Nachrichten

Klimawandel erreicht Supermärkte

Sturm, Starkregen, Hitzeperioden. Die Folgen des Klimawandels betreffen in erster Linie Bauern, vor allem in Übersee, mit existenzbedrohenden Auswirkungen. Doch die Folgen von Ernteausfällen machen sich nach Ansicht des WWF nun auch schon in deutschen Supermärkten bemerkbar.

Berlin (csr-news) > Sturm, Starkregen, Hitzeperioden. Die Folgen des Klimawandels betreffen in erster Linie Bauern, vor allem in Übersee, mit existenzbedrohenden Auswirkungen. Doch die Folgen von Ernteausfällen machen sich nach Ansicht des WWF nun auch schon in deutschen Supermärkten bemerkbar. Am Beispiel von Kaffee, Bananen, Orangen und Haselnüssen hat die Naturschutzorganisation einige Lebensmittel unter die Lupe genommen, die in ihren Erzeugerländern wie Brasilien und Vietnam mit zu den wichtigsten Exportgütern zählen. Bereits heute wären Ernteausfälle aufgrund von Klima- bzw. Wetterextremen bei vielen Agrarrohstoffen zu beobachten. „Das wird in Zukunft deutlich häufiger vorkommen“, sagt Thilo Pommerening, Klimaschutzexperte des WWF Deutschland. „Die aktuellen Dürren in Brasilien und Kalifornien geben uns einen Vorgeschmack auf die Zukunft, wenn die Folgen des Klimawandels noch spürbarer werden.“

Ein Drittel der aktuell für den Kaffeeanbau geeigneten Gebietegehen verloren

Die Hälfte des weltweiten Kaffeeanbaus findet in Brasilien und Vietnam statt und ist dort ein wichtiger Wirtschaftszweig. Als weltweit zweitgrößter Kaffee-Importeur bezieht Deutschland die Hälfte seines Rohkaffee-Bedarfs aus diesen beiden Ländern. Dort kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund zunehmender Wasserknappheit bereits zu drastischen Ernteeinbußen. Vietnam gehört zu den am meisten vom Klimawandel betroffenen Ländern der Welt. Brasilien könnte aufgrund des Klimawandels bis 2070 rund ein Drittel der aktuell für den Kaffeeanbau geeigneten Gebiete verlieren, global gesehen könnte bis Mitte des Jahrhunderts sogar die Hälfte der bisherigen Kaffeeanbauflächen unbrauchbar werden.

Das meist angebaute Obst der Welt

Auch Bananen, das meist angebaute Obst der Welt, leiden stark. Wärmere Temperaturen, Stürme und Überflutungen begünstigen die großflächige Ausbreitung gefährlicher Bakterien und Pilzen, deren Bekämpfung sehr teuer ist. In Kolumbien, dem drittgrößten Exportland, könnten bis 2060 etwa 60 Prozent der heute für den Bananenanbau geeigneten Flächen durch den Klimawandel unbrauchbar werden.

Inzwischen ist intensive Bewässerung notwendig

Die Orangenernte wiederum ist durch Trockenheit bedroht. Die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensafts kommt aus Brasilien, 80 Prozent der dort produzieren Orangen werden im Bundesstaat São Paulo angebaut. Inzwischen ist teilweise intensive Bewässerung notwendig, die in den 1960er und 1970er Jahren noch nicht nötig war. Die Anbaugebiete verschieben sich aufgrund des Klimawandels in den Süden des Bundesstaates. Auch die wichtigen Anbaugebiete in Kalifornien und Florida werden stets mehr betroffen sein – sei es durch Wassermangel oder aber auch durch den Anstieg des Meeresspiegels.

Verlagerung von Anbaugebieten

Im Falle von Haselnüssen dominiert die Türkei den Weltmarkt mit einem Anteil von über 70 Prozent an der weltweiten Produktion. Starke Ernteausfälle führten 2014 dazu, dass sich der Weltmarktpreis mehr als verdoppelte und viele deutsche Supermärkte in der Vorweihnachtszeit keine Haselnüsse anbieten konnten. Das türkische Umweltministerium rechnet für die gesamte türkische Landwirtschaft mit einer  Verlagerung von Anbaugebieten und Ernteeinbußen- und in der Folge mit einem Wohlstandsrückgang für das Land.

„Bislang konzentriert sich die Wissenschaft noch auf einzelne ausgewählte Lebensmittel. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die globale Nahrungsmittelversorgung insgesamt sind noch nicht gesamtheitlich erforscht. Das müssen wir dringend anpacken“, sagt Pommerening.

Die WWF-Broschüre „Die Ruhe vor dem Sturm“ zum Download.

Hinterlassen Sie einen Kommentar