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Forscher: Auch bei Erreichen des Klimaziels Megastädte in Gefahr

Selbst bei Erreichen der internationalen Klimaziele sind Großstädte wie Shanghai, Hongkong oder Mumbai nach Einschätzung von Forschern in ferner Zukunft bedroht. Eine Erderwärmung um zwei Grad bedeute „langfristig eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche Städte und Küstenregionen“, warnte das Forschungsinstitut Climate Central am Sonntag. Während in Paris Minister Gespräche zur Vorbereitung des UN-Klimagipfels führten, wurde ein neuer Höchststand der Treibhausgase gemeldet.

Paris (afp) > Selbst bei Erreichen der internationalen Klimaziele sind Großstädte wie Shanghai, Hongkong oder Mumbai nach Einschätzung von Forschern in ferner Zukunft bedroht. Eine Erderwärmung um zwei Grad bedeute „langfristig eine existenzielle Bedrohung für zahlreiche Städte und Küstenregionen“, warnte das Forschungsinstitut Climate Central am Sonntag. Während in Paris Minister Gespräche zur Vorbereitung des UN-Klimagipfels führten, wurde ein neuer Höchststand der Treibhausgase gemeldet.

Als mögliche Zeitspanne für die akut werdende Bedrohung nannten die Forscher einen Zeitraum von 200 bis zu 2000 Jahren. Das Institut Climate Central warnte in seiner am Sonntag veröffentlichten Studie, die Megastädte könnten teilweise überflutet werden oder ganz im Meer verschwinden, selbst wenn die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit begrenzt werde, wie es das erklärte Ziel der Weltgemeinschaft ist. Bei einem höheren Temperaturanstieg wird ein Schmelzen der Gletscher und ein Anstieg der Meeresspiegel befürchtet.

Bis zu 600 Millionen Menschen könnten betroffen sein

Die Forscher hoben nun aber hervor, dass selbst bei Erreichen des Zwei-Grad-Zieles der Meeresspiegel weiter ansteigen und ein Gebiet überfluten würde, in dem heute 280 Millionen Menschen leben. Bei einer Erwärmung um vier Grad wären demnach sogar 600 Millionen Menschen betroffen. Besonders bedroht sind bei den Großstädten demnach Hongkong, Kolkata, Jakarta, Shanghai, Mumbai, Buenos Aires, New York und Tokio. Die Entwicklung hänge auch von den Maßnahmen ab, die gegen den Ausstoß von Treibhausgasen und die Erwärmung umgesetzt würden. Die Prognosen beziehen die Ausdehnung der Meere bei einer höheren Wassertemperatur oder das Schmelzen der Gletscher mit ein.

Die Studie wurde wenige Wochen vor Beginn des UN-Klimagipfels in Paris veröffentlicht. Bei dem Gipfel vom 30. November bis 11. Dezember wollen Vertreter aus 195 Staaten ein neues weltweites Klimaabkommen zur Reduzierung der Treibhausgase aushandeln. Das Abkommen, das erstmals auch die Schwellen- und Entwicklungsländer zur Reduzierung ihrer Emissionen verpflichten soll, soll vom Jahr 2020 an das Kyoto-Protokoll ablösen.

Zur Vorbereitung des Gipfels sind seit Sonntag Umwelt- und Energieminister versammelt, um verbleibende Streitfragen zu klären. Der französische Außenminister Laurent Fabius warnte, ein Verfehlen des Zwei-Grad-Ziels hätte „katastrophale Konsequenzen“. Am Sonntag hatte bereits die Weltbank gewarnt, wenn die Staatengemeinschaft nichts gegen den Klimawandel unternehme, würden im Jahr 2030 zusätzlich mehr als hundert Millionen Menschen in Armut leben.

Treibhausgase haben 2014 neuen Höchststand erreicht

Am Montag warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ihrerseits, dass die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre im Jahr 2014 einen neuen Höchststand erreicht habe. Es müsse „jetzt“ gehandelt werden, um die Treibhausgasemissionen zu verringern, mahnte der WMO-Direktor Michel Jarraud. „Wir betreten in einem erschreckenden Tempo Neuland.“ Kohlendioxid sei zwar unsichtbar, doch „eine sehr reale Gefahr“.

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