblendung von negativen Effekten von Weltmeisterschaften in der Öffentlichkeit

Viele der Wirkungen, welche typischerweise zur Begründung einer Bewerbung für ein Fußball-Weltmeisterschaft herangezogen werden, halten einer seriösen Untersuchung nicht stand oder erweisen sich im Nachhinein als Mythos. Allerdings bilden solche Effekte nicht zuletzt die zentrale Argumentationsgrundlage für eine Unterstützung von staatlicher Seite und damit einen zum Teil erheblichen Einsatz von Steuermitteln. „Um seine Glaubwürdigkeit zu wahren beziehungsweise wieder herzustellen ist der Fußball gut beraten, sich auf seine eigentliche Zuständigkeit und damit auf die für ihn tatsächlich leistbare gesellschaftliche Aufgabe zu konzentrieren“, so Kaiser.

Die Studie „Korruption bei der Vergabe der FIFA Fußball-Weltmeisterschaften im Spiegel der medialen Berichterstattung 2010 bis 2014“ läuft seit Mitte des vergangenen Jahres. Erste Ergebnisse wurden bereits im Rahmen wissenschaftlicher Kongresse, wie der Jahrestagung des Arbeitskreises Sportökonomie e.V. an der Universität Leipzig und der Konferenz der Sportmanagement-Vereinigung Australiens und Neuseelands (SMAANZ), vorgestellt. Eine Veröffentlichung ist für Ende 2015 geplant.